Häusertausch in Kitzbühel: Russische Unternehmerin Baturina kämpft um Lift

21. Mai 2012, 17:57
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Die BH Kitzbühel genehmigte den Kauf der Villa mit Lift - Der Unabhängige Verwaltungssenat sah das jedoch anders

Innsbruck - Es ist eigentlich ein banaler Grund, warum sich die russische Milliardärin und Ehefrau des Moskauer Ex-Bürgermeisters Juri Luschkow, Jelena Baturina, quasi neben ihrer Villa in Aurach im Bezirk Kitzbühel ein weiteres Nobeldomizil zulegen will: Ihre Mutter, die in dem Haus lebt, sei zu alt, um Treppen zu steigen, sie brauche einen Lift. Und diesen habe man in die alte Villa in der Kochau, um deren Kauf Baturina immerhin drei Jahre kämpfte, nicht einbauen können.

Für den Bürgermeister von Aurach und die Bezirkshauptmannschaft (BH) war der erneute - begründete - Hauskauf der schwerreichen Russin kein Problem. Sie habe bereits ein Haus in der Gegend und ziehe eben um. Zudem versprach Baturina vertraglich, die "alte" Villa zu verkaufen.

Häuser sammeln wolle sie in Kitzbühel nicht, ließ Baturina über ihren Anwalt ausrichten. Sie sei nie negativ aufgefallen, eher positiv, durch Investitionen. Also genehmigte die BH Kitzbühel den Kauf der Villa mit Lift. Der Unabhängige Verwaltungssenat sah das jedoch anders: Es könne kein "öffentliches Interesse" am neuerlichen Hauskauf Baturinas ausgemacht werden.

Höchstgericht

Denn die Situation hat sich für die russische Unternehmerin verändert. Ihr Mann wurde 2010 als Moskauer Bürgermeister abgewählt. Sie selbst soll ihre Baufirma Inteco abgestoßen und ihr Firmenimperium wegen Korruptionsvorwürfen aus Russland verlegt haben. Baturina will nun das Höchstgericht anrufen, um ihren Haustausch durchzubringen.

Die Unternehmerin unterliegt als Russin und Nicht-EU-Bürgerin dem Ausländergrundverkehrsgesetz. Erst im zweiten Anlauf war ihr 2009 gestattet worden, die Villa in der Kochau zu kaufen. Baturina hatte allerdings als Privatperson kaufen müssen. Ursprünglich hatte sie das Zehn-Millionen-Euro-Haus über ihre Firma Tirus erwerben wollen. Die Landesgrundverkehrskommission lehnte jedoch ab: zu wenig öffentliches Interesse, zumal die Firma operativ nicht tätig gewesen sein soll. 2006 erwarb Baturina zudem über eine Stiftung den Golfplatz Eichenheim und sanierte diesen um 25 Millionen Euro. Und auch ein Hotel nennt sie in der Gegend ihr eigen: das Grand Tirolia, renoviert um 35 Millionen Euro. (Verena Langegger, DER STANDARD, 22.5.2012)

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