Tödliche Messerattacke, um "Familie zu beschützen"

21. Mai 2012, 17:46
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Mordprozess um eskalierte Verwandtenfehde - 17-Jähriger stach 15-mal auf Onkel und Großonkel ein

Salzburg - Fünfzehnmal soll ein damals 17-Jähriger vergangenen September wegen einem Familienstreit auf seinen Onkel und auf seinen Großonkel eingestochen haben. Seit Montag sitzt er wegen Mordes und versuchten Mordes vor dem Jugendgeschworenengericht. Drei Komplizen haben sich wegen Beihilfe zu verantworten. Der heute 18-jährige Hauptangeklagte bekannte sich schuldig, bestritt aber den Tötungsvorsatz: "Ich wollte ihn nur zur Rede stellen, warum er meine Mutter bedroht."

Sein Onkel (40), der nach der Messerstecherei mit einer Notoperation gerettet werden konnte, habe der Mutter nach deren Scheidung nachgestellt und sie zur Frau haben wollen. Weil er nicht von ihr abgelassen habe, habe sie eine Scheinverlobung in der Türkei organisiert. Daraufhin soll der Onkel der Mutter am Telefon gedroht haben, er bringe sie um, erläuterte der Erstangeklagte.

Eskalation

Das Küchenmesser habe er nur zur Verteidigung und zum Schutz der Schwester zu dem Gebrauchtwagenparkplatz in Bischofshofen mitgenommen, wo er sich mit dem Onkel zur Aussprache verabredet hatte. Auch die drei Komplizen habe er zur Hilfe angeheuert, "damit wir uns wehren können und nicht umgebracht werden", erklärte er Jugendrichterin Christina Rott. Als der Onkel mit dem Großonkel am Parkplatz ankam, sei die Situation eskaliert: Sein Onkel sei sofort auf seine Schwester losgegangen und habe auch ihn geschlagen, schilderte der Erstangeklagte: "Ich sah meine Schwester am Boden liegen und wusste nicht mehr, was ich tat."

Dann soll der 17-Jährige laut Staatsanwalt Robert Holzleitner nach dem Messer gegriffen haben, das zuvor unter einem Auto versteckt gewesen sein soll. Zwei Männer blieben schwer verletzt liegen: Der Onkel und der Großonkel (58), welcher in der Folge starb. Nach der Messerattacke hätten die drei Komplizen noch auf beide Männer eingeschlagen, schilderte der Staatsanwalt.

Verteidiger zu "Kulturkreis"

Auf die Frage von Richterin Rott, ob er seinen Komplizen erzählt habe, dass es ihm um die Familienehre gegangen sei, sagte der Angeklagte: "Ich habe nie gesagt es geht um Ehre. Ich wollte nur meine Familie beschützen." Sein Verteidiger, Peter Lechenauer, sah im "Kulturkreis" der Beteiligten - sie kommen aus einer Familie mit türkischem Hintergrund - einen Tatfaktor. Der schwerverletzte Onkel habe selber zur Eskalation beigetragen, sagte der Anwalt. Denn dieser wisse am besten, " wie in dem Kulturkreis solche Angelegenheiten geregelt werden". (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 22.5.2012)

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