Zähneputzen im Pazifik

21. Mai 2012, 17:28
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Der BBC-Dreiteiler ist nicht nur dank der einzigartigen Beschaffenheit seines Objekts irrlichternd schön

foto: orf/bbc/tara artner

Die Natur via Mattscheibe zu erkunden ist so ähnlich passiv-aufregend wie Sportevents, die man von der Couch aus verfolgt. Da fehlt zwar das unmittelbare Erlebnis, man sieht aber mehr. Und es bleibt - insbesondere bei Unterwasserweltbesichtigungen - rundherum trocken. Die prächtige Universum-Dokumentation über die bizarre Fauna und Flora des Großen Barriere-Riffs ist so ein Fall. Der BBC-Dreiteiler über das an der Nordostküste Australiens gelegene, 2200 Kilometer lange "Weltwunder der Natur" ist nicht nur dank der einzigartigen Beschaffenheit seines Objekts irrlichternd schön.

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foto: orf/bbc/tara artner

Hier bleibt dem Zuseher auch das ganze Doku-Fiction-Brimborium erspart, also die in mitleiderregende Zusammenhänge gebetteten Geschichten von tierischen Jägern und ihren Opfern. Der Weißspitzenriffhai heißt nicht Hugo oder Olaf (auch wenn er so aussieht), und auch die Schwärme der Blauflossenmakrelen bleiben anonyme amorphe Einheiten, die im sonnendurchfluteten Gewässer ihre Runden drehen.

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kartoffelbarsch, foto: orf/bbc/tara artner

Anstelle tragischer Szenen aus der gnadenlosen Nahrungskette im Pazifik konzentriert sich James Brickells Film auf die meditativen Qualitäten des Riffs. Zwar wirkt die Synchronstimme mit ihren martialisch betonten Superlativen ("gigantisch", "Jahrtausende" usw.) ein wenig lächerlich, doch vergisst man sie in Anbetracht der kuriosen Bilder rasch: Etwa wenn ein Riesenzackenbarsch sich die blutsaugenden Parasiten von einem Putzerlippfisch aus dem Maul knabbern lässt.

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mangrovenwurzeln, foto: orf/bbc/david wachenfeld

Der Lebenskreislauf wird so faszinierend gezeigt (etwa fluoreszierende Korallen bei Nacht - als würden die Lichter in einer Großstadt angehen), dass man schlussendlich dann doch gern selbst vor Ort wäre. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 22.5.2012)

TV-Tipp

Das Große Barriere Riff - Vom Riff zum Regenwald, Teil  2/3,
Dienstag, 20.15 Uhr, ORF 2

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