Möglicher Täter von Brindisi-Anschlag untergetaucht

24. Mai 2012, 15:16
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Premier und Minister bei Beerdigung von Schülerin

Brindisi - Nach dem Bombenanschlag im süditalienischen Brindisi fahndet die italienische Polizei weiterhin nach dem Täter. Dabei stützen sich die Ermittler auf die Bilder von zwei Überwachungskameras eines Kiosks in unmittelbarer Nähe der betroffenen Berufsschule.

Die Aufnahmen zeigen nach Überzeugung der Polizei den Täter, der mit der linken Hand eine Fernbedienung zur Zündung der Bombe auslöst. Es handelt sich um einen elegant gekleideten Mann mittleren Alters mit einer dunklen Jacke, hellen Hosen und Turnschuhen, der den Schauplatz des Attentats nach der Explosion mit ruhigen Schritten verlässt.

Untergetaucht

Nach letzten Meldungen soll der Mann untergetaucht sein, bevor die Polizei ihn festnehmen konnte. Die Ermittler sollen seinen Bruder abgeführt haben, um Informationen über den Flüchtigen zu erhalten. Unklar bleibt, ob es sich bei dem gefilmten Mann um den Urheber des Anschlags oder einen Komplizen handelt.

Dass die Ermittlungen nun der Staatsanwaltschaft in Lecce übertragen wurden, deutet auf Konflikte zwischen Polizei und Justiz hin. Der Staatsanwalt von Brindisi hatte am Sonntag in einer Pressekonferenz von einem "mutmaßlichen Einzeltäter" mit psychischen Problemen gesprochen.

Justizministerin Paola Severino versicherte, es werde "in alle Richtungen" ermittelt. Nach unbestätigten Meldungen soll es Polizeiexperten gelungen sein, aus einigen vor Ort gefundenen Zigarettenstummeln die DNA des Täters zu ermitteln. Die Polizei soll am Montag mehrere Hausdurchsuchungen durchgeführt und einige Verdächtige verhört haben.

Die Modeschule hat indessen ihren Betrieb wieder aufgenommen. In Mesagne bei Brindisi wurde am Montagnachmittag unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die 16-jährige Schülerin beigesetzt, die beim Anschlag getötet worden war. Die Beerdigung wurde im Fernsehen übertragen. Den vier bei dem Anschlag verletzten Schülerinnen geht es mittlerweile wieder besser.

Politiker wollen beruhigen

Nach den Anschlägen und Attentatsdrohungen der letzten Wochen zeigte der Staat deutliche Präsenz. Zur Trauerfeier in der 25. 000-Einwohner-Gemeinde fanden sich Premier Mario Monti, Kammerpräsident Gianfranco Fini, die Innen- und Justizministerin, der Unterrichtsminister und der italienische Polizeichef ein. Innenministerin Anna Maria Cancellieri versicherte: "Der Staat funktioniert. Die Bürger können sich sicher fühlen." (mu, DER STANDARD, 22.5.2012

 

  • Die Polizei fahndet nach diesem Mann, er könnte der Täter oder ein Komplize sein.
    foto: epa/police

    Die Polizei fahndet nach diesem Mann, er könnte der Täter oder ein Komplize sein.

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