Mit der Pflanzenvielfalt steigt der Ertrag

21. Mai 2012, 18:14
5 Postings

Forscher: Langzeitversuche mit Grasland lassen sich auf Wälder oder Getreidefelder übertragen

Je höher die Artenvielfalt, desto ertragreicher werden Pflanzen-Ökosysteme über die Zeit. Das berichtete ein internationales Forscherteam um Peter Reich (University of Minnesota) und Nico Eisenhauer (Technische Universität München) kürzlich im Journal "Science". Jede zusätzliche Pflanzenart führt demnach langfristig dazu, dass sowohl die Biomasse-Produktion als auch die Bodenfruchtbarkeit ansteigen. Zwar stehen Grasland-Ökosysteme im Mittelpunkt der Untersuchungen, die Ergebnisse lassen sich den Forschern zufolge aber auch auf Wälder oder Getreidefelder übertragen.

Jede Art ein Gewinn

Für ihre Studie haben die Wissenschafter mehr als ein Jahrzehnt in die Vergangenheit geschaut: Die von ihnen analysierten Daten stammen aus zwei Langzeit-Versuchen an der University of Minnesota. Auf einer Fläche von insgesamt 2.200 Hektar wurden dort Anfang der 90er Jahre Grasland-Parzellen mit jeweils einer, vier, neun oder 16 verschiedenen Pflanzenarten gesät. Für jede dieser mehr oder weniger vielfältigen Pflanzengemeinschaften konnten die Wissenschaftler deshalb über 14 Jahre hinweg den Biomasse-Ertrag und die Bodenfruchtbarkeit vergleichen. Kürzer angelegte Untersuchungen ließen bislang darauf schließen, dass bereits mit sechs oder acht verschiedenen Arten pro Parzelle der Produktivitätsanstieg abflacht. Die Wissenschaftler konnten nun aber zeigen, dass Vielfalt von Bedeutung ist: Auch in bereits vielfältigen Ökosystemen bedeutet jede einzelne zusätzliche Art demnach einen Gewinn.

Stabilität und Ertrag eines Ökosystems

"Überflüssige Arten gibt es nicht", so Eisenhauer, Co-Autor der Studie. Der Ökologe erforscht die komplexen Wechselwirkungen von Bodenorganismen und deren Einfluss auf die Bodenfruchtbarkeit. "Je mehr Pflanzenarten zentrale Funktionen übernehmen - zum Beispiel die Speicherung von Kohlenstoff oder die Erschließung von Nährstoffen -, desto stabiler und ertragreicher ist das Ökosystem", erklärt der Wissenschafter. Eisenhauer sieht deshalb im Erhalt von artenreichen Landschaften einen großen Nutzen für die Menschen: "Selbst wenn nur wenige Arten verloren gehen, kann das massive Einschnitte in die Ökosystem-Funktionen bedeuten - beispielsweise bei der Bereitstellung von Nahrungsmitteln, aber auch bei der Klimaregulierung oder der Wahrung einer hohen Wasserqualität." (red, derStandard.at, 21.5.2012)

Share if you care.