Erfolg für Komiker Grillo bei Bürgermeister-Stichwahlen

21. Mai 2012, 16:40
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Kandidat der Protestbewegung "Fünf Sterne" in Parma vorn - Sieg des Mafia-Jägers Orlando in Palermo

Rom - Bei den kommunalen Bürgermeister-Stichwahlen in Italien, zu denen am Sonntag und am Montag 3,4 Millionen Wähler in 100 Gemeinden aufgerufen waren, zeichnet sich ein klarer Erfolg der Protestbewegung "Fünf Sterne" um den Starkomiker Beppe Grillo ab. Laut vorläufigen Ergebnissen setzte sich der Kandidat der Grillo-Bewegung Federico Pizzarotti mit einer überwältigenden Mehrheit von 60,1 Prozent gegen Vincenzo Bernazzoli, den amtierenden Präsidenten der Provinz Parma mit 39,9 Prozent durch. Pizzarotti sollte somit zum ersten Bürgermeister aus den Reihen der Protestbewegung aufrücken.

Der Erfolg von Grillos Protestbewegung, die die Menschen mit ihrer Kampagne gegen die Parlamentarier-Kaste, gegen Verschwendung im politischen System und gegen die Richtlinien der Europäischen Zentralbank (EZB) begeistert, hat die höchsten Erwartungen ihres Gründers übertroffen. In fast allen am Urnengang beteiligten Kommunen hatten die Grillo-Kandidaten beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen mehr als zehn Prozent der Stimmen. Sie entzogen den Traditionsparteien massiv Wählerstimmen.

Erste Wahl seit Berlusconi-Rücktritt

In Palermo bahnt sich ein klarer Sieg des Anti-Mafia-Politikers Leoluca Orlando, Kandidat der Grünen, der Mitte-links-Partei "Italien der Werte" und der altkommunistischen "Rifondazione Comunista" an. Orlando eroberte laut vorläufigen Ergebnissen 70,1 Prozent der Stimmen. Sein Gegner, der Kandidat der Mitte-links-Gruppierung "Demokratische Partei" Fabrizio Ferrandelli, musste sich mit 29,9 Prozent der Stimmen begnügen. Orlando, der in den vergangenen Jahren bereits dreimal das Amt des Bürgermeisters in der sizilianischen Hauptstadt bekleidet hatte, war als Favorit ins Rennen gegangen. Die Linke setzte sich auch in Genua durch. So dürfte der Linkskandidat Marco Doria mit 60,8 Prozent der Stimmen das Bürgermeisteramt erobert haben. Sein Gegner aus dem Zentrumslager Enrico Musso musste sich laut vorläufigen Angaben mit 39,2 Prozent der Stimmen begnügen.

Die Stichwahlen fanden in den Gemeinden statt, in denen kein Bürgermeisterkandidat beim ersten Wahldurchgang vor zwei Wochen die absolute Stimmenmehrheit erhalten hatte, und zwar in Kommunen mit mehr als 15.000 Einwohnern. Die Kommunalwahlen, zu denen beim ersten Wahlgang über neun Millionen Italiener aufgerufen waren, sind der erste Urnengang seit dem Ende der Regierung von Silvio Berlusconi im vergangenen November. Gewählt wurde in 1.015 Kommunen. Die Wahl galt als Test für die Krisen-Sparpolitik der Expertenregierung von Ministerpräsidenten Mario Monti. Beim Urnengang war die Wahlbeteiligung niedrig. Sie lag laut vorläufigen Angaben bei 54 Prozent. (APA, 21.5.2012)

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