Hypo putzt Südosteuropa-Braut auf

21. Mai 2012, 17:36
4 Postings

Die Hypo Alpe Adria geht nun auch den Verkauf ihres Netzwerks Südosteuropa an. Um das attraktiv zu machen, müssen Milliarden an faulen Krediten ausgegliedert werden

Die Hypo Alpe Adria geht nun auch den Verkauf ihres Netzwerks Südosteuropa an. Um das attraktiv zu machen, müssen Milliarden an faulen Krediten ausgegliedert werden. Sie bleiben zunächst dem Steuerzahler.

Wien - Die Manager der Hypo Alpe Adria machen sich bereit, der notverstaatlichten Bank ihr vorherbestimmte Schicksal angedeihen zu lassen: Sie bereiten den Abverkauf der Banktöchter vor - nun auch jenen des Netzwerkes in Südosteuropa. Der Verkaufsprozess der Hypo Österreich und der italienischen Tochter wurde ja schon auf Schiene gestellt.

Am Montag hat Vorstandsvorsitzender Gottwald Kranebitter bekanntgegeben, dass die Deutsche Bank als Berater für den Verkauf des Netzwerkes Südosteuropa engagiert wurde. Ins Schaufenster wandern sechs Banken und drei Leasinggesellschaften sowie deren österreichische Steuerungseinheit; es geht um Institute in Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro. Potenzielle Erwerber, die Kranebitter vor allem in "russischen, türkischen und südostasiatischen" Gefilden vermutet, können sich aber keine etwaigen Rosinen aussuchen: Verkauft wird nur der ganze Kuchen, also das gesamte Netzwerk.

Dessen Bilanzsumme hat zuletzt 12,5 Mrd. Euro betragen, im Vorjahr hat man mit 4600 Mitarbeitern einen Gewinn von 20 Mio. Euro erwirtschaftet. " Treiber" dessen waren laut Kranebitter Kroatien und Serbien; Verlustbringer seien die Institute in Slowenien und eines in der Föderation Bosnien und Herzegowina.

Das weitere Procedere: Bis Ende 2012 soll eine Shortlist mit potenziellen "langfristigen Käufern" (Kranebitter zu Agenturjournalisten) stehen. Wie schnell man dann zu einem Abschluss kommt, steht angesichts der Lage auf den Finanzmärkten aber in den Sternen. Oder, in Kranebitters Worten: Das zu sagen "wäre Prophetentum", zuerst sei einmal eine "Normalisierung im Euroraum" nötig.

Das Ziel hinter dem Verkaufsziel: "Wir wollen dem Eigentümer Republik und der EU zeigen, dass wir zu den Verkaufsplänen stehen und dem österreichischen Steuerzahler wieder etwas von seinem Geld zurückgeben wollen." Der Verkaufserlös wird aber unter den derzeitigen Marktgegebenheiten sehr hoch nicht sein, Kranebitter hofft auf " zumindest" den Gesamtbuchwert von 1,5 Mrd. Euro. Zur Erinnerung: Die Volksbanken haben jüngst ihre Osteuropa-Holding Volksbank International an die russische Sberbank verkauft - und zwar unter Buchwert.

Damit die Südosteuropa-Töchter der Hypo aber überhaupt Interessenten finden, müssen sie (wie Hypo Österreich und Italien auch) von jeder Menge Ballast befreit werden. In erster Linie geht es um faule Kredite (non-performing loans; NPL), die unter den Augen der lokalen Aufsichtsbehörden und gemäß eigens ausgearbeiteter und maßgeschneiderter Modelle in Zweckgesellschaften oder Hypo-International-Gesellschaften abgespalten werden. Sie werden also nicht mit verkauft und bleiben vorerst einmal beim österreichischen Steuerzahler hängen.

Zeitdruck steigt

Insgesamt hatte die Hypo-Gruppe zuletzt rund zehn Mrd. Euro an faulen Krediten in den Büchern; an der Bilanzsumme gemessen sind das rund 30 Prozent. Da Banken mit derartigen Risken aber nicht verkaufbar sind, wurde dieser Prozentsatz im Südosteuropa-Package auf einen "in der Region marktüblichen" Satz von zehn bis zwölf Prozent gesenkt, wie in der Hypo bestätigt wird. Soll, grob gerechnet, heißen: Zwei Drittel der faulen Kredite bzw. Leasinggeschäfte und Eigen-Engagements der Südosteuropa-Töchter werden abgespalten und bleiben im Reich der Hypo International.

Vorausgesetzt die Verkäufe klappen, bleiben der dermaßen zur Bad Bank werdenden Hypo bis zu acht Mrd. Euro an Belastungen, rechnet man in der Staatsbank. Auch dann wird es noch spannend; schließlich gilt es, auch diese Assets abzubauen. 2016 bzw. 2017 werden die meisten Finanzierungen fällig; zahlt die Hypo sie nicht rechtzeitig zurück, würden die Verluste das Eigenkapital früher oder später aufzehren. Verkäufe und Verkaufserlöse braucht die Bank also dringend - umso mehr, als die Aufsicht den offenen Eigenkapitalbedarf zuletzt mit 1,5 Mrd. Euro taxiert hat. (gra, APA, DER STANDARD, 21.5.2012)

Share if you care.