Unternehmen profitieren von Familienfreundlichkeit

25. Mai 2012, 16:14
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Laut einer Studie liegen die wirtschaftlichen Vorteile deutlich über den Kosten für die Maßnahmen

Wien - Es lohnt sich für Firmen, Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ergreifen. Familienfreundlichere Betriebe haben messbare wirtschaftliche Vorteile, die deutlich über den Kosten nötiger Maßnahmen liegen, sagte der deutsche Wirtschaftsforscher Helmut Schneider am Montag in Wien. Er stellte gemeinsam mit Familienminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) die Österreich-Version des "berufundfamilie-index" vor, der jeder Firma ermöglichen soll, die eigene Familienfreundlichkeit abzutesten.

Dabei entscheiden nicht nur offensichtliche "harte" Kriterien wie eine Kinderbetreuung vor Ort über Familienfreundlichkeit, erinnerte Mitterlehner. Oft seien es Kleinigkeiten wie der Zugang zum Computer während der Karenz oder die weitere Einbindung in Betriebsfeiern. Schneider unterscheidet zwischen "Leistungskriterien", etwa flexibel vom Arbeitnehmer beeinflussbare Arbeitszeiten, "Dialog", die Kommunikation zwischen Unternehmen und Mitarbeitern und "Kultur", damit die Werte auch gelebt und umgesetzt werden.

Anreize statt Sanktionen

Mitterlehner will es vorerst der Initiative jeder Firma überlassen, sich einzustufen und allenfalls zu verbessern. Letztlich gehe es um Unternehmenskultur und die könne nur durch Anreize, nicht durch Sanktionen verbessert werden. Er lässt aber als "Zukunftsmöglichkeit" offen, den Index zu veröffentlichen. Ein "Geheimtipp" werde sich jedenfalls daraus entwickeln, erwartet er. Im Kampf um gut ausgebildete Fachkräfte werden familienfreundliche Unternehmen jedenfalls einen Wettbewerbsvorteil haben, erwartet der Minister und verweist darauf, dass in den nächsten Jahren 50.000 Facharbeiter fehlen werden.

Schneider hat 15 Kriterien gefunden, bei denen familienfreundliche Betriebe signifikant besser abschneiden: So sinkt die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage, während weniger familienfreundliche Betriebe mehr Fehltage verzeichnen als der Durchschnitt. Die Differenz liege bei 2,8 Fehltagen, für ein größeres Unternehmen schon ein deutlicher Kostenfaktor. In familienfreundlichen Betrieben wechseln Mitarbeiter signifikant seltener die Firma, sie sind motivierter und kündigen seltener. Sogar die Elternkarenz wird kürzer in Anspruch genommen - und es bewerben sich mehr und bessere Job-Anwärter. Die breite Streuung der Kriterien zeige wie umfassend familienfreundliche Unternehmenspolitik wirke, so Schneider. Im Gegenzug fielen bei den befragten Unternehmen nur Kosten von rund 40.000 Euro an, so Schneider.

Schulnote "befriedigend"

Heimische Unternehmen liegen in der Familienfreundlichkeit nicht schlecht. Bei einer Befragung Schneiders haben 411 Unternehmen im Schnitt 66,7 von 100 möglichen Punkten erreicht - dafür vergibt der Professor eine Schulnote "befriedigend". In Deutschland und der Schweiz gab es weniger Punkte, allerdings wurden die Untersuchungen dort vor ein paar Jahren durchgeführt, und in allen drei Ländern ist die Bedeutung der Familienfreundlichkeit stark im Ansteigen. (APA, 22.5.2012)

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