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Den Lifeball und seinen Organisator Gerry Keszler (im Bild mit US-Model Lydia Hearst) kritisch zu hinterfragen, zieht meist das falsche Publikum an.
Es sei, sagte der Partymacher, gut, dass wir uns gerade hier über den Weg gelaufen seien - und nicht dort, wo wir uns sonst sähen. Obwohl das in den vergangenen Jahren eigentlich auch nur mehr zufällig geschähe. Hier, sagte er, während er nach dem Lieblingsjoghurt seines Freundes suchte, sei besser. Weil neutral: Wir standen vor dem Kühlregal im großen Supermarkt unter der großen Einkaufsstraße.
Es war eine Woche vor dem Life Ball. Der Partymacher und ich verdrehten die Augen, als wir einander fragten, ob wir auch heuer... der wievielte Ball ... usw. Dann griff sich der Partymacher ein Herz - und sagte, er müsse mir eine offene, ehrliche Frage stellen. Eine, die ihm schon lange ein Anliegen wäre. Und die hier - vor dem Kühlregal - besser zu beplaudern sei als sonstwo.
Was für eine Geschichte?
Was das mit mir und dem Life Ball für eine Geschichte sei, wollte er wissen. Er verstehe nicht, was ich gegen die Veranstaltung hätte: Die wollen das Richtige, sagte er. Und tun was sie tun, um Gutes zu tun. Ja, auch ihm gingen Attitüde und manches im Umfeld und hinter den Kulissen auf den Senkel. Aber im Sinne der Sache, sagte er dann, beiße er sich auf die Zunge. Schlucke die Krot. Höre weg. Zähle bis 100.
Alles andere, sagte der Partymacher, rufe Applaus hervor, den keiner wolle. Schulterklopfen von denen, bei denen man nicht anstreifen dürfe. Lob von jenen auf der falschen Seite. Zuspruch von Leuten, denen man widersprechen müsse. Und auch wenn das nach altem, überkommenem und groteskem Lagerdenken, nach "right or wrong - my country" und - horibile dictu - nachgerade nibelungentreue Loyalitätsparametern klänge: So sei das eben.
Postings aus der untersten Lade
Sollte ich es nicht glauben, möge ich die Kommentare lesen, die nach meiner Rezension des Balles von 2011 auf derStandard.at aufgepoppt seien - und mir bei den Autoren der ekligsten, hämischsten, fiesesten und höhnischsten Postings anschauen, was diese Individuen sonst von sich gäben. Welches Weltbild, welche Werte, welche Ideale: Das wäre, sagte der Partymacher, durchwegs die Antithese zu dem, was wir uns - ungeachtet aller Partyoberflächlichkeit, Animositäten oder sonstiger Blödheit - seit jeher auf die Fahnen geschrieben hätten.
Er habe, sagte der Partymacher, während wir Seite an Seite zwischen Gemüsestation und Heimtierfutterregalen wanderten, fast geheult. Damals. Vor Wut. Über mich. Wegen meiner Dummheit: Dass das, was ich geschrieben hätte, die Schleusen der Unflat und die Büchse der Pandora öffnen würde, hätte mir doch bewusst sein müssen. Ungeachtet der Tatsache, warf er ein, bevor ich Luft holen konnte, dass er über weite Strecken ja mit dem, was ich kritisierte, konform gehe.
Nix sagen können
Nur: Laut sagen dürfe und könne man das alles eben nicht. Weil: Siehe oben... Wir blieben stehen. Er sah mich an. Jetzt du, sagte er.
Ich holte Luft. Und wusste - nachdem ich gestanden hatte, dass ich Postings nur läse, wenn sie mir mit der Frage "Lässt du dir das echt gefallen?" weitergeschickt würden - nicht, was ich sagen sollte: Er, der Partymacher, druckste ich herum, habe ja Recht. Mit allem, was er über Prinzipielles und das Richtige am und im Life Ball sage. Mit dem Guten, den Absichten, den Zielen. Auch mit dem Applaus von Leuten und Gruppen, deren bloße Erwähnung mir Magenschmerzen bereite. Deren Lob wie ein Kübel Gülle über dem Kopf röche. Und so weiter.
Nix nix sagen können
Aber trotzdem. Oder vielleicht gerade deshalb: Nichts zu sagen, alles zu schlucken, wider besseren Wissens Dinge gut zu heißen, Hofart und Eitelkeit zu ignorieren und Arroganz oder Selbstherrlichkeit zu negieren, Ungereimtheiten und Unvereinbarkeiten zu übergehen und das offensichtliche Auseinanderdriften von Anspruch und Wirklichkeit in jenen Details, die Haut Gout, Charme und Seele ausmachen, auszublenden - also all das nicht zu erwähnen, um den falschen Zustimmern nur ja keine Angriffsfläche zu zeigen und zu markieren, könne ich eben nicht.
Erstens aus Prinzip. Zweitens sei ich so gestrickt. Drittens überhaupt. Und viertens sei das mit der Freunderlwirtschaft und den Gefälligkeiten in Wien eben genau so, wie im Märchen von Kaisers neuen Kleidern: Nur weil alle das Gewand so lange loben, bis sie es tatsächlich zu sehen glauben (und am Schoß des Kaisers Platz finden), sei der gute Mann trotzdem nackt durch die Stadt gelaufen: Nackt sei und bleibe nackt. Und je öfter mir jemand ins Gesicht sage - oder es mir hintenrum ausrichten ließe, dass das a) anders, b) nicht zulässig und c) nicht folgenlos sei, um so spannender werde es für mich, weiter "nackt nackt nackt" zu rufen.
Verspannung macht sich breit
Ich spürte, wie ich mich warm redete. Wie mein Puls schneller, die Atmung heftiger, die Stimme lauter wurden - und die Sätze schneller aus mir kamen. Der Partymacher sah mich an - und unterbrach mich irgendwann: Deine Körpersprache. Die Hände. Die Körperspannung - schau dich doch mal an, lachte er. Ich brauchte keinen Spiegel. Und lachte mit ihm: Ja, er habe eh Recht.
Er habe, sagte der Partymacher, einfach eine Bitte: Zähl bis 100 bevor du schreibst. Oder bis 50. Versuch, daran zu denken, worum es geht. Also worum es wirklich geht. Worum es trotzdem und trotz allem geht. Sag das. Nicht, weil das, was du rundherum siehst, nicht stimmt. Nicht, weil du das totschweigen sollst. Sondern weil das Gute, wenn du es nicht auch betonst, untergeht - im Applaus derer, auf deren Zuspruch wir alle gut verzichten können.
Nachtrag nach Fertigstellung
Den Partymacher traf ich, wie gesagt, vor dem Lifeball. Der Ball war dann eben, wie er war - und ich schrieb am Sonntag darüber. Am Sonntag. Der Artikel erschien Montagfrüh. (siehe Life Ball 2012: "Nur Spaß ist dieses Fest nicht"). Und jetzt gerade - am Montag - rief "Kronen Zeitungs"-Postler Michael Jeanée an. Er fand, ich hätte mit meiner Kritik an den Nebengeräuschen des Balls genau den Punkt getroffen. Seinen nämlich. Und ohne da genauer drüber zu sprechen, war uns beiden klar, was er meinte. Mir wurde mulmig.
Ähnliches "Lob" (aus Jeanées Sicht zumindest) hatte er mir schon vor einmal - vor ein oder zwei Jahren einmal in seiner "Post" ausgerichtet. In meiner Welt war das fast Rufmord. Doch diesmal fügte er - zumindest am Telefon - einen Nachsatz ein: Dass wir in der globalen Bewertung dessen, was der Ball ist und kann, und dessen, wofür er steht, sicher Lichtjahre auseinander lägen.
Wenn Leute wie Jeanneé an solchen Einschränkungen nicht vorbei kommen, zählt das. Es macht den Vereinnahmunsgversuch zwar nicht ungeschehen - zeigt aber doch, dass zumindest die, deren Lob man nicht will, spüren, dass man nie einer von ihnen sein wird. (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 21.5.2012)
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oh rottenberg, du sanfte seele - jetzt'n muss ich mich fragen, warum du dir den höllen-tschoch der society-berichterstattung überhaupt antust - von kessler enttäuscht, von partymachern am kühlregal gestalkt, von jeanee missverstanden oder auch nicht und vom mitteilungsdrang darüber gebeutelt: welch herbes schicksal!
warum man sich die Charity Events immer bei den Oberen unter den Nagel reißt
und etwas daraus macht
was eigentlich mit dem Sinn und Zweck eines Charity Events nur mit dem Faktor Geld zu beantworten ist,
ist wohl das Ekelhafte daran
Geht es denn nicht alle etwas an?
feine Grüße!
Oberflächlichkeit, enthirnte Promis und Dekadenz. Die Wohlstandsgesellschaft beweihräuchert sich gegenseitig und tut das, was sie am besten kann. Sich selbst feiern. Wenn jemand etwas dagegen hat, ist er ein homophober Kronenzeitungleser. Ist es wirklich so einfach?
Als Outsider ist mir der Life-Ball über die Jahre zunehmend unsympathisch geworden, weil er dem Herrn Keszler (ein Justizwachebeamter?) die Macht eines Schwulenpaten von Wien verliehen hat. Ich zweifle daran, daß die Fortschritte in der Aids-Forschung, wohin der Reinerlös des Events angeblich fließt, den Millionen leidenden Menschen in Vierte-Welt-Ländern zugute kommt. Für die verlaufen HIV-Infektionen weiterhin tödlich.
der etwas zum gegenstand hat, das mich nicht interessiert.
die frage aber, ob man kritik zurückhalten sollte oder sogar muß, nur weil man dafür beifall von der "falschen" seite bekommen könnte, ist eine gute und wichtige frage. vor allem für journalisten, vermute ich. denn, und diesen punkt hat rottenberg nicht behandelt, hält man die kritik zurück, macht man sich erpressbar. erpressbar für jene, die etwas im ruhigen gewissen der loyalität anderer pervertieren. ich meine das allgemein, gar nicht auf den gegenständlichen ball bezogen.
fazit: rottenberg hat recht.
geht es dem Autor nicht um das Unterschlagen (berechtigter) Kritik, sondern darum, dass man auch die positiven Seiten nennen soll - und im Interesse einer umfassenden Berichterstattung / Behandlung des Themas auch MUSS.
"hält man die kritik zurück, macht man sich erpressbar. erpressbar für jene, die etwas im ruhigen gewissen der loyalität anderer pervertieren." - Was ist denn das für ein labyrinthisches Geschwurbel in einem sonst, wie es den Anschein hat, entleerten Gehirn? Und warum macht man so etwas nicht einfach mit sich selbst aus, in der Badewanne oder sonstwo, anstatt damit die Öffentlichkeit zu behelligen. - Nun, ich unterstelle, dass es von Eugen-Maria Schulak kommt. Und das passt dann schon recht gut zu Michael Jeannee. Rottenberg ist dieweil leider nur noch überaus peinlich. Auch einer, der sich viel zu wichtig nimmt, und seine Selbstüberhöhung daraus bezieht, Gery Keszler und dessen geniales Werken auf das eigene Niveau klein zu schreiben.
es gibt jedes jahr dieselbe aufregung. und warum? weil die halbwertszeit dieses ach so polarisierenden themas so kurz ist, dass es drei tage später niemanden mehr juckt.
und deswegen haben wir keine durchgängige diskussion, weils im nachhinein eigentlich immer ein bisserl wurscht ist wie das jetzt wer seine party schmeißt und ob da jemand mehr oder weniger gehalt bekommen hat.
Rottenberg, der beim Ausmass der Verachtung, mit der er der Welt begegnet, kein Mass und Ziel kennt, kritisiert etwas sehr Gutes, weil es -wie alles auf der Welt!- nicht perfekt ist.
das scheint ja Blattlinie zu sein.
Und wie jeder einzelne alles-durch-den-Dreck-Zieher aus Boboville ist er davon überzeugt der Eine, der Wahre, der Berufene zu sein, der dies nun einmal tun muss.
geistlos, billig und seit Jahren erfolgreich ...
genau nix.
Ist dasselbe wie "Ich hab ja nichts gegen XY, aber..."
Die Wahrheit (die Einzige und Unwiderrufliche) ist, dass, indem Hr. Rottenberg beim Life-Ball seinen Schwerpunkt der Berichterstattung auf die Kritik legt, er seine Gemeinsamkeiten mit denen entdeckt, mit denen er nichts zu tun haben will.
Das oft gebrauchte "eigentlich ist er ja nicht so", bedeutet wie immer: Doch er ist so. Er ist selbstverständlich auch anders, aber *das* ist er eben auch.
;->
Der life ball ist sicher der schillerndste, aber das zieht sich durch alle solchen Veranstaltungen. Ich hab da frueher bei ein, zwei kleinen gern mitgeholfen und meide das heut wie die Pest weil ich die ganzen selbstgefaelligen Gfrasta und Selbstdarsteller, die solche VA's ausnutzen nimmer aushalten kann.
Aber!
Muss man im Vorfeld wirklich jeden Furz filmisch dokumentieren, der einem Bauarbeiter beim Aufstellen irgend eines Gerüstes in einem Moment er Unachtsamkeit entfleucht ist?
Nicht nur, dass die Statements mehr als nur peinlich sind, gibt es doch wohl auch zu Zeiten des Life Balls Themen, die man im Vorabend- und Abendprogramm behandeln kann.
So spannend ist ein sturzbetrunkener Gary Kessler, der kaum noch aus seinen Augen sieht, dann auch wieder nicht...
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