Unsichtbare Probleme der Technikwelt

Sarah Spiekermann
21. Mai 2012, 15:17
  • Sarah Spiekermann

    Sarah Spiekermann

Weshalb sind Probleme in der realen Welt um so vieles greifbarer, als Missstände in der virtuellen Welt?

Seitdem ich an dieser Ethikbefragung der Mediapark-Agentur teilgenommen habe, lässt sie mich nicht mehr los. "Haben Sie jemals so getan, als würden Sie einen Bettler
nicht sehen, um nicht als geizig angesehen zu werden?" war eine der Fragen, die einem da gestellt werden. Jedes Mal wenn ich jetzt einen Bettler vor dem Supermarkt sehe, schaue ich nicht mehr weg. Es gab noch eine ganze Menge anderer, teilweise wirklich intimer Fragen von Steuerhinterziehung und Lügen bis hin zum Sexualverhalten; ziemlich hart zum Teil. Jedenfalls hat mich diese Befragung an eine ganze Reihe von "echten" ethischen Dilemmata erinnert, vor der wir in der realen Welt dauernd stehen und die sich so viel realer, wichtiger und wahrhaftiger anfühlen als all die Technikethik mit der ich mich als Wissenschaftlerin beschäftige. (Wer Interesse hat: Hier geht es zu dieser Befragung >>).

Verletzung von Rechten wird online nicht gleichermaßen empfunden

Ich frage mich, warum sich die großen Fragen der Technikethik eigentlich im Vergleich so unwirklich anfühlen. Einer Verletzung von Rechten, vor der wir in der physischen Welt immer zurückschrecken würden, wird online nicht gleichermaßen empfunden. Viele von uns haben keine Skrupel online Urheberrechte und Copyrights zu verletzen, obwohl sie nie ein Buch aus einem Laden stehlen würden. Firmen verramschen unsere Privatsphäre und bauen ohne schlechtes Gewissen lukrative Datenmärkte auf, wo sie unsere Identitäten und Interessen versteigern. Physisch würden sie uns nie auf der Strasse verfolgen und unsere Pässe klauen, um unsere Informationen zu versteigern. In 2010 hat der deutsche Staat 37.292.862 E-Mails und Datenverbindungen überprüft. Das sind so viele Überwachungsvorgänge als wenn jeder DDR-Bürger 2 x im Jahr angeschwärzt worden wäre.

Was wir nicht sehen

James H. Moore, einer der Begründer der Technikethik hat 1985 eine Eigenschaft der technischen Welt skizziert, die unser mangelndes Unrechtsbewusstsein zum Teil erklärt: Die Unsichtbarkeit. Wir sind als Menschen gebaut für das Fassbare und das Sichtbare. Die großen ethischen Probleme unserer neuen Technikwelten entstehen aber durch die Unsichtbarkeit der "Infosphäre". Weil wir den Missbrauch nicht sehen und nicht fühlen, nehmen wir ihn nicht als existent wahr. Wir haben keinen emotionalen Bezug zu ihm. So sehen wir die Aushöhlung unserer Privatsphäre nicht, die durch die dauerhafte Überwachung unserer Onlineaktivitäten, Videokameras, Kundenkarten, Mobiltelefone etc. de facto gegeben ist. Wir sehen nicht, welche menschlichen Werturteile jeden Tag absichtlich oder unabsichtlich von Computerprogrammen über uns gefällt werden. So wissen wir beispielsweise nicht, ob uns unsere Bank als kreditwürdig errechnet hat oder als undisziplinierten Abenteurer kategorisiert (so wie es die Hamburger Sparkasse jüngst mit ihren Kunden getan hat). Wir sind lediglich erstaunt, wenn der Nachbar weniger Zinsen auf seinen Kredit zahlt. Und wir sehen auch nicht, wie Programme überhaupt funktionieren. Selbst diejenigen, die Einblick haben sollten, verstehen oft ihre eigenen komplexen Computerprogramme und IT-Infrastrukturen nicht mehr. Die Maschinen arbeiten unsichtbar für unser Verständnis und diese Unsichtbarkeit der Maschinen hat die Unmittelbarkeit der Welt abgeschafft.

Das Unsichtbare sichtbar zu machen?

Was können wir gegen diesen Trend tun? Könnte die erste Eigenschaft der ethischen Maschine sein, dass sie (zumindest auf Anfrage) in der Lage ist, das Unsichtbare sichtbar zu machen? Das ist leider genau das Gegenteil von dem, woran die "Visionäre" zukünftiger IT-Welten mit dem "invisible computing" arbeiten. (Sarah Spiekermann, derStandard.at, 21.5.2012)

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Und noch was, Frau Spiekermann,

vielleicht sollten Sie mal ein Psychologiebuch zur Hand nehmen, kopiert oder gekauft.
"[..] hat 1985 eine Eigenschaft der technischen Welt skizziert, die unser mangelndes Unrechtsbewusstsein zum Teil erklärt: Die Unsichtbarkeit. Wir sind als Menschen gebaut für das Fassbare und das Sichtbare."
Echt jetzt? Der ist da "schon" 1985 drauf gekommen? Da war die Psychologie aber schneller. Zum Beispiel in Bezug auf die Nutzung von Schusswaffen.

"Viele von uns haben keine Skrupel online Urheberrechte und Copyrights zu verletzen, obwohl sie nie ein Buch aus einem Laden stehlen würden."

Sorry, aber nicht alles was einen Krückstock braucht ist auch ein Vergleich.
Und hey, Bücher kopieren war schon in, als es noch kaum Kopierer gab, von Scannern ganz zu schweigen! Da gab's dann die tollen müffeligen Matrizen ...

das bettlerdilemma verstehe ich schonmal nicht

entweder ich hab nicht genug um was abzugeben
dann kann ich nichts geben
oder ich hab genug
dann gebe ich
wo ist das problem

Grenzgenial

hat man alles ausgefüllt, klopfts an der Tür und die Polizei steht draussen.
Ganz intelligente geben eine gefakte Mailadresse an, im Glauben, so unsichtbar zu sein.

Das problematischste Unternehmen - Facebook - ist gerade an die Börse gegangen.
Eine Internetplatform wo man unter dem Realnamen existiert und private Details und Informationen für jedermann sichtbar, abrufbar und sammelbar veröffentlicht.
Will man heute als Krimineller erfolgreich sein, muss man auch seine Opfer über solche sozialen Netzwerke selektieren und der Trend wird durch die wirtschaftlichen Probleme vieler Länder, der Ostöffnungen und der größeren Kluft zwischen Arm und Reicht noch steigen.

In Österreich wird noch dieses Jahr ein zentrales Waffenregister eingeführt. Wie sicher wird das vor kriminellen Hackern sein ? Erleben wir eine neue Werkzeug Beschaffungsmethode für Kriminelle ?
Übrigens: die GIS nutzt das ZMR schon lange.

"Wir sehen nicht..."

WIR wissen nicht... blödsinn, nur uninformierte Menschen denen Hintergrundinformationen völlig egal sind und die nur eine schöne glatte Anwenderoberfläche haben wollen sehen und wissen nicht ^^ und wenn man denen etwas erklären will heißt es gleich: fad, langweilig intressiert mich nicht, und dann hinstellen und sagen: wir sehen nicht, wir wissen nicht... ziehen sie "uns" nicht in ihr "wir" hinein ;)

Der Vergleich ist absurd

Stehle ich das Buch entsteht dem Laden ein Schaden, er hat es schließlich gekauft.
Kopiere ich es im Laden entsteht ihm kein Schaden, es ist völlig legal (solange es eine Privatkopie bleibt), schlimmstenfalls verbieten das die Hausregeln (Selbstkopie von nicht gekauften Materialien), an Kosten entsteht nur der normale Tarif für S/W-Kopien.
Das funktioniert so übrigens auch in Bibliotheken, dort wird das Kopieren sogar angeregt, auch dort besitze ich das Buch nicht, ob ich ein Entgelt für die Bibliothek zahle ist dabei nebensächlich.
Dem gleichen Prinzip folgt die Privatkopie im Internet.
Inwiefern ist es eigentlich ein "Missstand" wenn man etwas völlig legales tut?

Ich finde das nicht absurd. Wenn man die Produktionskosten einen Buches nicht beachtet, ist der Schaden für den Autor in beiden Fällen gleich groß. Und nur weil sie mit einer digitalen Kopie keine realen Waren stehlen, so bescheißen Sie doch Autor. Und der muss schließlich auch von etwas leben und hat für den Erwerb des Wissen, das nötig war um genau dieses Buch zu schreiben, auch Geld aufwenden müssen. Miete, Lebensmittel u.s.w. Also ist der Vergleich passend, nicht absurd.

trotzdem ist es legal in bibliotheken zu kopieren ^^

das ist aber unerheblich. es ist vieles verboten, was ein witz ist, und vieles legal, was unmoralisch ist.

was wollen sie damit argumentativ unterstützen? ist es unmoralisch in bibliotheken zu kopieren, oder ist es ein witz dass man keine Privatkopien im Internet machen darf? sie unterstützen beide Positionen mit dieser Aussage ^^ sie driften sogar in die Anarchie ab wenn sie sagen es ist unerheblich was legal/illegal ist. also soll jeder nach seinem eigenen gutdünken handeln? Oder am Ende sogar nach IHREM Willen?

Ich bin gar nicht in dem Forum, um zu argumentieren oder zu unterstützen. Ich gebe bloß manchmal laut, wenn ich der Meinung bin, daß sich Teilnehmer in einem Gespräch/Thread in irgendetwas verrennen, hier etwa die Legalität. In China oder Teilen der USA ist es gesetzlich vorgesehen, Straffällige hinzurichten, in Österreich gibt es da irgendwelche noch nicht geklärten Geschichten rund um irgendwelche Graf-Stiftungen. Ist das deswegen alles moralisch einwandfrei? Keine Ahnung … Ich bin letztlich nicht dazu da, die Welt mit irgendeinem Urteil darüber zu erfreuen. Für die umgekehrte Frage hab ich gerade kein Beispiel parat, aber es gibt sicher unzählige. (Straßenverkehr und Hanf liegen mir nicht so.) Der Blog heißt doch nicht “Die Jusmaschine”.

naja aber wenn man ein blog über die "ethische" Maschine schreibt und über Datenschutz, wird man an der Jusmaschine nicht vorbeikommen... Auf Probleme hinweisen und keine Lösungen anbieten - das ist ziemlich beliebig

ps. Ihre fortwährenden beleidigungen (ausdrucksweise) interessieren mich nicht, also halten Sie sich von mir künftig fern, wenn Ihnen das möglich ist.

Wem es in der Küche zu heiß ist...

abgesehen davon dass es bezeichnend ist wenn man Wahrheit als Beleidigung ansieht, lol WO sehen sie hier überhaupt eine Beleidigung? ich hab nicht mal an der Oberfläche von "beleidigen" gekratzt, hier Beleidigungen herauszulesen zeugt von einem extrem empfindlichen gemüt, und einer äußerst dünnen Haut (reagieren sie gerade WEIL sie wissen das es Wahr ist so empfindlich?)...UND: SIE haben MICH angeschrieben ^^

Ich schrieb Sie keineswegs an, ich kommentierte dn Thread. Diskussionen habe ich nicht nötig, denn ich bestehe nicht darauf, immer von irgendwelchen Personen angegriffen zu werden. Sie hingegen befleißigten sich sofort einer beleidigenden (weil verletzenden) Ausdrucksweise, die mit “abdriften”, “beliebig” und dergleichen Müll von vorgestern n ur so um sich wirft. Eben Derartiges ist es, das ich nicht nötig habe.

am 31.5.2012, 01:26 haben sie mich angeschrieben ^^ wenn sie den allgemeinen Thread kommentieren wollen - dafür gibt es einen kommentar posten knopf oberhalb der postings und unterhalb des artikels

sie müssen jedoch bei meinem beitrag auf: antworten gedrückt haben also haben sie mich angeschrieben, auf mein post "geantwortet" (wie schon der knopf "antworten" sehr unterschwellig suggeriert) ^^ und nochmal: LOL ja das war wirklich absolut unter der gürtel linie und seeehr beleidigend (achtung: sarkasmus) by the way: ich hab ihre postings ganz sicher auch nicht nötig ;)

Daß Sie vielleicht E-mail-Weiterleitungen von allen Reaktionen erhalten, ist Ihr Problem. Es läßt sich ganz leicht lösen.

nicht nur vielleicht, ich bekomm die benachrichtigungs e-mail... aber: das ist anscheinend IHR Problem lol :)) ich hab ja nichts dagegen, mir macht das gar nichts aus ^^

Sie fühlen sich allzu angesprochen, wenn man hier was dazuschreibt.

wenn sie auf mein posting antworten fühl ich mich angesprochen, ausserdem: natürlich beziehen sie sich direkt auf meine Postings. Lesen sie sich ihre postings mal durch. ich schreibe: "...legal... zu kopieren", und sie: " *das* ist aber unerheblich", das *das* bezieht sich direkt auf mein Posting, damit sprechen sie mich an...also sie schreiben nicht einfach nur "hier" was dazu, sie drücken bei meinem posting auf "antworten" und dann beziehen sie sich direkt auf etwas dass ich geschrieben habe - so weit hergeholt wie sie es hinstellen ist es nicht dass ich mich dadurch angesprochen gefühlt habe...

Ich sag Ihnen was, diese Haarspalterei langweilt mich, ich lege jetzt den Account still und besorge mir einen neuen.

viel spaß...

sie könnten auch einfach nicht zurückschreiben lol, aber wenn sie unbedingt das letzte Wort haben wollen, müssen sie wohl oder übel einen neuen Account anlegen, wenn sie aber so empfindsam sind werden sie noch 1000 Accounts anlegen müssen lol im vergleich zu anderen bin ich eh ein freundlicher poster :)

Buch stehlen Vs. Daten kopieren ist ein falscher Vergleich. Wenn Vergleiche, dann richtig: nämlich damit, ein Buch auszuborgen und zu kopieren. Wenn dies real nun technisch genauso einfach machbar wäre, wie virtuell, hätten genausowenig Leute ein ethisches Problem damit.

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