Für Nakowitz war Elsners Wort heilig

21. Mai 2012, 15:26
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Angeklagter weist Mitverantwortung für "Unibonds" zurück

Wie - Im zweiten Bawag-Prozess standen am sechsten Verhandlungstag die Themenkomplexe "Unibonds" und "Capper" im Mittelpunkt. Vor allem Peter Nakowitz, die ehemalige "rechte Hand" von Ex-Bawag-Generaldirektor Helmut Elsner, wurde wegen einer möglichen Mitverantwortung beim Themenkomplex Unibonds intensiv befragt. Zu den "Unibonds" habe er nichts beigetragen, betonte Nakowitz. An vorbereitenden Treffen in Paris und London habe er nur teilgenommen, weil ihn Elsner darum gebeten hatte. Hinterfragt habe er dies nicht. "Das Wort von Elsner war heilig", so Nakowitz.

Elsner habe sogar ein Weisungsrecht gegenüber dem Vorstand gehabt, verwies Nakowitz auf die damaligen Macht- und Kommunikationsstrukturen in der Bawag. Das habe seit Jahrzehnten so funktioniert. Der Aufsichtsrat habe nicht einmal gewusst, wie viel der Vorstand verdiene. "Das ist absichtlich so installiert worden", so der Angeklagte ehemalige Generalsekretär und spätere Bawag-Vorstand.

Nakowitz war bereits am zweiten Tag der Neuauflage des Bawag-Strafprozesses in den zwei Anklagepunkten "Hapenny" und "Ophelia" nicht rechtskräftig verurteilt worden. Nakowitz fasste eine Zusatzstrafe von drei Jahren aus, davon ein Jahr unbedingt. Sowohl die Anklage- als auch Verteidigerseite beriefen dagegen.

Bei den "Unibonds" und "Capper" hat es sich um neue Investments der Bawag gehandelt, mit denen die damalige Gewerkschaftsbank ab 1998/1999 die zuvor erlittenen großen Verluste mit Wolfgang Flöttl wieder wett machen wollte.

Gemeinsam veranlagt, gemeinsam verloren

Das Unibonds-Investment war laut den Ex-Vorständen zur Streuung des Risikos in sieben Vehikel bzw. Strategien aufgeteilt. Laut Flöttl waren aber keine sieben Strategien vereinbart, wie er betonte. Tatsächlich hatte Flöttl das Investment nicht diversifiziert, sondern das Geld gemeinsam veranlagt und verloren.

Zusätzlich zu den sieben Uni-Bonds gab es noch Vereinbarungen mit drei Investmentgesellschaften, die wirtschaftlich der Bawag zuzurechnen waren mit den Namen Worchester, Lyon und Mondrian. Diese Gesellschaften sollten mit 80,5 Mio. Euro eine Eigenkapitalunterlegung von 22,5 Prozent für die Investition der Bawag in die Unibonds darstellen. Das ganze Geld (430,5 Mio. Euro) kam also letztlich von der Bawag.

Weil die früheren Bawag-Vorstände Flöttl nach seinen Verlusten kein neues Kapital mehr anvertraut wollten, wurde von Elsner - so die damaligen Vorstände - der Londoner Investmentbanker Kaveh Alamouti als neuer Manager der Gelder vorgeschoben. Tatsächlich hatte Alamouti aber kein Geld für die Bawag investiert. Flöttl managte die UniBonds alleine und verlor im Jahr 2000 fast die ganze Summe durch riskante Spekulationen. Damit summierten sich der Verlust bei der Bawag auf 1,44 Mrd. Euro.

Probleme mit der Erinnerung

Nakowitz wies bei seiner Befragung mehrmals darauf hin, dass er keine genaue Erinnerung mehr daran habe, was bei den Treffen in Paris und London konkret besprochen worden sei. Er gehe aber davon aus, dass er dabei keine unmittelbare Rolle gespielt habe. Zum Vorwurf, die "rechte Hand" Elsners gewesen zu sein, meinte Nakowitz, er sei mit Elsner bis 2003 nicht per Du gewesen. Er habe keine privaten Berührungspunkte gehabt, sondern ein rein dienstliches Verhältnis. Er habe auch nicht Zugang zu allen Informationen gehabt. Er sei zu vielen Treffen mitgeschickt worden, weil Elsner aus erster Hand informiert werden wollte. "Wenn der Generaldirektor sagt, sie fahren hin und reden mit Alamouti, dann fang ich nicht zu diskutieren an", sagte Nakowitz. Seine Wahlmöglichkeit sei Null gewesen.

Zu den "Unibonds" habe er nichts beigetragen, sagte Nakowitz. Damit seien bankintern der damalige Chef und Leiter der Bilanzabteilung, Robert Schatzer, und der frühere Bawag-Treasurer Thomas Hackl inhaltlich bestimmend und ausführend gewesen. Er sei nur Bote für diverse Mitteilungen gewesen. Konsens sei damals gewesen, "wir machen alles neu und Alamouti soll managen." Er habe aber nicht gewusst, dass Alamouti damals noch keine Londoner Konzession hatte.

Flöttl führte aus, Alamouti schon einige Jahre vorher gekannt zu haben. Dieser habe als sehr guter Trader gegolten, den auch er selbst versucht habe - ohne Erfolg - anzuheuern. Er habe sich bemüht, ihn zu gewinnen, damit er bei den Unibonds-Veranlagungen helfe. Das Problem sei aber gewesen, dass Alamouti keine Konzession hatte. Elsner gegenüber habe er Alamouti im Frühjahr 1999 erstmals erwähnt. Er habe Elsner und Hackl aber klar gemacht, dass Alamouti noch keine Lizenz besitze. Ziel der Unibonds sei es gewesen, die Verluste in fünf bis sechs Jahren zurückzugewinnen. Dazu brauche man Hasardeure, so Flöttl. Nakowitz sei kein Entscheidungsträger gewesen, er habe aber viel Kontakt mit ihm gehabt, da er praktisch immer erreichbar gewesen sei. Für ihn als Manager der Gelder sei klar gewesen, dass die Bawag die Beschäftigung von Alamouti nicht zur Voraussetzung mache. Alamouti sei in den Dokumenten auch nicht genannt worden.

Elsner und sein Nachfolger Johann Zwettler seien die beiden gewesen, die miteinander agiert hätten, so Ex-Vorstand Christian Büttner. Bei den Unibonds sei ihm besonders wichtig gewesen, dass diese nicht mehr von Flöttl, sondern von Alamouti gemanagt werden, dass das Risiko gestreut sei und erstmals ein effizientes Risikomanagement durch hauseigene Leute gemacht werde. Durch das Auftauchen der doppelten Vorstandsprotokolle sei ihm erst klar geworden, dass hier ganz bewusst was vorgetäuscht worden sei. In den doppelten Vorstandsprotokollen wurde einmal Alamouti und das anderer Mal Flöttl als der Manager der neuen Gelder genannt.

"Da war ich zum letzten Mal stolz auf mich"

Als die Zentralbank in Japan am 11. August 2000 den kurzfristigen Zinssatz zum ersten Mal seit vielen Jahren von Null auf 0,25 Prozent erhöht hatte, hatte sich dies auch positiv auf die Entwicklung der von Wolfgang Flöttl gemanagten Unibonds-Investments der Bawag ausgewirkt. "Das war was Besonderes, ich war wahrscheinlich zum letzten Mal stolz auf mich, weil ich es richtig vorhergesehen habe", sagte Flöttl.

Als zweiter Themenkomplex stand die "Capper Ltd.", eines der vielen Investmentvehikel des Mitangeklagten Flöttl, am Prozessfahrplan. Über diese Firma soll ein Schaden von 17 Mio. Dollar entstanden sein. Die Idee, weiteres Bawag-Geld über Capper zu investieren, um alte Verluste wieder wettzumachen, sei bei einem Urlaub von Elsner bei ihm auf den Bermudas entstanden, so Flöttl.

Elsner habe quasi gegen seinen, Flöttls, Willen im August 2000 mit seiner ganzen Familie und Schwiegermutter Urlaub auf den Bermudas gemacht. "Es war kein glückliches Verhältnis mehr", sagte Flöttl. Aber Elsner sei Eigentümervertreter gewesen und wollte kommen. Und: "Ich hab ihn kommen lassen."

Wenn die Zentralbank die Zinsen anhebe, stehe normalerweise ein langfristiger Trend dahinter, so Flöttl. Elsner habe dann gemeint, dass die Zentralbank vielleicht noch auf 0,5 Prozent gehen werde, und man davon durch ein "kleines Zusatzinvestment" profitieren könnte. Die Idee sei gewesen, eine Swap-Option zu kaufen. Dies habe er an den Vorstand nach Wien gefaxt, aber lange keine Antwort erhalten.

Erst als Elsner im September wieder zurückgefahren war, habe er Ende September 18 Mio. Dollar bekommen. Die Option gab es allerdings nicht mehr zu kaufen, woraufhin er in der Bank in Wien angerufen und um eine Einschätzung gefragt habe, ob er dieses Investment machen solle. Er sei dazu von Nakowitz mündlich beauftragt worden, eine Million wollte die Bank aber aus irgendwelchen Gründen zurück. Die restlichen 17 Mio. Dollar seien in Cash angelegt worden und acht Wochen dort gelegen. "Ich bin von der Zustimmung des Vorstandes ausgegangen", so Flöttl. Er habe das Investment als Teil der Unibond-Verträge angesehen. (APA, 21.5.2012)

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