"Säuberungsaktion" beschmutzte Image der Ukraine

Interview | Julia Schilly, 22. Mai 2012, 05:30
  • Amir Khalil mit einem Team der Stray Animal Care bei der Arbeit.
    foto: vier pfoten

    Amir Khalil mit einem Team der Stray Animal Care bei der Arbeit.

  • Bislang wurden rund 600 Hunde kastriert.
    foto: vier pfoten

    Bislang wurden rund 600 Hunde kastriert.

  • Das Schwierigste ist das Einfangen.
    foto: vier pfoten

    Das Schwierigste ist das Einfangen.

  • Manche Hunde lassen sich mit Nahrung locken.
    foto: vier pfoten

    Manche Hunde lassen sich mit Nahrung locken.

  • Doch Streuner, die schon schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, sind misstrauisch.
    foto: vier pfoten

    Doch Streuner, die schon schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, sind misstrauisch.

  • Khalil schult zudem ukrainische Kollegen, um das Kastrationsprogramm langfristig zu sichern.
    foto: vier pfoten

    Khalil schult zudem ukrainische Kollegen, um das Kastrationsprogramm langfristig zu sichern.

  • Denn nur so kann die Zahl der Hunde nachhaltig und human reduziert werden.
    foto: vier pfoten

    Denn nur so kann die Zahl der Hunde nachhaltig und human reduziert werden.

Unnötige Grausamkeit: Tötet man einen Teil der Straßenhunde, vermehren sich die überlebenden nur schneller, berichtet Tierarzt Amir Khalil, der in der Ukraine Streuner kastriert

Berichte über fahrbare Krematorien, in die Straßenhunde lebend geworfen werden, oder private Hundejägerteams, die die Tiere mit Äxte und Knüppeln erschlagen, haben im Vorfeld der Fußball-EM für Proteste gesorgt. Das sei jedoch nicht für das ganze Land repräsentativ: Die meisten Ukrainer wollen das Straßenhundeproblem auf humane Weise lösen, berichtet Tierarzt Amir Khalil im Gespräch mit derStandard.at. Er kastriert für die Tierschutzorganisation Vier Pfoten die Streuner. Das sei die einzige humane, aber auch effiziente Methode, um die Zahl der Tiere nachhaltig zu reduzieren. Im Moment schult das Team der Stray Animal Care (SAC) zudem ukrainische Veterinärmediziner, um das Projekt langfristig sicherzustellen.

Der Tierarzt berichtet zudem vom harten Leben der herrenlosen Hunde: Sie ernähren sich von Abfall, während der langen Kälteperioden verenden viele. Khalil ist jedoch zuversichtlich: Die Position der Tierschützer sei in den vergangenen Monaten gestärkt worden und im Moment werde sogar auf Gesetzesebene an einer neuen Rechtslage zugunsten des Tierschutzes gearbeitet.

derStandard.at: Gibt es Schätzungen, wieviele streunende Hunde es zur Zeit noch in der Ukraine gibt und wie viele vergangenes Jahr getötet wurden?

Khalil: In der Ukraine gibt es mehrere hunderttausend Hunde. Aber es gibt unterschiedliche Schätzungen. In Kiew gibt es zum Beispiel zwei verschiedene Zahlen: Laut Stadtverwaltung sind es 40.000, laut den Tierschützern 10.000 Tiere.

derStandard.at: Wie ist die Situation im Moment: Sieht man noch viele Hunde oder Katzen auf den Straßen der Hauptstadt?

Khalil: Im Zentrum von Kiew sieht man eher weniger Hunde, sogar sehr wenige. Am Rande des Stadtgebietes bei Baustellen, verlassenen Häusern oder etwa Fabriken gibt es viele Hunderudel. Im Winter waren selten Hunde zu sehen, es hatte unter minus 30 Grad, natürlich sind da viele Hunde gestorben. Jetzt im Frühling sieht man wieder mehr Hunde.

derStandard.at: Berichte über gezielte Tötungen sorgten weltweit für Empörung: Mit welchen Methoden wurden die Hunde getötet?

Khalil: Es gibt hauptsächlich Vergiftungen, aber auch die sogenannten Hundejäger, sowie Privatgruppen, die Hunde mit grausamen Methoden töten. Manchmal mit Messern, einer Axt oder Metallstangen. Es gab sogar Berichte über mobile Krematorien, in denen die Hunde bei lebendigem Leib verbrannt werden.

derStandard.at: Wieso kam es im Vorfeld der EM überhaupt zu so drastischen Maßnahmen? Solche Tötungsaktionen gab es in der Vergangenheit immer wieder vor großen Ereignissen, haben die Veranstalter daraus nichts gelernt?

Khalil: Ich glaube, die Geschichte zeigt uns: Menschen lernen nie, speziell Politiker. Die Politiker dachten sich wohl, sie reinigen alle vier Städte, in denen die EM stattfindet, mit grausamen Methoden von Hunden, um das Stadtbild zu verschönern. Und sie erreichten das Gegenteil: Diese Aktion hat weltweit Proteste ausgelöst und das Image der Ukraine beschmutzt.

derStandard.at: Vergangenes Jahr wurden weltweit Proteste gegen diese Massentötungen der Hunde laut: Was hat sich seither geändert?

Khalil: Nach der Verbreitung der Nachrichten über Hundetötungen und den Massenprotesten hat sich die Regierung verhandlungsbereit erklärt und erkundigte sich, welche anderen Methoden es gibt, um das Problem zu lösen.

Das Umweltministerium hat im Februar eine Absichtserklärung mit Vier Pfoten unterschrieben, das Stray Animal Care (SAC) Programm zu unterstützen. Kurz danach haben sich die Bürgermeister von Kiew, Lemberg und einigen anderen Städten dazu entschlossen, ebenfalls eine Absichtserklärung zu unterzeichnen.

derStandard.at: Denken Sie, dass es zu langfristigen Verbesserungen kommen wird, oder nach der EM das Thema wieder einschläft und es weiter zu Hundetötungen kommen wird?

Khalil: Es kommt auf jeden Fall zu Verbesserungen. Im Moment wird gerade auf Gesetzesebene gearbeitet, um die Rechtslage zugunsten des Tierschutzes zu ändern. Auch wurde die Position der Tierschützer gestärkt. Die Tierschützer kooperieren stärker und sprechen nun mit einer Stimme.

Außerdem hat Vier Pfoten gerade einen starken Einsatz in der Ukraine und betreibt viel Öffentlichkeitsarbeit, um Bewusstsein in der Bevölkerung für die friedlichere Lösung zu schaffen. Wir schulen außerdem die ukrainischen Veterinärmediziner, sodass sie unser Programm auch ohne unsere Hilfe langfristig implementieren können.

derStandard.at: Wie gehen die Tierärzte im Zuge des Kastrationsprogramms vor?

Khalil: Die Ausbildung von den lokalen Tierärzten schreitet gut voran, momentan sind unsere Tierärzte in Kiew und in Lemberg tätig, in den nächsten Tagen wird ein weiteres Team in Donetsk und Zaporizhia mit ihrer Arbeit anfangen. Das Schwierigste hier in der Ukraine sind nicht die Operationen, sondern das Hundefangen.

Im alten System, in dem Hunde noch getötet wurden, war die einzige Zeit, in der es erlaubt war, Hunde zu fangen, von 5 bis 7 Uhr in der Früh und von 17 bis 21 Uhr. Die Regierung in Kiew erlaubt es Vier Pfoten allerdings jetzt, den ganzen Tag Hunde zu fangen. Ein weiteres Problem ist, dass die Regierung die Nutzung von Betäubungsmittel wie Ketamin ab 1. Juni verbieten möchte. Damit wird unsere Arbeit erheblich erschwert bzw. unmöglich gemacht.

derStandard.at: Wie viele Tiere wurden schon behandelt?

Khalil: Wir steuern gerade auf die 600 zu. Am Anfang des Projektes lag unser Fokus vor allem auf dem Training unserer jungen, ukrainischen Kollegen. Ein Team kann um die 20 Hunde täglich operieren. Im Laufe des Projektes kommen bis zu sechs Teams gleichzeitig zum Einsatz.

derStandard.at:  Ist es nicht so, dass Tiere sich verstärkt fortpflanzen, wenn ein Teil der Population stirbt? In diesem Sinne wären diese Massentötungen, zynisch ausgedrückt, sogar ineffizient.

Khalil: Die Hunde zu töten kann nicht die Lösung sein. Unsere Aktionen werden von Infoständen begleitet, unsere Volontäre händigen Flyer mit Informationen aus. Denn werden Hunde aus ihrem Revier entfernt, werden die dortigen Ressourcen wie Lebensraum oder Nahrung frei. Dadurch vermehren sich die Hunde nur zahlreicher und schneller.

Werden viele Hunde kastriert, können sie sich nicht fortpflanzen. Als erster Schritt wird so die Vermehrung gestoppt. Langfristig wird dann die Zahl natürlich erheblich reduziert.

derStandard.at: Wie würden sie die Beziehung vieler Menschen in der Ukraine zu Hunden allgemein bzw. speziell zu Straßenhunden beschreiben? 

Khalil: Viele Menschen wollen das Straßenhundeproblem auf humane Weise lösen. Außerdem habe ich persönlich noch keinen abgemagerten Hund auf der Straße gesehen. Das heißt, dass die Hunde von den Menschen gut ernährt werden - aber leider können sie sie nicht mit in ihre Wohnungen nehmen. (derStandard.at, 22.5.2012)

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neuter & release, impfköder auslegen. so sollte auslandstierschutz aussehen. zu den hundehasserpostings äußer ich mich lieber nicht.

Man sagt, es sein kein Zufall, dass Hundebesitzer den Hund als besten Freund so verehren,

denn - so sagt man - wäre die Mehrheit der Hundebesitzer auch gar nicht in der Lage, einen menschlichen Freund zu finden.

Wenn man die Posts hier liest, triftt dies auf zweifellos 80% der Hundenarren hier zu.

Sie meines gar nicht böse, sind aber nicht mal in der Lage, das Problem überhaupt zu erkennen, und zu verstehen, worum es in der Ukraine, Bulgraien, Rumänien usw. überhaupt geht.

Man denkt, es ginge um "sinnlose Grausamkeit" oder einen "Krieg Mensch gegen Hund" - ja verhöhnt verstümmelte Kinder und gejagte alte Frauen.

Und wenn man dann schon mal nicht mehr in der Lage ist, Menschen zu verstehen, sondern selbst auf animalischem Niveau angekommen ist - tja dann ist man auf den Hund als einzigen Freund angewiesen...

weg mit die Beißaviecher!

Werden hier wieder alle Kommentare gelöscht, oder was ist da los? Eigentlich ist mir die Zeit, die ich zum Schreiben benötige, zu schade, wenn mein Kommentar dann ganze 10 Minuten gelesen werden kann.

der Standard entwickelt,

sich leider seit einigen Jahren zum 0815 Forum. Die wirklich gescheiten Sachen müssen weg, da könnte ja vielleicht einmal wer zum nachdenken kommen.

Es ist doch so: der Mainstream billigt die realen Brutalitäten. Darüber reden geht aber nur in einer akademischen Sprache. Die Brutalität in der Sprache hält man aber dann doch nicht aus.

das ist Bilderberger-Strategie

um von den eigentlich wichtigen Themen abzulenken. Die Masse wird mit sinnlosen Themen gefüttert.

wichtigen Themen

Was wäre denn so ein wichtiges Thema? Umweltverschmutzung, Finanzdiktatur, Privateigentum an den Produktionsmitteln...?

meinst du so Ergüsse wie "denkt niemand an die Kinder, die den Köder essen könnten"

Glaubst du wirklich, eine Zeitung könnte sich leisten, sowas derartig menschenverachtendes hier stehen zu lassen?

1. Habe ich das so nicht geschrieben. Sie sind offensichtlich nicht fähig zu zitieren. Ich lasse mir keine Worte in den Mund legen.

2. Haben Sie offensichtlich nicht nur falsch zitiert, sondern auch meinen Kommentar nicht verstanden.

Textverständnis und richtiges Zitieren sind Grundkompetenzen, die Sie offensichtlich nicht beherrschen. Das finde ich schade, besonders schade finde ich allerdings, dass man dieses Manko so öffentlich zur Schau stellen muss. Ihre Unterstellung ist eine Frechheit, und diejenigen, die darauf hereinfallen, tun mir ebenso leid wie Sie.

das hast du aber geschrieben

ich habe es auch gelesen.

Verdammt, ich habe gefragt, ob die Befürworter der Vergiftungsaktionen mit dem Risiko, dass auch Menschen von den Ködern sterben können (ist bereits passiert), leben können, zumal viele Poster hier die Tötungen aus "Rücksicht" auf die dortige Bevölkerung unterstützen. Das war lediglich eine zugegebenermaßen provokativ ausgedrückte Frage basierend auf einem Faktum. Das haben die werten Zensoren offenbar selbst nicht verstanden, von daher verzeihe ich auch meinem Vorposter seinen Fauxpas. Mich wundert's trotzdem, dass Aufrufe zu massenhaften Tötungen von Hunden in Wien nicht nur stehen gelassen, sondern auch positiv bewertet werden. Peinlich, dass selbst die Poster im Krone-Forum ein höheres Maß an Empathie an den Tag legen.

Dem stimme ich zu, zumal es hier im Gegensatz zu den Diskussionen unter anderen Artikeln noch auf einem annehmbaren Niveau zu ging.

… merkwürdig… ja, es gab schon weit „niveaulosere“ Diskussionen …

Klar kann man eine Art auch duch jagt dezimieren und ausrotten. Bären und Wölfe wurden auch nicht durch Kastration ausgerottet.

Ob es human ist, ist eine völlig andere Frage. Aber es funktioniert fraglos.

Bären und Wölfe wurden sogar angesiedelt, nur um zu merken dass man sich damit auch paar Probleme aufhalst wenn die lieben Tierchen die Scheu vor den Menschen verlieren..

Man möge nur Bruno fragen.

Sie meinen den Bruno, der sich wochenlang vor finnischen Spürhunden verstecken konnte und dann als er zum Abschuss freigegeben wurde ganz plötzlich wieder auftauchte?

Offensichtlich sind Sie sich nicht bewusst, wie gut beispielsweise das Zusammenleben von Wölfen und Menschen in der Lausitz funktioniert. Auch in den Kalkalpen gibt es soweit ich mich erinnere vereinzelt Bären, von Unfällen wäre mir aber nichts bekannt.

eine stadt voller verwahrloster hunde ist kein schöner anblick, das will keiner sehn...und wenn sie keiner haben will und nicht wieder die verwirrten mitteleuropäer kommen um tonnenweise hunde zu "retten" dann ist töten die beste lösung. diese hunde sind eine plage und eine gefahr.
denn niemand möchte von so einem vieh gebissen werden und bevor ich tieren helfe,helfe ich den menschen in der ukraine. wie die streuner getötet werden ist irrelevant...hauptsache sie sind weg!

Hunde kritisieren ist in Österreich ein No-Go. Menschenverachtend kann man sein wie man will, aber wenn etwas Böses über die süßen Hundzerln geschrieben wird, gibts einen Shitstorm der sich gewaschen hat....

1. Wie kommen Sie darauf, dass es bei uns in Ordnung ist, Menschen zu verachten?
2. Was haben Sie an Hunden, Tauben, Krähen etc auszusetzen?
3. Hunde "kritisieren" ist in Österreich eher Volkssport als "No Go".

1. Ha, lesen sie mal paar Beiträge in den Standard Onlineforen, was sich User da im Laufe von Diskussionen gegenseitig an den Kopf werfen..

2. Was ich gegen Krankheitsüberträger bzw. Wirte für selbige auszusetzen habe? Viel. Niemand hat gerne Tollwut o.Ä.

3. Nicht Hunde werden kritisiert, Hundehalter werden kritisiert. Hunde zu kritisieren wäre Stumpfsinnig.

1. Deswegen finde ich das noch lange nicht in Ordnung, also unterstellen Sie mir bitte nicht, dass ich menschenverachtende Aussagen akzeptiere, nur weil ich für Tierschutz eintrete.

2. Tollwut ist bei uns ausgerottet, also brauchen Sie sich nicht zu fürchten ;)

3. Ersetzen Sie "Halter" durch "Züchter", dann können wir uns einigen. Gegen Leute, die Tiere aus dem Heim adoptieren und ihnen dadurch ein besseres Leben ermöglichen hab ich nix.

Und nein, ich selbst habe kein Haustier.

Ihnen habe ich nun wirklich nichts unterstellt, interpretieren sie also nichts hinein was für die allgemeine Grundstimmung gilt, so wichtig sind sie auch wieder nicht. ;)

Ich weiß schon, dass Sie damit nicht explizit mich meinen, aber ich will damit sagen, dass nicht alle Tierliebhaber Menschen hassen und umgekehrt. Im Gegenteil, in vielen Bereichen überschneiden sich Tierschutz und soziale Gerechtigkeit. Ich meine nur, man sollte vorsichtig mit Pauschalisierungen sein, denn auch in Österreich gibt es genug offene, soziale Menschen, die gleichzeitig auch Tierfreunde sind.

Tollwut mag zwar in Westeuropa ausgerottet sein, in Osteuropa hingegen nicht.

Und ja, Hundehalter werden kritisiert weil sie für ihre Vierbeiner verantwortlich sind. :)

Was sag ich da.. Hunzerln, schon bei Tauben, Krähen Ratten und sonstigem Ungeziefer.

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