Schmied sagt Unterstützungspersonal für Lehrer zu

21. Mai 2012, 12:49
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Bildungsministerin: "Schule zunehmend arbeitsteilig organisieren" - Heute zweite Runde bei Verhandlungen zu Lehrerdienstrecht - Pragmatisierung könnte fallen

Wien - Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) gab sich am Montag bei einer Pressekonferenz vor am Montag auf Beamtenebene geführten zweiten Verhandlungsrunde zum Lehrer-Dienstrecht zurückhaltend. Ihr sei eine gute Gesprächskultur wichtig: "Wir müssen in Ruhe und im Detail sozialpartnerschaftliche Gespräche führen." Diese gehörten ins Besprechungszimmer. Auf die zuletzt geäußerte Kritik der Lehrervertreter meinte sie, dass "wesentliche Punkte" zum Dienstrecht noch nicht übermittelt worden seien. Dies betreffe die Unterstützungssysteme für Lehrer etwa durch Sozialarbeiter bzw. Psychologen.

Pragmatisierung könnte fallen

Auf die Frage, wie viele Dienstposten so geschaffen werden müssten, gab sich die Ministerin bedeckt und sprach nur von einer "entsprechenden Größenordnung". Dass es solche Unterstützung für die Lehrer geben wird, dürfte aber klar sein. Konkret will Schmied Sozialarbeiter und Psychologen engagieren, aber auch Bürokräfte für die Administration, berichtet das "Ö1-Mittagsjournal". Die Lehrer sollen sich auf die Wissensvermittlung konzentrieren können, wie sich das eigentlich gehört.  Sie sei der Ansicht, dass "Schule zunehmend arbeitsteilig organisiert werden sollte, damit sich jeder auf seine Kernkompetenz konzentrieren kann".

Peter Korecky, Vize-Chef der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) nennt ein wichtiges Detail über die Verhandlungen am Montag, berichtet der Kurier. "Der Gesetzesentwurf ist einer zu einem reinen Vertragsbediensteten-Recht. Das entspricht der Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses". Das könnten das definitive Ende der Pragmatisierung bei Bund und Ländern bedeutenLehrerdienstrecht:

Gewerkschaft sieht "viele Fragen, wenig Antworten"

Die Gewerkschafter sind am Montag wie angekündigt mit einer Reihe von Fragen in die Verhandlungen gegangen. Nach der vierstündigen Gesprächsrunde auf Beamtenebene gibt es allerdings aus Sicht der Lehrervertreter noch immer "viele Fragen, wenig Antworten", wie die "ARGE Lehrer" in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst in einer Aussendung monierte.

Allerdings hätten die Beamte versprochen, die geforderten Informationen nachzuliefern, sagte ARGE-Chef Paul Kimberger (FCG).  Und immerhin habe auch Unterrichtsministerin Schmied bestätigt, dass den Lehrern "wesentliche Punkte" des neuen Dienstrechts noch nicht übergeben wurden. "Ich bin gespannt, was vonseiten des Dienstgebers nachgelegt wird." Im Juni soll das nächste Treffen stattfinden.

Erst wenn die Gewerkschaft alle Rahmenbedingungen kenne, könne sie das "Gesamtpaket" bewerten, betonte Kimberger. So haben die Lehrervertreter von den Beamten eine umfassende Betrachtung der Lehrerarbeitszeit gefordert. Diese Beschreibung der Rechte und Pflichten soll auch die "falsch laufenden Diskussion vom Lehrerberuf als Halbtagsjob" beenden, so der Vertreter der Lehrer an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS), Jürgen Rainer (FCG).

Auch die künftige, derzeit vor einer Reform stehende Lehrerausbildung müsse fixiert werden. "Wir wollen keine Stufenlehrer produzieren, wo die Ausbildung umso geringer ist je jünger die Kinder sind", stellte Rainer klar. Die Gewerkschaft fordert hier eine Ausbildung aller Pädagogen auf Masterniveau. Beim Unterstützungspersonal für Lehrer brauche es ebenfalls genaue Vorgaben, ab wann dieses zum Einsatz kommt.

Grüne fordern "Verschlechterungsverbot"

Der Bildungssprecher der Grünen, Harald Walser, forderte unterdessen ein "Verschlechterungsverbot" für bereits im Dienst befindliche Lehrer sowie attraktive Einstiegsgehälter für neu eintretende Lehrkräfte. Auch die veränderten Aufgaben der Schule und die Anforderungen eines modernen Bildungssystems müssten berücksichtigen werden. Dazu zählte Walser in einer Aussendung ein massiv ausgebautes Angebot an Ganztagsschulen sowie die Möglichkeit eines verschränkten Unterrichts gekoppelt mit neuen und offenen Lernformen.

Die Lehrer dürften außerdem nicht mit Problemen im Klassenzimmer alleingelassen werden. Daher brauche es klare gesetzliche Regelungen für die Unterstützung durch Sozialarbeiter, Therapeuten und Erzieher, so Walser: "Es muss geklärt sein, ab wie vielen Kindern oder Jugendlichen es entsprechendes Unterstützungspersonal geben muss oder ab wie vielen Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache entsprechend ausgebildete Lehrkräfte zusätzlich bereitgestellt werden müssen." Wenig hält der Grüne davon, dass die Verhandlungen als "Geheimsache" geführt werden: "Das nährt das Misstrauen und führt zu einer Verunsicherung der Lehrkräfte." (APA/red, 21.5.2012)

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