In den Fluss katapultiert

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Nässe und Kälte erschweren die Bergung - Der Patient ist von Auskühlung bedroht

Unsere Flugretter am Arlberg sind nicht nur Notfallsanitäter, sondern auch staatlich geprüfte Berg- und Skiführer, also top ausgebildet. Da bin ich als Anästhesist und Notfallmediziner alpinmäßig betrachtet ein Nudelaug, geländegängig vielleicht im Schwierigkeitsgrad 1+ sicher unterwegs. Das ist eine steile Straße.

VU, Verkehrsunfall. Ein Geländeauto fährt in einer Kurve geradeaus und katapultiert sich in die Mitte eines reißenden Flusses. Kein Überschlag, das Auto steht so da, zerbeult im Fluss. Die Fahrgastzelle intakt, nicht so zerdrückt, dass wir Schlimmstes erwarten. Dennoch, der Fahrer eingeklemmt und unbestimmbar verletzt. Und es war kalt. Nicht nur kalt, sondern auch gefährlich nass. Viel Zeit für die Bergung haben wir da nicht.

Die Feuerwehr kam zwar mit einer Leiter knapp bis zum Auto hin, mehr war aber nicht möglich oder mit viel Zeit verbunden. Und die hatten wir nicht.

Wir landen mit dem Hubi auf der Straße. Kurze Lagebesprechung. Der Patient ist nicht schwer verletzt, die Gefahr ist die drohende Auskühlung. Alles klar.

Flugretter Heli klettert über die Leiter zum Auto, hinein übers Heck, kraxelt durch zum Patienten, funkt mich an, um mich darüber zu informieren, dass er mich nicht akut braucht. Sichert den Patienten mit einem Bergedreieck.

Der Hubi startet, geht in den Schwebeflug, das 20-Meter-Tau unten dran. Langsames Steigen. Konzentration. Das Tau ist weit über Grund. Gefühlvolles Hinüberschwenken zum Pkw, das Tau pendelt fast überhaupt nicht. Einrichten. Position halten. Das Tau hängt neben der Beifahrertür herab. Arno, der Pilot, macht das super.

Heli hat inzwischen dem Patienten das Sitzdreieck angeschnallt, alles gesichert, schnappt sich das Tau, klinkt ein, und raus über die Beifahrertür, am Tau. Zwischenlandung wieder auf der Straße, Versorgung des Patienten, Einladen in den Hubi und Abflug in Krankenhaus Zams. Tolle Leistung des Piloten und des Flugretters. Professionell und sicher, ohne ein Risiko einzugehen.

Abends bin ich dann mit Heli in der Kletterhalle Sankt Anton ein 5+ geklettert. Heli zum Aufwärmen, ich schweißgebadet im ästhetischen Klimmzugstil. Aber lustig war's. (Robert Mosser, derStandard.at, 1.6.2012)

Robert Mosser ist Facharzt für Anästhesie sowie Flugrettungsarzt. In seinem Blog gibt er komische, tragische und bewegende Einblicke in seine Tätigkeit.

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