Kärntner Hypo reduziert Südosteuropa-Geschäft

21. Mai 2012, 11:42
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Sechs Banken in fünf Ländern mit 1,1 Millionen Kunden stehen zur Disposition, Verkaufsberater soll die Deutsche Bank werden

Wien - Die notverstaatlichte Kärntner Hypo startet die Reprivatisierung ihres Netzwerks in Südosteuropa. Verkauft werden sollen sechs Banken und drei Leasinggesellschaften in fünf Nationen Ex-Jugoslawiens samt der zugehörigen Steuerungseinheit in Österreich. Die Umstrukturierung der Institute in Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro "ist weitgehend abgeschlossen", erklärte Hypo-Vorstandschef Gottwald Kranebitter am Montag vor Journalisten. Lukrieren wolle man "zumindest die bestehenden Buchwerte von 1,5 Mrd. Euro". Eine Shortlist mit Interessenten soll bis Ende 2012 stehen.

Als Verkaufsberater wurde nach mehrmonatigen Verhandlungen die Deutsche Bank gewonnen. "Sie war eindeutig Bestbieter, Vorstand und Aufsichtsrat wurden mit der Entscheidung befasst", erklärte der Vorstandschef. Nach dem Verkauf müsse das Netzwerk erhalten bleiben. Eine Steuerungsholding für die Region Ex-Jugoslawien in Österreich habe "sonst niemand anzubieten", rührte Kranebitter die Werbetrommel für den Verkauf. Einen Zeitpunkt für den Verkaufsabschluss wollte er aber nicht nennen: "Das wäre Prophetentum." Nun werde der Markt sondiert. "Ende 2012 wollen wir wissen, wie und mit wem wir weiterverhandeln. Dann kann ein Zeitplan fixiert werden." Dazu sei aber auch eine "Normalisierung im Euroraum" nötig.

Verkauf keine Überraschung

"Der geplante Verkauf ist lange angekündigt, keine Überraschung", sagte Kranebitter. "Aktuell liegen wir aber vor dem ursprünglichen Zeitplan - um zur Stelle zu sein, wenn der Markt ein Fenster öffnet." Die wirtschaftlichen Verhältnisse seien schließlich schwierig und alle regulativen Vorgaben zu erfüllen. Finden wolle man einen langfristigen Eigentümer "der vielleicht auch mit dem Namen Hypo weiter arbeitet und die gesamte 'Marktcoverage' umsetzen kann". Auch wolle man dem Eigentümer - der Republik Österreich - und der EU zeigen, dass man zu den Verkaufsplänen stehe "und dem österreichischen Steuerzahler wieder etwas von seinem Geld zurückgeben will".

Potenzielle Interessenten wollte Kranebitter nicht nennen. Nur so viel: "Typische Verdächtige finden sich im russischen, türkischen und südostasiatischen Raum - aber auch in Europa." Als Käufer vorstellbar seien neben Banken bzw. Bankengruppen auch "Nicht-Banken-Finanzinvestoren".

Während des nun startenden Verkaufsprozesses werde die Hypo in Südosteuropa (SEE) "Business as Usual" betreiben "und auch die eine oder andere Filiale" in den betreffenden Ländern neu eröffnen, kündigte Kranebitter an. Schwierigkeiten ergäben sich zwar "aus dem Marktumfeld und durch neue Bankregulative - dafür haben wir aber auch etwas anzubieten". Ex-Jugoslawien sei zudem "underbanked" und habe über Jahre ein um ein bis zwei Prozent höheres Wachstumspotenzial als der EU-Raum. "Die Rezession 2012 entmutigt nicht", so Kranebitter. "Die Herausforderung wird nur etwas größer."

Positive Reaktion aus Brüssel

Die EU-Kommission stehe dem Verkauf positiv gegenüber, "weil sie das gerade in einer Situation mit Staatsbeihilfen verlangt", sagte Kranebitter. "Wir machen etwas früher, was die Kommission von uns verlangen wird."

Bezüglich der Verkaufspläne der Hypo Italien bzw. Hypo Österreich führe man in Italien bereits erste Gespräche mit potenziellen Investoren. Aber auch hier sei die Herausforderung eine "notwendige Marktberuhigung" und man wolle "nichts verschleudern". Die Österreich-Tochter werde in der zweiten Jahreshälfte 2012 "gespalten". "Da bleibt eine kleine, feine, profitable Regionalbank mit 400 Mitarbeitern", sagte Kranebitter. Der Rest wird in die Hypo Bank International übergeführt.

2011 hat das SEE-Netzwerk der Hypo profitabel gearbeitet. Die Bilanzsumme betrug im vergangenen Jahr 12,5 Mrd. Euro. Kunden wurden insgesamt 1,1 Mio. gezählt. 4.600 Mitarbeiter waren in 255 Filialen tätig. Mit den "Treibern Kroatien und Serbien" wurden 20 Mio. Euro Profit erwirtschaftet. Ein Minus wurde in Slowenien und in einer der beiden bosnischen Banken - jener in Föderation der Bosnien und Herzegowina - erwirtschaftet. "Heuer wollen wir das Ergebnis gut übertreffen", so der Vorstandschef. Zahlen für das erste Quartal gab er aber nicht bekannt. (APA, 21.5.2012)

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    Während des  startenden Verkaufsprozesses wird die Hypo in Südosteuropa "Business as Usual" betreiben.

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