Rekrutierung: Österreichs Firmen schlechter als Pendants in Deutschland

21. Mai 2012, 11:37
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Deutsche Arbeitgeber sind professioneller - Hälfte der Initiativbewerbungen bleibt unbeantwortet

Deutsche Arbeitgeber schneiden bei der Rekrutierung besser ab als österreichische Unternehmen. Und zwar über alle Branchen hinweg. Das ist ein Ergebnis der Studie Career's Best Recruiters, die heuer zum zweiten Mal in Österreich und zu ersten Mal in Deutschland durchgeführt wurde. Die Untersuchung legt den Fokus auf die Employer Branding-Aktivitäten der 500 größten Arbeitgeber der jeweiligen Länder. Nur in einem Punkt hat Österreich gegenüber Deutschland die Nase vorne: Auf Initiativbewerbungen antworten deutsche Arbeitgeber zwar häufiger, aber weniger individuell als ihre österreichischen Pendants.

Medien und Werbung unprofessionell

Die größte Diskrepanz beim professionellen Umgang mit Bewerbern gibt es in der Branche "Medien/Werbung/Telekommunikation". Deutsche Unternehmen erreichen hier knapp 50 Prozent der Gesamtpunkte, während österreichische Firmen gerade einmal auf 18 Prozent kommen. Als Basis für die Auswertung dient ein 67 Kriterien-Modell, das Aspekte wie etwa Bewerbungsresonanz, Homepage, Stellenanzeigen oder Social Web-Aktivitäten umfasst.

Eklatante Unterschiede zwischen Österreich und Deutschland in puncto Professionalität weisen noch die Branchen Anlagen-/Maschinenbau (24,5 % zu 51,8 %) und Transport/Verkehr (27,1 % zu 50,1 %) auf. Nur in einem von insgesamt 22 analysierten Metiers liegen österreichische Unternehmen in Front. Nämlich bei Banken/Finanzdienstleister mit 40,4 zu 39,7 Prozent. Die Studienautoren resümieren: "Es ist klar zu erkennen, dass die deutschen Arbeitgeber über fast alle Branchen hinweg besser abschneiden als die österreichischen."

Antwort auf 50 Prozent der Bewerbungen

Ein wichtiger Aspekt der Untersuchung ist der Umgang mit Bewerbern. Um Unternehmen auf die Probe zu stellen, wurden 4.000 Schreiben mit fiktiven Lebensläufen verschickt. Jeder Betrieb wurde also mit vier Bewerbungen konfrontiert. Das Resultat: 2.008 wurden beantwortet, also gerade einmal knapp über 50 Prozent. Ein Verhalten, das im Rennen um gute Mitarbeiter komplett kontraproduktiv ist, meinen die Studienautoren. Image und Marke der Firma werden beschädig. Eine Antwort, wenn auch nur eine standardisierte, sollte das absolute Minimum sein, so die Empfehlung. Um eine Kategorisierung vornehmen zu können, wurde eine Frist von drei Werktagen für Antworten via E-Mail und 14 Werktage für Antworten per Post oder Telefon festgelegt.

Im Ländervergleich reagieren deutsche Arbeitgeber mit 53 zu 47 Prozent häufiger als österreichische Unternehmen. Bei den deutschen Betrieben dominieren mit 28 Prozent die automatisierten Antworten, 25 Prozent der Initiativbewerbungen wurden individuell beantwortet. In Österreich ist das Verhältnis mit 20 Prozent automatisiert und 27 Prozent individuell umgekehrt. Die Conclusio der Studienleiter: In Deutschland laufe der gesamte Bewerbungsprozess standardisierter ab als in Österreich, deswegen komme es auch häufiger zu automatisierten Antworten.

Personaldienstleister in Österreich voran

Nach Branchen aufgeschlüsselt verhalten sich in Deutschland Anlagen/Maschinenbau, KFZ-Handel/Service und Versicherungen am vorbildlichsten. Schlusslichter sind Personaldienstleister, Bau/Holz und Dienstleistungen. Auf den ersten drei Plätzen in Österreich rangieren Versicherungen, Personaldienstleister und Energie.

Am unteren Ende der Skala befinden sich hier Anlagen/Maschinenbau, Eisen/Metall und der Sektor Medien/Werbung/Telekommunikation. Nur die Energie-Branche in Österreich und jene der Personaldienstleister antworten eher auf Initiativbewerbungen als ihre deutschen Kollegen.

Niedriger Stellenwert für Maturanten und Bachelor

Um die Kategorien nach Bildung/Ausbildung weiter filtern zu können, wurden für die Studie vier verschiedene Initiativbewerbungen verfasst. Nämlich für einen Jugendlichen (Lehrstelle), für einen Bachelor (Praktikumsstelle), für einen Maturanten (Vollzeitbeschäftigung) und für einen Master/Magister (Vollzeitbeschäftigung). Hier zeigt sich ein Unterschied zwischen den verschiedenen Segmenten. Am häufigsten reagierten österreichische Arbeitgeber auf die Bewerbung eines Jugendlichen mit 55 Prozent, gefolgt von einem Master/Magister mit 52 Prozent. Maturanten und Bachelor kamen lediglich auf eine Rücklaufquote von 41 bzw. 40 Prozent.

Keinen relevanten Unterschied orten die Autoren zwischen Initiativbewerbungen mit oder ohne Migrationshintergrund. Weder in Deutschland noch in Österreich. Antwort und Ignoranz halten sich ziemlich genau die Waage.

Viel Potenzial im Web

Aufholbedarf identifizieren die Studienleiter beim Auftritt im Social Web. Während 53 Prozent aller getesteten deutschen Unternehmen sich via Facebook, Twitter, Xing, Youtube & Co. präsentieren, sind es in Österreich nur 48 Prozent. Bei den Rekrutierungskanälen kommt Youtube am öftesten zum Einsatz, gefolgt von Xing und Facebook.

Die professionellsten Recruiting-Methoden werden in Deutschland den Unternehmen E.ON AG, Deutsche Telekom und Commerzbank AG attestiert. In Österreich gehen die Stockerlplätze - wie bereits berichtet - an Bawag P.S.K, Erste Bank und Allianz Versicherung. (om, derStandard.at, 21.5.2012)

  • Bewerbungsresonanz
    grafik: career's best recruiters

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  • Welche Branchen antworten am ehesten
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  • Arbeitgeber-Ranking nach Branchen
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