MacBook Pro vor radikalem Relaunch

21. Mai 2012, 10:46
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Apple schaut bei sich selbst ab: Gehäuse wie beim MacBook Air, Retina-Display wie beim iPad

Alles deutet darauf hin, dass Apple dem MacBook Pro in den nächsten Wochen oder Monaten ein radikales Makeover verpasst. Gehäuse, Display, Prozessor, Festplatte, Grafik, Anschlüsse - alles soll in der nächsten Generation der Notebook-Serie aufgefrischt werden. Die Informationen stammen nicht nur von den üblichen Gerüchte-Blogs. Apple selbst ließ in der Vergangenheit mehrfach Hinweise fallen, wohin das Unternehmen mit seinen Notebooks steuert: die Zukunft liegt im MacBook Air.

MacBook Air 2008 eingeführt

Apple brachte das MacBook Air 2008 auf den Markt. Ohne optisches Laufwerk, in einigen Modellen mit teurer Solid State Disk (SSD) statt einer Festplatte und Verzicht auf Ethernet- und Firewire-Anschluss wurde das Gerät zunächst als unvollständig kritisiert. Die Ausstattung wurde mit der eines Netbooks verglichen, allerdings zu einem Vielfachen des Preises. Doch der zum damaligen Zeitpunkt dünnste Laptop der Branche entwickelte sich für den Konzern schnell zum Erfolg.

Vom High-End-Gerät zu Apples günstigstem Notebook

Der verstorbene Apple-CEO Steve Jobs erklärte das Air zur Zukunft der Notebooks und sollte damit Recht behalten. Die Kategorie ähnlich ausgestatteter Geräte - Subnotebooks - war bis dahin vor allem aufgrund des hohen Preises nur wenig erfolgreich. Auch das Air war zunächst in einer höheren Preiskategorie angesiedelt. Apple hat aber schnell erkannt, dass das Air nicht nur für den High-End-Markt interessant ist. Mittlerweile ist es das günstigste Notebook-Modell des Herstellers.

Mobilität wird wichtiger

Zudem hat Apple das Air zu einer Zeit auf den Markt auf den Markt gebracht, in der Mobilität zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. 2007 erfand Asus mit dem Eee PC die Netbook-Kategorie. Apple selbst erneuerte den Tablet-Markt 2010 mit dem iPad und verhalf den Touchscreen-Rechnern zum Boom. Seither sind auch andere Hersteller auf den Zug mit ultramobilen Geräten aufgesprungen und versuchen nicht nur mit eigenen Tablets, sondern auch mit den von Intel definierten Ultrabooks den Markt zu erobern.

Pro auf Air-Kurs

Mit dem Relaunch der Pro-Serie dürfte Apple nun den Wandel zu den Laptops der Zukunft abschließen. Wie bereits berichtet, soll das Pro ein ähnlich dünnes und leichtes Gehäuse wie das Air erhalten. Dafür müssen optisches Laufwerk und Harddisk weichen. Stattdessen dürften die neuen Geräte in der Standard-Konfiguration mit SSDs ausgestattet sein. Für CDs und DVDs bietet Apple bereits ein externes Laufwerk an, da neben dem MacBook Air mittlerweile auch der Mac Mini kein derartiges Laufwerk mehr besitzt. Mit dem Boom neuer Cloud-Dienste - Apple selbst bietet seine iCloud für Backup- und Synchronisierung - verliert der lokale Speicher auf der eigenen Maschine zudem immer weiter an Bedeutung.

SSDs schneller aber teuer

Die Vorteile von SSDs liegen nicht nur darin, dass Hersteller damit Platz sparen können. Sie sind auch schneller und verbrauchen weniger Storm. Allerdings sind sie noch teurer als herkömmliche Festplatten. Das billigste MacBook Air (11 Zoll) kostet 949 Euro, bietet aber nur magere 64 GB Speicher. Für den doppelten Speicher verlangt Apple einen Aufpreis von 100 Euro. Beim neuen MacBook Pro wird man wohl entweder mit weniger Speicherplatz auskommen oder tief in die Tasche greifen müssen.

Daneben dürften wie bei Air auch beim neuen Pro Ethernet und Firewire dem neuen Formfaktor zum Opfer fallen und durch Thunderbolt ersetzt werden. User, die diese Anschluss-Typen weiterhin benötigen, werden auf Adapter zurückgreifen müssen.

Bessere Performance

Eine bessere Performance darf man sich bei der neuen Pro-Generation von Intels Ivy Bridge-Prozessoren und einer neuen Grafik-Lösung versprechen. Im Vergleich zum Vorgänger Sandy Bridge sollen die neuen Chips nach Intel-Angaben einen Performance-Sprung von bis zu 20 Prozent liefern. Bei der Grafikkarte gibt es unterschiedliche Berichte. So glaubt 9to5Mac, dass Apple Nvidias GeForce GT 650M einsetzen will. Gizmodo wiederum ist überzeugt, dass das Unternehmen wie bei den bisherigen MacBook Pros bei AMD bleibt und auf die neue Radeon HD 7700m setzt.

Retina-Display

Als ein Highlight der neuen MacBook Pros gilt schon jetzt das kolportierte Retina-Display. Zur Präsentation des neuen iPads mit Retina-Display gab Apple-Chef Tim Cook bereits den Hinweis, dass 2012 weitere Innovationen in dieser Richtung geben werde. Allerdings wird die Auflösung wohl nicht so hoch wie die des iPhone 4S sein. Das Smartphone-Display besitzt eine Pixeldichte von 326 ppi. Für das iPad 3 hat Apple diese Anforderung bereits auf 264 ppi heruntergeschraubt. Aber auch beim größeren Display kann man einzelne Pixel nicht mit freiem Auge erkennen. Für die Notebooks dürfte Apple aus Kostengründen und wegen des Stromverbrauchs hier weiter Pixel einsparen. Gizmodo geht davon aus, dass Apple die Auflösung von aktuell 128 ppi beim 15-Zoll-Modell (1140 x 900 Pixel) bzw. 133 ppi beim 17-Zöller (1920 x 1200 Pixel) nur auf maximal 200 ppi pushen wird. Da Apple das Prädikat "Retina" selbst erfunden hat, muss sich das Unternehmen an keine Vorgaben halten, um ein Display so zu nennen.

Größeres Trackpad

Die Blogger haben zudem von einem weiteren Feature erfahren. So könnte das Trackpad deutlich vergrößert werden und den gesamten Bereich unter dem Keyboard einnehmen. Apple hat bereits Patente für eine Technologie in der Lade, die unabsichtliche Eingaben durch Berührung mit den Handballen verhindern. Multitouch-Bedienung stärker in der Hardware zu verankern scheint angesichts der zunehmenden Touch-Funktionen von Mac OS nur logisch. Touch hat sich dank Smartphones und Tablets als eine zentrale Eingabemethode bei Consumer-Electronics etabliert. Der Sprung auf Computer ist jedoch schwieriger, da die Benutzeroberflächen vieler Programme nur mit der Maus zu bedienen sind. Neben Apple forciert auch Microsoft mit der Metro-Oberfläche von Windows 8 Touch als zukünftige Eingabemethode für PCs.

WWDC

Laut früheren Berichten befindet sich Apple in den letzten Vorbereitungen vor dem Produktionsstart des MacBook Pro. Als möglicher Präsentationstermin gilt die World Wide Developer Conference (WWDC), die von 11. bis 15. Juni in San Francisco stattfindet. Bis 2010 zog das Unternehmen auf dem Event immer ein neues iPhone aus dem Hut. Letztes Jahr wurde der Termin erstmals in den Herbst verschoben. In diesem Jahr gibt es unterschiedliche Berichte, ob das iPhone 5 nun wieder im Juni oder doch erst im Herbst gezeigt wird. (Birgit Riegler, derStandard.at, 21.5.2012)

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    MacBook Air: die Zukunft des Apple-Laptops

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