Betriebskosten stiegen leicht, Versicherungs­prämien stärker

21. Mai 2012, 10:10
10 Postings

Mietervereinigung: Mieter von privaten Wiener Wohnhäusern zahlen im Schnitt bereits 30 Euro pro Monat für die Haus-Versicherung, die eigentlich der Eigentümer zahlen sollte

Die Mietervereinigung Österreichs (MVÖ) hat neuerlich die Betriebskostenabrechnungen in privaten Miethäusern in Wien unter die Lupe genommen. Der Durchschnittsbetrag für Betriebskosten (ohne Lift) pro Quadratmeter und Monat ist demnach 2010 (Anm.: Die BK-Abrechnungen für 2010 mussten bis Ende Juni 2011 den Mietern vorgelegt werden und wurden danach von der MVÖ überprüft) von 1,64 auf 1,67 Euro angestiegen - ein Zuwachs von zwei Prozent, der angesichts der Inflationsrate für 2010 (1,9 Prozent) von der SPÖ-nahen Institution aber als "normal" bewertet wird. Im Vorjahr betrug die Steigerung nur ein Prozent (von 1,62 auf 1,64 Euro).

Versicherungsprämien legten stärker zu

Sorgen bereiten den Mieterschützern heuer die Versicherungsprämien, die gleich um 2,4 Prozent auf 0,43 Euro/m²/Monat bzw. 5,2 Euro/m²/Jahr zugelegt haben. "Mittlerweile machen die Versicherungsprämien mit einem Anteil von 26 Prozent mehr als ein Viertel der zu bezahlenden Betriebskosten aus und stellen somit den größten Posten dar", erklärt MVÖ-Präsident Georg Niedermühlbichler in einer Aussendung.

Mit den Versicherungsprämien, die das Haftpflicht- und Erhaltungsrisiko des Hauseigentümers absichern, "werden die Kosten, die eigentlich der Hauseigentümer zu zahlen hätte, auf die Mieter überwälzt". Genauso wie die Grundsteuer stünden die Versicherungen für das Gebäude "in keinem Zusammenhang mit der Nutzung durch die Mieter", weshalb die Weiterverrechnung an ebendiese "nicht gerechtfertigt" sei, betonte Niedermühlbichler einmal mehr.

Im Durchschnitt zahlt jeder private Mieter in Wien monatlich 30,38 Euro bzw. jährlich 364 Euro an Betriebskosten nur für die Versicherung des Gebäudes. "Daher bleiben wir bei unserer Forderung an den Gesetzgeber, die Versicherungskosten und öffentliche Abgaben aus dem Betriebskostenkatalog zu streichen", so Niedermühlbichler.

Wasserkosten blieben gleich

Für ein weiteres Viertel (25 Prozent) der Betriebskosten ist die Reinigung verantwortlich, diese Kosten legten mit 1,5 Prozent aber in geringerem Ausmaß als die Inflationsrate zu. Die Kosten für Wasser, die ex aequo mit der Verwaltung den drittgrößten Posten ausmachen (jeweils 16 Prozent), blieben unverändert bei 0,27 Euro/m²/Monat bzw. 3,20 Euro/m²/Jahr.

Bei einer Liftanlage im Haus erhöhen sich die durchschnittlichen Betriebskosten pro Quadratmeter und Monat auf 1,85 Euro. Die reinen Liftkosten liegen damit im Schnitt bei 18 Cent pro Quadratmeter und Monat bzw. 2,22 Euro pro m² und Jahr. Eine 70 m² große Wohnung kommt damit auf Liftkosten von 13 Euro pro Monat bzw. 155,40 Euro im Jahr.

Abrechnungen bis Ende Juni

Die Abrechnungen für 2011 müssen für jedes Wohnhaus wieder bis 30. Juni gelegt werden. Die Mietervereinigung empfiehlt, diese genau zu kontrollieren und mit den Werten des Betriebskostenspiegels zu vergleichen. Gibt es eine signifikante Abweichung, rät die MVÖ dazu, die Abrechnung überprüfen zu lassen. "Nach wie vor beanstanden wir jede zweite Betriebskostenabrechnung, die uns zur Überprüfung vorgelegt wird", so Niedermühlbichler abschließend. (red, derStandard.at, 21.5.2012)

Link

Betriebskosten-Spiegel auf der Website der Mietervereinigung

Share if you care.