Analyst: Gebrauchtspiele-Blockade wäre fatal für "PS4" und "Xbox 720"

Michael Pachter nach wären derartige Methoden massiv geschäftsschädigend

Berichten zufolge erwägen Sony und Microsoft Systeme zur Blockade von Gebrauchtspielen für ihre nächste Konsolengeneration. Ob es sich dabei rein um Konzepte oder ernsthaft erwogene Maßnahmen handelt, wurde bisher von keinem der Konzerne kommentiert. Lediglich Sonys US-PlayStation-Chef Jack Tretton betonte, er persönlich wäre gegen derartige Systeme, könne gleichzeitig aber nicht für die japanische Führung sprechen. WedbushMorgan Analyst Michael Pachter warnte unterdessen nun die Konsolenhersteller, dass eine Gebrauchtspiel-Blockade der gesamten Industrie schaden würde.

"Ich denke, die Industrie würde zusammenbrechen. Ich denke, es wäre das Ende von Videospielen, wenn Next-Gen-Konsolen keine Gebrauchtspiele mehr unterstützen. Hört ihr, Sony und Microsoft? Ihr müsst Gebrauchtspiele unterstützen", sagt Pachter in der "Gametrailers"-Sendung "Pach-Attack".

Geringer Mehrwert

Eine derartige Blockade mache aus wirtschaftlicher Sicht wenig Sinn. Die Konsolenhersteller würden einen vergleichsweise geringen Anteil ihrer Einnahmen durch eigens produzierte Spiele generieren. Solch ein System würde also zum Großteil zum "Schutz" der Dritthersteller beitragen. Der Mehrwert sei aber auch hier zu vernachlässigen. "Was kostet es die Herausgeber, wenn Leute ihre Spiele eintauschen und andere gebrauchte Werke an Stelle neuer Games kaufen? Meiner Schätzung nach etwa fünf Prozent der Softwareverkäufe", so Pachter. Das läge daran, dass der Großteil des Absatzes eines neuen Spiels innerhalb der ersten zwei bis vier Wochen nach dem Marktstart stattfindet. Der Eintausch von Gebrauchtspielen würde in den meisten Fällen jedoch erst nach dieser kritischen Anfangszeit stattfinden. Während Konsumenten noch damit beschäftigt sind, ein Spiel zu beenden, würde also bereits der Großteil der Einnahmen generiert.

Geschäftsschädigend

Für die Plattformhersteller selbst sei zu bedenken, dass die Einführung eines solchen Systems zudem geschäftsschädigende Auswirkungen haben könnte. Würde Sony beispielsweise ein derartiges System einführen, könnte Microsoft im Handumdrehen Spieler auf seine Seite holen, in dem man einfach darauf verzichtet. Pachter zufolge seien beide Konzerne zu klug, um einen derartigen Fehler zu begehen. Auch seien sie nicht "böse" genug, um einander abzusprechen, was außerdem die Handelsaufsicht alarmieren würde.  

Bestehende Maßnahmen

Während Maßnahmen zur Blockade des Weiterverkaufs von Spielen auf physischen Datenträgern diskutiert, ist zu bedenken, dass es bereits einige Methoden gibt, mit denen der Second-Hand-Markt eingeschränkt wird. Beispielsweise ist es Gang und Gebe, dass Download-Inhalte und -Games, egal ob auf der Konsole oder am Smartphone, nicht weitergegeben werden können und auf einzelne Nutzerkonten gesperrt sind. Ein anderer Trend ist der Online-Pass. Zahlreiche aktuell verkaufte Spiele setzen für den Online-Mehrspielermodus einen beigelegten Code voraus. Wird das Spiel weiterverkauft, muss der Käufer einen neuen Code beim Hersteller erwerben, will er über das Netz spielen. Für Entwickler ist dies eine Methode, um am Zweitmarkt mitschneiden zu können. (zw, derStandard.at, 21.5.2012)

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