Es ist angerichtet

  • Hütte voll: Klosterneuburg zelebriert und hat große Sehnsucht nach dem Titel.  
    foto: derstandard.at/vetter

    Hütte voll: Klosterneuburg zelebriert und hat große Sehnsucht nach dem Titel.  

  • Eine spielentscheidende Szene: Dukes-Kapitän Damir Hamidovic bekam von Gmundens Curry einen Ellbogen ins Gesicht und sackte zu Boden. Dafür gab es ein unsportliches Foul, was die Swans aus dem Spiel brachte.
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    foto: derstandard.at/vetter

    Eine spielentscheidende Szene: Dukes-Kapitän Damir Hamidovic bekam von Gmundens Curry einen Ellbogen ins Gesicht und sackte zu Boden. Dafür gab es ein unsportliches Foul, was die Swans aus dem Spiel brachte.

  • Das Wurfhändchen von Curtis Bobb (l.) war eiskalt, dafür gab Jason Chappell (m.) richtig Gas.
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    Das Wurfhändchen von Curtis Bobb (l.) war eiskalt, dafür gab Jason Chappell (m.) richtig Gas.

Klosterneuburgs Basketballer gewannen das dritte Finalspiel gegen Gmunden 68:56 und haben große Sehnsucht nach dem ersten Titel seit 22 Jahren - Matchball am Donnerstag

Klosterneuburg -  "Das war eine echte Meisterschaftsschlacht. Wir sind aber noch nicht durch." Also sprach Werner Sallomon, seines Zeichens Trainer der BK Dukes. Und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Es war recht heiß in der Basketballhalle zu Klosterneuburg, 1.200 Zuschauer waren gekommen, und die meisten von ihnen sollten nicht enttäuscht werden: Die Dukes gewannen am Ende verdient mit 68:56 gegen die Swans aus Gmunden und führen in der Finalserie der Basketball-Bundesliga mit 2:1. Am Donnerstag kann Klosterneuburg den Sack zu machen.

Es war nicht unbedingt ein Spiel für den Basketball-Feinspitz, aber vor allem die Hausherren legten ihre Herzen auf das Parkett und fighteten mit den körperlich robusten Oberösterreichern unter den Brettern, dass die Schwarte krachte. Nach einem ausgeglichenen ersten Viertel (17:17) hatten vor allem die Legionäre der Dukes großen Anteil daran, dass im zweiten Abschnitt eine Führung bis zur Halbzeit herausgeholt werden konnte (38:33). Der Bosnier Ramiz Suljanovic passte ein ums andere Mal fein aus einer Post-Up Situation heraus auf den US-Amerikaner Jason Chappell, der an diesem Abend nicht nur unter dem Korb scorte, sondern auch seine Würfe außerhalb der Zone hochprozentig verwandelte. Nur schwer in den Griff zu bekommen war für die Dukes Sharaud Curry, Gmundens Pfitschifpeil auf der Point-Guard Position. Er war beim Zug zum Korb kaum zu halten, legte auch immer wieder ideal auf seine Mitspieler ab, wenn sich der Gegner im Kollektiv auf ihn stürzte. Eine knifflige Angelegenheit für Klosterneuburgs Defense.

A True Underdog Story

Das Rampenlicht scheint auf die Babenbergerstadt, und wer hätte das vor gut einem Jahrzehnt gedacht? 2004 war der Verein bankrott und kurz davor, zuzusperren. Trainer und Obmann Werner Sallomon begann mit einer motivierten und neuen Vereinsführung einen gewaltigen Schuldenberg abzutragen, sportlich ging es langsam bergauf. Auch weil man "nicht um jeden Preis gewinnen wollte". Klosterneuburg hat eine lange Durststrecke hinter sich. Es gab Zeiten, da waren die Playoffs bzw. ein Viertelfinale kein Thema, da hingen die Köpfe am Weg in die Sommerpause. Da musste man froh sein, im März nicht schon abgestiegen zu sein.

20. Mai 2012: Vielleicht hörte man das Beben bis zum Stift Klosterneuburg auf den Rathausplatz hinauf. Die Fans flippten aus, ein sensationell spielender Christoph Nagler verwertete todsicher sechs von sechs Versuchen von der Freiwurflinie, traf auch alle seine Dreipunktewürfe. Der österreichische Nationalteamspieler agierte fehlerlos, man merkte, dass er es nicht zulassen würde, dieses Spiel noch einmal aus der Hand zu geben. So einen hätten vielleicht auch die Bayern gebraucht. Gmunden schmiss in der Crunchtime die Nerven bei den Freiwürfen hingegen weg, über das gesamte Spiel gesehen lag die Erfolgsquote nur bei 51 Prozent (19 von 37). 

Keine Helden ohne Demut

Sechs Minuten vor dem Ende wurden die Emotionen ordentlich hoch gepeitscht, als sich Gmundens Curry nach einer harten Sperre von Dukes-Urgestein Damir Hamidovic an diesem revanchierte und mit einem unsportlichen Foul noch knapp am Ausschluss vorbeischrammte. Letztendlich brachte Curry damit aber nicht nur sich selbst aus dem Spiel, sondern auch noch den Rest des Teams. Die Dukes lagen im letzten Viertel konstant mit zehn oder mehr Punkten in Führung (65:55 zwei Minuten vor Schluss) und kontrollierten über weite Strecken das Tempo und den Defensiv-Rebound. Bei Gmunden fand sich niemand, der Verantwortung übernehmen wollte und so ging der Serienmeister der Nullerjahre am Ende mit 56:68 unter.

Noch ist aber nichts gewonnen für den Underdog. Sollten den Dukes die Nerven nicht zu arg flattern, ist es am Donnerstag zumindest angerichtet für den ersten Titel seit 22 Jahren. Der österreichische Rekordmeister erstrahlt in neuem Glanz, Erinnerungen werden wach an die 80er Jahre und an eine Meistermannschaft, die durch einen verheerenden Busunfall auseinandergerissen wurde. Danach war lange nichts, und jetzt ist die Hoffnung vielleicht wirklich ein viel größerer Stimulus des Lebens als irgendein Glück. (Florian Vetter, derStandard.at, 20.5.2012)

Ergebnis "best of five"-Final-Serie, Basketball-Bundesliga (ABL) vom Sonntag:

Dukes Klosterneuburg - Swans Gmunden 68:56 (38:33).
Beste Werfer: Nagler 19, Suljnovic 18 bzw. Curry 21, Oppland 10.

Stand in der Serie: 2:1

Nächstes Spiel am Donnerstag (19.30 Uhr/live Sky) in Klosterneuburg. Weiterer Termin (falls nötig): 27. Mai in Gmunden

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