Bayern München - FC Chelsea

Analyse20. Mai 2012, 20:44
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Wenn ein sichtbar unsichtbares Netzwerk mit zwei Schlüsseln über multiple Betriebsamkeit triumphiert

Die Analyse der drei häufigsten Passbeziehungen dokumentiert den Gegensatz der beiden Teams in puncto Spielanlage. Das Netzwerk der Münchner gestaltete sich robust, breit gefächert und mittig, während jenes der Londoner pfeilartig und spitz geriet. Auch wenn die Bayern in Gomez einen mit Drogba vergleichbaren klassischen Mittelstürmer aufboten, unterschied sich ihre Strategie, seine potenzielle Gefährlichkeit ins Spiel zu bringen, doch fundamental von jener Chelseas.

Die Bayern bildeten ein massives Mittelfeld-Breitband rund um den gegnerischen Strafraum. Ein Beziehungsschwerpunkt findet sich folglich zentral in der Achse Schweinsteiger/Kroos, ein weiterer im Flügeldreieck Lahm/Kroos/Robben. Vertikale Impulse erfuhr der Aufbau durch Timoshchuk. Sein Spielraum schwand dann, weil Chelsea dazu überging, früher zu stören. In den Dreiecken Robben/Ribery/Müller bzw. Robben/Ribery/Gomez finden wir eine Struktur, die man als horizontale Offensive bezeichnen könnte. Die Rollen zirkulierten und variierten zwischen linker und rechter Flanke, Stoßsturm und Flügelspiel. Das Gesamtbild legt Zeugnis ab von der multiplen Betriebsamkeit, die auf- und ausgebrochen war, um entscheidende Löcher in den doppelten Wall der Londoner zu bohren.

Chelseas Netzwerk besteht aus sichtbaren und unsichtbaren Elementen. Nicht zu sehen sind die beiden Viererketten. Wahrnehmbar wird dieser spielentscheidende Aspekt etwa am kaum vorhandenen Offensivspiel über die Flügel und der bescheidenen konstruktiven Spielbeteiligung der Mittelfeldkräfte Kalou, Mata und Ber trand. Gesucht und oft gefunden wurde von Anfang an Drogba. Lampard und Mikel bildeten mit Mata die klar robusteste konstruktive Spielbeziehung. Ansonsten gaben sie den Riegel vor dem Riegel (Luiz/Cahill). Und die für einen Goalie ungewöhnlich aktive Rolle unterstreicht die Schlüsselfunktion von Cech. (Helmut Neundlinger, DER STANDARD, 21.05.2012)

  • Bayern München:

DIE MEISTEN PÄSSE / PASSVERSUCHE

1. Lahm-Robben 24
2. Schweinsteiger-Kroos 19
3. Contento-Ribery 18
3. Kroos-Robben 18
5. Tymoshchuk-Lahm 17
6. Robben-Lahm 16
7. Kroos-Schweinsteiger 15
8. Schweinsteiger-Tymoshchuk 14
9. Kroos-Lahm 13
10. Robben-Ribery 12
10. Contento-Kroos 12
12. Boateng-Schweinsteiger 11
12. Robben-Müller 11
12. Lahm-Kroos 11
12. Tymoshchuk-Kroos 11
12. Lahm-Tymoshchuk 11

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Kroos 183 (93/90)
2. Schweinsteiger 162 (81/81)
2. Robben 162 (78/84)
4. Lahm 151 (86/65)
5. Tymoshchuk 128 (73/55)
6. Ribery 113 (50/63)
7. Contento 95 (55/40)
8. Müller 91 (35/56)
9. Boateng 79 (46/33)
10. Gomez 65 (13/52)

*gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Boateng 100,00 (46 von 46)
2. Contento 96,36 (53 von 55)
3. Schweinsteiger 93,83 (76 von 81)
4. Tymoshchuk 93,15 (68 von 73)
5. Lahm 91,86 (79 von 86)
6. Gomez 84,62 (11 von 13)
7. Kroos 83,87 (78 von 93)
8. Ribery 80,00 (40 von 50) 

  • FC Chelsea

DIE MEISTEN PÄSSE / PASSVERSUCHE

1. Cech-Drogba 26
2. Mikel-Mata 18
3. Lampard-Mata 16
4. Lampard-Mikel 15
5. Cole-Lampard 13
5. Mata-Lampard 13
7. Cahill-Luiz 11
7. Luiz-Cole 11
9. Drogba-Mata 10
9. Bosingwa-Mikel 10
11. Luiz-Cahill 9
11. Mata-Kalou 9
11. Kalou-Mata 9
11. Mata-Bosingwa 9
11. Mikel-Cole 9

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Lampard 140 (75/65)
2. Mata 138 (60/78)
3. Mikel 125 (71/54)
4. Drogba 113 (33/80)
5. Cole 87 (49/38)
6. Cahill 84 (43/41)
6. Bosingwa 84 (50/34)
8. Luiz 83 (48/35)
9. Cech 72 (54/18)
10. Kalou 71 (26/45)

*gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Cahill 97,67 (42 von 43)
2. Bertrand 94,12 (16 von 17)
3. Cole 89,80 (44 von 49)
4. Mikel 88,73 (63 von 71)
5. Kalou 88,46 (23 von 26)
6. Mata 88,33 (53 von 60)
7. Malouda 86,67 (13 von 15)
8. Luiz 85,42 (41 von 48)
9. Lampard 84,00 (63 von 75)

Der Ansatz

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe.

Die Analytiker

FAS.research mit Sitz in Wien und New York war schon bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 sowie bei der EURO 2008 im Einsatz und analysiert auch exklusiv für den Standard besondere, ausgewählte Spiele.

Team: Ruth Pfosser, Helmut Neundliger, Wolfgang Streibl und Harald Katzmair.

Link: fas.at

  • Artikelbild
    foto: derstandard
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