Roman Abramowitsch

20. Mai 2012, 19:41
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Schüchtern und nett, also ein echter Oligarch

Franz Beckenbauer, der die Welt und vermutlich auch Gott kennt, sagte am Samstagabend - seine Bayern hatten gerade das Finale der Champions League gegen Chelsea verloren - über Roman Abramowitsch: "Ob verdient oder unverdient, ist egal. Ich gönne es ihm. Er ist so was von schüchtern und bescheiden. Ein netter Kerl." So sind sie halt, die russischen Oligarchen. Speziell jene, die Gefängnisse, warum auch immer, nur von außen kennen.

Roman Arkadjewitsch Abramowitsch (45) ist laut "Forbes" unter den Reichsten der Welt die Nummer 68, sein Vermögen wird auf 12,1 Milliarden Dollar geschätzt. Vor der Finanzkrise war es fast doppelt so groß. Seine Bescheidenheit drückt sich zum Beispiel in einer 162,5 Meter langen Yacht, U-Boot und Raketenabwehrsystem inklusive, aus. Sie heißt Eclipse, das überdurchschnittliche Kreuzfahrtschiff schämt sich vor ihr. Eine Boeing und ein Airbus müssen ebenfalls sein. Der private Flieger des Sultans von Brunei ist zwar eine Spur größer, dafür hat Abramowitsch aber den FC Chelsea samt Champions-League-Pokal. Es gleicht sich aus.

Peristroika und Scheidung

Abramowitsch wurde in Saratow an der Wolga geboren. Er war 18 Monate alt, als seine Mutter an den Folgen einer illegalen Abtreibung starb. Sein Vater verunfallte zwei Jahre später tödlich. Die Waise wuchs zunächst bei seinem Onkel Leib, einem Ölingenieur in Uchta, auf. Dann zog er zu einem anderen Onkel (Abraham) nach Moskau, studierte am Gubkin-Ölinstitut Ingenieurwissenschaften.

Im Zuge der Perestroika gründete er als 21-Jähriger das Unternehmen Ujut ("Gemütlichkeit"), Gummienten und Fußbälle wurden hergestellt. Ab 1993 leitete er das Moskauer Büro des Schweizer Rohölhändlers Runicom. Sein Startkapital sollen 5000 Tonnen Heizöl gewesen sein, angeblich hatte er gefälschte Dokumente vorgelegt. Es entstand der Ölkonzern Sibneft, den er inzwischen veräußert hat. Von 2000 bis 2008 gab er den Gouverneur der Region Tschukotka. Klug bis genial war und ist, es sich nicht mit Wladimir Putin anzulegen.

Abramowitsch war zweimal verheiratet, eine Scheidung kostete ihn 300 Millionen Euro. Er hat sechs Kinder aus diversen Beziehungen. 2003 kaufte er den maroden englischen Fußballklub Chelsea auf. Rund eine Milliarde Euro hat er seither investiert. Am Samstagabend hielt ihm Didier Drogba in München das Häferl hin. Der Mann mit dem Stoppelbart berührte es sanft, weinte fast. Ein netter, schüchterner Kerl eben.(Christian Hackl, DER STANDARD, 21.05.2012)

  • Roman Abramowitsch hat endlich den Pokal gewonnen.
    foto: epa

    Roman Abramowitsch hat endlich den Pokal gewonnen.

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