Israelitische Kultusgemeinde öffnete die Türen

20. Mai 2012, 18:22
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Zum ersten Mal lud die Jüdische Gemeinde alle Interessierten ein - "Zeigen, dass wir nicht abgekapselt leben"

Wien - Zum ersten Mal hat die Israelitische Kultusgemeinde Wien (IKG) zu einem Tag der offenen Tür geladen. "Ich möchte die jüdische Gemeinde als Teil der österreichischen Gesellschaft positionieren", begründete Präsident Oskar Deutsch am Sonntag diesen Schritt. Die jüdischen Feiertage und Traditionen sollten den Menschen nähergebracht werden. Und "wir wollen auch zeigen, dass wir nicht abgekapselt leben", so Miriam Tenner vom Organisationskomitee.

Das Interesse an der jüdischen Kultur bestehe, meinte Deutsch mit Blick zum Eingang. Bereits vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung um 11 Uhr warteten viele Menschen geduldig vor dem Gemeindehaus in der Seitenstettengasse. Die lange Wartezeit lag auch an den strengen Sicherheitsbestimmungen: Taschen und technische Geräte wurden kontrolliert, schon in der Einladung war darauf hingewiesen worden, dass alle Besucher einen Lichtbildausweis bei sich haben sollten.

Staunen über Menüpläne

Die Erwartungen einer Besucherin: "Ich möchte mehr über den jüdischen Glauben, die Traditionen und die Lebensweise erfahren. Ich war noch nie in Israel." Und genau das erwartete sie im Gemeindezentrum dann auch. Viele staunten vor dem Plakat zum koscheren Essen. "Das ist ja unglaublich", "das ist aber kompliziert", war da zu hören. Wie viele Speisen den Anforderungen dann aber doch entsprechen, bewies das reichhaltige Buffet. Für die Feiertage Pessach, Sukkot und Schawuot wurden außerdem Menüfolgen aufgebaut - zum Anschauen. "Heute essen wir das so nur mehr an Feiertagen", erfuhren die Interessierten.

Und auch im 150 Jahre alten Stadttempel war viel los. Am Eingang stand ein Karton voller Kippot, drinnen Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister Rede und Antwort. Um 12 Uhr ging mit dem Kantorenkonzert von Oberkantor Schmuel Barzilai und Oberrabbiner Chaim Eisenberg laut Deutsch ein Highlight der Veranstaltung über die Bühne. "An Sabbat ist es hier nicht so voll", sagte Eisenberg. Eine gute halbe Stunde gaben die beiden jüdische Musik zum Besten, das Publikum klatschte nach Zugaben.

Präsident Deutsch betonte auch hier, wie wichtig ihm die Öffnung der Gemeinde sei. Er möchte etwa, dass vermehrt auch Schulklassen die jüdische Gemeinde besuchen. "Vorurteile kann man nur reduzieren, indem man sich offen präsentiert", bisher habe die Kultusgemeinde aber nicht genug dafür gemacht. Ein Tag der offenen Tür allein ist seiner Meinung nach zu wenig. Eine eigene Kommission arbeite an weiteren Maßnahmen.

Mit wie vielen Besuchern zu rechnen war, sei schwer abzuschätzen, so Tenner. Im Jahr 2008, als das Channuka-Fest als Tag der offenen Tür gestaltet wurde, "sind wir überrannt worden. Ich hoffe, dass auch heute bis zu 1.000 Besucher kommen". Deutsch dazu: "Seit 11 Uhr gibt es eine riesige Schlange. In der ersten Stunde haben wir 400 Leute gezählt. Wenn das so weitergeht, kommen wir auf über 2.000 Besucher." Die IKG Wien hat derzeit rund 8.000 registrierte Mitglieder. (APA)

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