Assange mit Chancen auf Senatssitz

Urs Wälterlin aus Canberra, 20. Mai 2012, 18:13
  • Julian Assange überlegt für den australischen Senat zu kandidieren. Seine Chancen auch einen Sitz zu erhalten stehen gut.
    foto:apa/epa/facundo arrizabalaga

    Julian Assange überlegt für den australischen Senat zu kandidieren. Seine Chancen auch einen Sitz zu erhalten stehen gut.

Julian Assange zieht australische Grünwähler an

 

Der grünen Partei Australiens droht politisch Gefahr von unerwarteter Seite. Sollte Julian Assange, in London unter Hausarrest stehender Gründer der Enthüllungswebsite Wikileaks, seine Absicht verwirklichen und sich bei den Wahlen 2013 als Kandidat in seinem Heimatland für den Senat aufstellen lassen, hätte er Chancen, einen Sitz zu gewinnen. Einer Umfrage des politischen Meinungsforschungsinstituts UMR Research zufolge würde ein Viertel von 1000 Befragten Julian Assange ihre Stimme geben. Laut UMR Research ist Assange besonders unter Wählern beliebt, die ihre Stimme sonst den Grünen geben würden. Die Unterstützung ziehe sich aber durch alle Parteien, so Forschungschef John Utting: "Im Moment hätte Julian Assange eine echte Chance, in den Senat gewählt zu werden, falls er dafür kandidieren würde."

Assange ist australischer Staatsbürger, lebt aber seit Jahren im Ausland. Vor ein paar Monaten gab Wikileaks bekannt, er überlege sich ernsthaft eine Kandidierung für den australischen Senat. Ein Auslieferungsgesuch Schwedens gegen ihn wirft geprüft. Die schwedischen Behörden werfen ihm vor, er habe mit zwei Frauen gegen deren Willen ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt. Assange bestreitet die Anklage und spricht von "politischen Gründen".

Ein "Senator Wikileaks" wäre insbesondere für die australische Premierministerin Julia Gillard peinlich. Die Regierungschefin hatte die Veröffentlichung von australischen diplomatischen Dokumenten durch Assange als "illegal" bezeichnet und die Möglichkeit der Aufhebung seines australischen Passes geprüft. Voreilig, wie sich rasch erwies. Eine polizeiliche Untersuchung zeigte, dass Assange keine australischen Gesetze verletzt hatte.

Gillard unter Druck

Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass sich Gillard im nächsten Parlament mit einem Senator Assange auseinanderzusetzen hätte. Ihrer Laborpartei, die ihre Macht mit schwindender Unterstützung von ein paar unabhängigen Parlamentariern hält, droht 2013 eine Niederlage. Ihre Gegner, allen voran die mächtige Bergbauindustrie, werfen Gillard vor, sie habe entgegen früheren Versprechen eine Steuer auf CO2-Emissionen eingeführt. Wären heute Parlamentswahlen, würde die Koalition unter dem ultrakonservativen, offen klimaskeptischen Oppositionsführer Tony Abbott mit massiver Mehrheit gewinnen. (DER STANDARD Printausgabe, 21.5.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
1 2

Bei dem Typen fällt mir nur eines ein: Der australische Hans Peter Martin.

eine kurze frage an die experten. was hat sich durch wikileaks geändert, ausser der situation für den verhafteten hauptinformanten.

VOTE HIM

Meine Stimme hat er!

Assange - eigentlich eine Romanfigur von Dan Brown

Wie in Browns Buch "Diabolus" geschrieben: "Wer kontrolliert die Kontrollore" - Es ist relativ einfach durch geschickte Auswahl von (absolut wahrheitsgetreuen) Berichten die Wahrheit komplett zu verzerren.

Wikileaks oder Wikifreaks?

Also die Enthüllungen der Depeschen hat mich schon sehr umgeworfen. Nur, was war daran so enthüllend?
Dass Diplomaten Briefe schreiben liegt in der Natur der Sache. Dass Diplomaten Urteile abgeben, liegt auch irgendwo in diesem Bereich.

Das einzige Außerewöhnliche daran war, dass Neurosengeplagte sich mit einer Supermacht anlegen.
Das war es auch schon.

Aber Enthüllungen?! Mitnichten!

Sie hätten sie mal lesen sollen ..

.. nur damit Sie eine Vorstellung bekommen, wie unwichtig Sie sind.

Da soll noch mal einer die Menschenrechtssituation

in China kritisieren! Warum kann man in der EU einen Menschen so lange unter Hausarrest stellen?

Ich warte ja noch immer auf die Bankenleaks, die er vor mehr als einem Jahr versprochen hat.

kann mir vorstellen wie frustriert er im senat waere, waehlen wuerde ich ihn auch.

leider gibt es in australien einen massiven rechtsrutsch bei den naechsten wahlen weil die gillard regierung bei den waehlern nicht ankommt, beziehungsweise der oppositionsfuehrer geschickt alles ablehnt und labour dumm ausschauen laesst. noch dazu hat er das ganze geld der wirtschaft,sowie die presse hinter sich.
das ungerechte wahlsystem hilft dazu dass nur eine der grossparteien gewinnt, denn nur ein kandidat pro wahlkreis zieht ins unterhaus parlament (senat ist anders)

Politiker und TV-Moderator. Ein echter Wunderwuzzi: http://fernseherkaputt.blogspot.com/2012/04/j... assan.html

Einen wie Assange würden wir hier auch wählen

der Peter Pilz vom Internet ;-)

Ich hab bei "Kandidierung" zu lesen aufgehört. Wie gehaltvoll kann der Artikel sein...

ich versteh Sie voll!

lieber kandidierte früchte als einen kalabrierten australesischen salatsangeordneten

Wieso darf, in Großbritannien, ein Mensch so lange quasi eingesperrt werden, obwohl ihn kein Gericht verurteilt hat?

Das kannst in jedem Land der Welt haben. Du brauchst nur die Auslieferung bis zur wirklich letzten Instanz bekämpfen und - Überraschung! - du wirst bis zur Erledigung in deiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt sein. In den meisten Staaten wirst allerdings wirklich im Häfen sitzen.

selber schuld....

das ist deshalb, weil er die Auslieferung nach Schweden immer wieder beeinsprucht. Aber anscheinend hat er dort ein Problem, das er vermeiden möchte, denn da droht wirkliches Gefängnis und nicht nur Hausarrest.

psst - man darf nur china ueber hausarrest kritisieren

"Kandidierung"

klingt irgendwie zu süß, ich würde Kandidatur sagen:-)

vielleicht hat das etwas mit Zuckergewinnung zu tun ...

raffinierter Zucker, wie seine Haare

Hmm, wie merkwürdig. War es nicht die Bergbauindustrie die Gillard gestützt hat als sie gegen ihren Parteigenossen Kevin Rudd aus dem Premieramt geputscht hat? Der hatte ja die Wahlen gewonnen und war auch in der Bevölkerung beliebt.
Ein Senator Assange in so einer politischen Landschaft wäre sicher interessant. Mit Intrigen kennt er sich ja mittlerweile gut aus.

die Senatssitzunge in Canberra werden zum Gschnas

Assange blickt auf sein Ipod und loggt sich bei Wikileaks während einer Sitzung ein und geht zum Pult.
"Selbstverständlich,Mrs. Prime Minister, werd' ich kein Wort über Ihren letzten Kenya-Urlaub verlieren. Du alte Sau!" und lächelt ins Display.

protestpartie

auf den haben sicher alle australier gewartet.

Also ich denk jetzt nicht unbedingt,

dass er alle Senatssitze bekommt, aber einer ist anscheinend schon drinnen.

Na ja, die Leute, die den CO2-Ausstoss wieder in die Höhe treiben sind auf jeden Fall jenen vorzuziehen, die versuchen, Gaunereien von Regierungen aufzudecken.
Das wollten Sie mit Ihrem Kommentar zum Ausdruck bringen, nicht?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.