Hollande-Virus: Der Neopräsident als Gipfelstürmer

Kommentar20. Mai 2012, 19:26
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Inhaltlich war Gipfel-Neuling François Hollande ganz auf Linie der US-Gastgeber

Schon wenige Tage nach seiner Amtseinführung hat Frankreichs neuer Staatschef die Gelegenheit, sich international in Szene zu setzen. Äußerlich fiel der Gipfel-Neuling François Hollande beim lockeren G-8-Treff der offenen Hemden in Camp David zunächst dadurch auf, dass er als Einziger Krawatte trug. Inhaltlich war er ganz auf Linie der US-Gastgeber: Aus wahlpolitischen Motiven sorgt sich Barack Obama stark um die globale und damit auch europäische Konjunktur.

Auch auf dem anschließenden Nato-Gipfel in Chicago geht Hollande gleich zur Sache: Er bestätigt seine Absicht, die französischen Truppen bis Ende dieses Jahres aus Afghanistan abzuziehen.

Ob dieses Hollande-Virus die anderen Nato-Mitglieder in vergleichbarer Weise infizieren wird wie sein Wachstumsinput, scheint fraglicher. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel erinnert an das Afghanistan-Credo " Gemeinsam rein, gemeinsam raus", Frankreichs bisheriger Verteidigungsminister Gérard Longuet bezeichnet die Ankündigung als " unhaltbar und unloyal".

Letztlich dürfte sich Hollande auf einen symbolischen Abzug einiger Kampftruppen beschränken. Doch gerade weil dieser eine so starke symbolische Wirkung hätte, haben die radikalislamischen Taliban die französische Ankündigung begrüßt. Im Westen bringt das Hollande weniger Applaus ein. (Stefan Brändle, DER STANDARD, 21.5.2012)

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