Liebeserklärung an die Phantastik gewinnt den Nebula Award

20. Mai 2012, 18:15
  • Die Nebula Awards werden jährlich von den Science Fiction and Fantasy Writers of America vergeben und sind neben den Hugo Awards die prestigeträchtigsten Preise im Genre.
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    Die Nebula Awards werden jährlich von den Science Fiction and Fantasy Writers of America vergeben und sind neben den Hugo Awards die prestigeträchtigsten Preise im Genre.

  • Ausgezeichnet mit dem Nebula für den besten Roman: Jo Waltons "Among Others".
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    Ausgezeichnet mit dem Nebula für den besten Roman: Jo Waltons "Among Others".

"Among Others" von Jo Walton als bester Roman ausgezeichnet - und "Doctor Who" schlägt wieder einmal alle Filme

Arlington - Kein Fantasy-Epos, keine Begegnung mit fremdartigen Lebensformen unter SF-Vorzeichen und auch kein Vertreter des boomenden Steampunk-Genres hat den heurigen Nebula Award für den besten Roman eingefahren. Statt dessen war es mit Jo Waltons "Among Others" ein vergleichsweise stilles Werk über ein Mädchen, das seine Liebe zur Science Fiction entdeckt.

Die 47-jährige Jo Walton, in Wales geboren und heute in Kanada lebend, ist eine Spezialistin dafür, mit großem Feingefühl Menschen (oder auch andere Wesen) unter den Rahmenbedingungen ihrer Gesellschaft zu schildern - ob sie nun die gebotenen Möglichkeiten für ihre Zwecke ausnutzen oder mit ihren Sehnsüchten an den vorhandenen Zwängen zu scheitern drohen. Exemplarisch dafür war ihre mit "Farthing" begonnene Alternativwelt-Trilogie über ein Großbritannien, das langsam, aber unaufhaltsam den Faschismus des benachbarten Nazi-Deutschland übernimmt. Waltons spezielle Zugangsweise zeigt sich aber selbst in einem so unwahrscheinlichen Setting wie der Drachengesellschaft von "Tooth and Claw", ihrem bislang einzigen ins Deutsche übersetzten Roman ("Der Clan der Klauen").

Der beste Roman

"Among Others", angesiedelt in Großbritannien Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre, hat einen realweltlichen Hintergrund und bringt Phantastik-Elemente auf ähnlich metafiktionale Weise ein wie Michael Chabons "Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier & Clay", kombiniert dies aber mit "echten" übernatürlichen Ereignissen. Die 15-jährige Morwenna hat bei einem Unfall ihre Schwester verloren. Während sie Ablenkung und schließlich tiefe Faszination im Lesen von Science Fiction und Fantasy findet, lernt sie sich auch der Herausforderung zu stellen, die der Tod ihrer Schwester für sie persönlich bereithält: Eine Liebeserklärung an die Genreliteratur, verbunden mit einem Coming-of-Age-Plot.

Walton schlug damit einige auf den ersten Blick spektakulärer wirkende Romane aus dem Rennen. Mit "Embassytown" (das im August als "Stadt der Fremden" auf Deutsch erscheint), war einmal mehr China Miéville nominiert; der Roman dreht sich um das Zusammenleben von Menschen und Aliens, mit denen nur genetisch angepasste Linguisten kommunizieren können. Genevieve Valentines Debüt-Roman "Mechanique" erzählt vom Leben der teilweise menschlichen, teilweise mechanischen Mitglieder eines Wanderzirkus in einer postapokalyptischen Steampunk-Welt - wie Waltons Siegerwerk wurde auch dieser Roman für seine atmosphärischen Schilderungen gelobt.

Die übrigen Nominierten in der Romankategorie waren "The Kingdom of Gods", der Abschlussband von N.K. Jemisins Fantasy-Trilogie "The Inheritance", auf Deutsch als "Die Rivalin der Götter" erschienen; Jack McDevitts "Firebird", ein weiterer Roman um den interstellaren Antiquitätenhändler und Aufklärer von Mysterien Alex Benedict; und schließlich "God's War" von Kameron Hurley: Das erste von bislang zwei Abenteuern einer ehemaligen Killerin auf einem Planeten, der von Menschen besiedelt wurde und am Rande eines Religionskrieges schwebt.

Kurzformate

Arlington im US-Bundesstaat Virginia war von 17. bis 20. Mai Schauplatz des Jahrestreffens der SFWA, der Dachorganisation der US-amerikanischen Science-Fiction-AutorInnen. Als Gastgeber der Gala fungierten der Autor Walter Jon Williams und NASA-Astronaut Michael Fincke.

Neben Romanen wurden dort auch Werke in den verschiedenen Kurzformaten ausgezeichnet. Zur besten Novelle wurde "The Man Who Bridged the Mist" der US-Amerikanerin Kij Johnson gekürt. Während hier vordergründig versucht wird, mit einem kühnen Ingenieursprojekt einen unirdischen Nebel-Arm zu überbrücken, fokussiert die Autorin hauptsächlich auf die Verbindungen zwischen den auftretenden Figuren. 

In der Kategorie Novellette wurde der Kanadier Geoff Ryman für "What We Found'' ausgezeichnet, die Geschichte eines Genetikers, für den sein Forschungsgebiet eine sehr persönliche Note annimmt. Und den Preis für die beste Kurzgeschichte schließlich trug "The Paper Menagerie" von Ken Liu, einem weiteren Autoren aus den USA, davon. Spielzeug - hier Actionfiguren, dort Origami-Tiere - wird darin zum Symbol eines Lebens zwischen den Kulturen.

Und wie immer ...

Wie beim anderen großen Phantastik-Preis, dem Hugo, wird auch stets ein Preis an das beste filmische Werk vergeben. Nominiert waren hier heuer Kaliber wie die schrille Komödie "Attack the Block", Martin Scorseses "Hugo Cabret", Woody Allens "Midnight in Paris", die Marvel-Verfilmung "Captain America", der Thriller "Source Code" und die Philip K. Dick-Verfilmung "The Adjustment Bureau" ("Der Plan").

Den Preis hat allerdings wieder einmal eine Serie gewonnen, die anders als Konkurrenzprodukte - warum auch immer - so gut wie jedes Jahr unter den Nominierten zu finden ist: "Doctor Who". Das Drehbuch der preisgekrönten Folge "The Doctor's Wife" stammt von Neil Gaiman.

Posthum wurde die 2006 verstorbene US-Autorin Octavia Butler ("Xenogenesis") geehrt, während die vorjährige Nebula-Preisträgerin Connie Willis mit dem "Damon Knight Grandmaster Award" ausgezeichnet wurde. Willis hatte 2011 für den Zeitreise-Doppelroman "Blackout / All Clear" sowohl den Nebula als auch den Hugo abgeräumt ... ein Ergebnis, das übrigens alle Preisträger des heurigen Jahres ebenfalls noch erzielen könnten: Die Gewinner sämtlicher Kategorien finden sich auch auf den Nominierungslisten für den Hugo wieder. Wer tatsächlich einen Doppelschlag landet, wird die Preisvergabe Ende August in Chicago zeigen.  (Josefson, derStandard.at, 20.5.2012)

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10 Postings

Btw, Le Guin, deren Werk "Lathe of Heaven" in "Among Others" erwähnt wird, lobt das Buch übrigens ebenfalls. :)

Kling vielversprechend!
Ich hätte aber zu gerne mal wieder einen so fesselnden SF-Roman wie Hyperion von Dan Simmons oder etwas in der Art von Alfred Bester.

Nur sicherheitshalber, falls Ihnen noch nicht bekannt: Es gibt da noch die Fortsetzung "Endymion".

Episch angelegte Space-Operas mit Tiefgang gibt es doch einige. Autoren wie z.B. Reynolds, Banks, Baxter wären da mal ein Tipp. Vielleicht sehen sie sich mal in der Rundschau bei den Rezensionen hier um, da gibt es auch ein Gesamtverzeichnis.

Nein, ich bin nicht von der derStandard.at-Redaktion ...

;-)

Die Fortsetzungen kenne ich schon. Unterhaltsam, aber nicht die Wucht des ersten Romans. Ian Banks würde ich tatsächlich mal ganz gerne probieren, aber diese Zyklen, die insgesamt mehrere tausend Seiten umfassen, flößen mir einfach zuviel Respekt ein.

Viele der Kultur-Romane lassen sich locker ohne Background des "Universums" lesen, sie sind keine echten Fortsetzungen à la manche der Werke Hamiltons. Eine alleinstehende Space-Opera Banks außerhalb von Zyklen wäre etwa "Der Algebraist".

da muß ich mich jetzt mal als langjähriger "doctor who"-fan outen. und mit langjährig meine ich seit 1963 (ok, so alt bin ich nicht, aber ich sehe auch gerne die folgen mit william hartnell, patrick throughton, jon pertwee, und den anderen. tut jetzt nichts zur sache, aber mein favorit ist sylvester mccoy, gefolgt von david tenant.).

aber was da mit matt smith geliefert wird... ist unpackbar. ich glaube, abgesehen von "the doctors wife" (ursprünglich für tenant geschrieben) und "a good man goes to war"), hat mir keine smith-folge wirklich gefallen. ich habe immer mehr das gefühl, die serie will zu ihren kinderserie-wurzeln zurück.

Ich finde bei Smith ist irgendwie das "epische" und "der rote Faden" in der Geschichte verloren gegangen...

Bin langjähriger Fan ^^ finde schade das ich absolut keinen kenne der die Serie kennt geschweigenden mag :/

was aber nicht an smith liegt, sondern an moffatt.

hab von den alten noch fast nichts gesehen. tenant find ich den besten doctor...smith mochte ich anfangs nicht, mittlerweile gehts ganz gut (entweder in die rolle gewachsen oder ich hab mich dran gewöhnt)

er kann auch pech haben, und die scripts sind schlecht (so gings ja colin baker und mccoy zu beginn).

was mir so nicht behagt, ist daß es bei smith scheinbar oft keine konsequenzen (es sei denn es paßt in den metaplot) mehr gibt.

*spoiler*
da wird in der vorletzten folge der staffel die wandlung eines unschuldigen in einen cyberman rückgängig gemacht, mit fast nicht mehr als einem fingerschnippen. dabei war das ja eigentlich immer der "terror" der cybermen. wenn das so leicht geht, wo ist ihr schrecken?
*spoiler-ende*

die alten doctors (1-10) sind ein wenig campy (wie star trek original) aber jeder actor bringt was eigenes ein, was die serie sehenswert machte.

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