Röttgen will Merkel Paroli bieten

20. Mai 2012, 11:36
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Seehofer und von der Leyen unterstützen das harte Vorgehen der deutschen Kanzlerin

Berlin/München - Der entlassene deutsche Umweltminister Norbert Röttgen will seine Entmachtung einem Zeitungsbericht zufolge nicht widerspruchslos hinnehmen. Röttgen wolle öffentlich die Darstellung der Umstände seiner Entlassung durch Kanzlerin Angela Merkel korrigieren, berichtete die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf das Umfeld des Politikers. Auch wolle er sein Amt als stellvertretender CDU-Vorsitzender behalten und erneut für den Bundestag kandidieren.

Röttgen hat sich bisher nicht zu seiner Entlassung geäußert. CDU-Chefin Merkel hatte ihn nach der historischen Wahlniederlage ihrer Partei in Nordrhein-Westfalen (NRW) mit Röttgen als Spitzenkandidaten am Mittwoch entlassen und dies damit begründet, dass die angestrebte Energiewende einen starken Umweltminister erfordere. Mit dem spektakulären Schritt hat die Kanzlerin auch Unmut in den eigenen Reihen ausgelöst.

Seehofer unterstützt Merkel

Vom Vorsitzenden der Schwesterpartei CSU, Horst Seehofer, erhielt Merkel allerdings Unterstützung für ihren harten Kurs gegenüber Röttgen. Der bayerische Ministerpräsident rechtfertigte seine öffentliche Schelte für Röttgen im Fernsehen nach der Wahlniederlage, wies eine Mitverantwortung für die Entlassung des Umweltministers jedoch zurück. "Wenn wir nächstes Jahr Erfolg haben wollen, dürfen sich so Sachen wie NRW nicht wiederholen", sagte er dem Magazin "Focus". Das Handeln Merkels zeige, dass sie diese Ansicht teile und zu Konsequenzen bereit sei. Die Kanzlerin habe die Causa Röttgen "ganz souverän und eigenständig entschieden"".

Auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verteidigte Merkel gegen Vorwürfe wegen der harten Entlassung Röttgens. "Für eine Kanzlerin darf es am Ende nur darauf ankommen, was das Beste für das Land ist. Wenn die Bundeskanzlerin kein Vertrauen mehr hat, dass ihr zuständiger Minister ein vitales Projekt wie die Energiewende noch managen kann, dann muss sie so handeln", sagte sie dem Magazin "Der Spiegel". Allerdings tue ihr die Entscheidung "menschlich und persönlich leid", so die Ministerin. "Das wird Angela Merkel auch nicht anders gehen." (APA/Reuters, 20.5.2012)

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