Kampf um Essensbestellungen im Internet

19. Mai 2012, 10:33
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Der holländische Pionier Jitse Groen startet mit seinem Lieferservice in Österreich

Seine Landsleute feiern ihn gerne als Selfmademillionär und scheuen auch vor kühnen Vergleichen mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg nicht zurück. Konkurrenten nennen ihn einen mit großer Klappe, der laute Töne spucke, statt Taten zu setzen. Jitse Groen selbst hält von beiden Klischees herzlich wenig. Er führe ein ganz normales Leben; dass das Geld dabei mehr geworden sei, wundere ihn eher, als dass es ihn stolz mache. Und ernst genommen werde man ohnehin nur mit Investoren an der Seite. Er habe sich eben erst sehr spät dafür entschieden.

Umsatz von rund 100 Millionen Euro

Groen startete mit 21 eine Online-Plattform für Restaurantbestellungen. Heute ist er 33, in elf europäischen Ländern aktiv und fährt für Wirte einen Umsatz von rund hundert Millionen Euro ein. Mittelfristig soll er auf 250 Millionen wachsen. Gewinn mache er schon seit zwölf Jahren, versichert er im Gespräch mit dem STANDARD.

Unzählige Mitstreiter

Die Idee ist simpel und zieht unzählige Mitstreiter an: Eine Website vernetzt Hungrige mit den Lieferservices der Restaurants. Statt sich von Flyern inspirieren zu lassen und zum Telefon zu greifen, lassen sich Gerichte und Getränke per Mausklick ordern. Bewertungen anderer User dienen als Wegweiser für Lokale im Umkreis der erwünschten Postleitzahl.

25 Prozent bestellen über das Internet

Der Vorteil für Wirte: Auch unscheinbaren Kneipen weitab vom Schuss und ohne Werbebudget eröffnet sich ein riesiges Kundenpotenzial. Für Online-Vermittler wie Groen fallen acht Prozent des Bestellumsatzes ab. Zehn bis 25 Prozent der Essensorder rund um Pizza, Sushi und Schnitzel laufen aktuell übers Internet. Doch irgendwann werden es 90 Prozent sein, hofft Groen, worin für ihn der Reiz der ganzen Sache liege. Marktforscher würden dem Geschäft in Österreich schon jetzt ein Gewicht von 150 Millionen Euro geben.

Auf Kundenjagd in Österreich

Unter Groens Dachmarke Takeaway läuft auch die Domain Lieferservice. Mit ihr will er nun in Österreich um Kunden jagen. Etliche der vom Investor Prime Ventures lukrierten 13 Millionen Euro sollen hier investiert werden, sagt er. "Ich will Marktführer werden."

Netkellner als Pionier

Was die Konkurrenz mit Kopfschütteln quittiert und ins Reich der Träume abtut. Pionier waren hierzulande zwei ungarische Studenten, die 2003 mit dem Netkellner loslegten. "Sie haben hier den Boden für die Branche aufbereitet", sagt Marketingchefin Zita Uzsoki. Dann seien internationale Investoren aufgetaucht. Mit neuem Design und System will man verlorenes Terrain zurückholen.

Mjam Willessen als Marktführer

Aufgetaucht ist Angelo Laub mit Mjam, er fusionierte mit Willessen. Mit gut 600 Restaurants im Angebot sieht sich der 29-Jährige nun als Marktführer in Österreich und Groen lediglich auf Platz drei. 2001 habe er erstmals Gewinne erzielt. Mehrheitseigentümer sind Schweden, die im April von Lieferheld geschluckt wurden: Deutsche, die wiederum der Handelsriese Tengelmann finanziert.

"Die Kunst ist es, damit Geld zu verdienen."

Mit starken Partnern im Rücken werde er die Rolle des Branchenprimus sicher nicht abgeben, sagt Laub. Kunden, die sich einmal für eine Plattform entschieden, blieben dabei. Auch wenn alle paar Monate ein neuer Anbieter auftauche - "ich habe allein seit 2008 zehn kommen und gehen sehen". Einig sind sich Groen und Laub ob einer baldigen Marktbereinigung. Und dass das Geschäft einfacher klinge als es sei. "Die Kunst ist es, damit Geld zu verdienen."(Verena Kainrath, DER STANDARD, 19.5.2012)

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    Pizza bleibt der Renner für Boten. Jungunternehmer schneiden sich bis zu einem Zehntel vom Geschäft ab.

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