Ende eines Wunderknaben

Blog | Eric Frey, 19. Mai 2012, 09:47
  • Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.
    foto:paul sakuma, file/ap/dapd

    Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Der Facebook-Börsengang war der Höhepunkt eines Hypes, dessen Kollaps auch Mark Zuckerbergs Ruf bedroht

Ich bin seit rund vier Jahren auf Facebook registriert, also relativ lange für eine so junge Einrichtung. Ich habe derzeit 449 Freunde – für einen Freundeskreis zu viel und für ein Publikum zu wenig. Ich schaue ein bis zwei Mal in der Woche hinein, tu noch seltener etwas posten und denke die meiste Zeit nicht an Facebook.

Warum ich das erzähle? Ich bin ein recht typischer Vertreter der 900 Millionen starken Facebook-Community – und das erklärt ganz gut den enttäuschenden Börsenstart der Facebook-Aktie am Freitag, die nur dank massiver Unterstützung der begleitenden Investmentbanken über dem Ausgabekurs von 38 Dollar geschlossen hat.

Denn Facebook ist massiv überbewertet. Es ist eine tolle Einrichtung mit einem großen Potenzial. Es ist der Champion unter den Social Media – ein Bereich, in dem es dank Netzwerkeffekte nur wenige große Spieler geben kann. Aber als Geschäftsmodell hat es massive Schwächen.

An mir kann Facebook nichts verdienen, denn für Werbeeffekte bin ich viel zu wenig drauf. Das gleiche gilt für hunderte Millionen andere Facebook-Nutzer. Am Smartphone ist die Werbung gar nicht zu sehen.

Das soll sich zwar bald ändern, aber auch dann werden die Werbeeinnahmen nicht wirklich sprudeln. Denn das Google-Modell, bei dem Werbung genau auf momentane Interessen abgestellt werden kann, funktioniert in diesem Netzwerk nicht.

Auch die ungeheuren Datenmassen, über die Facebook verfügt, sind meinem Gefühl nach weniger wert als oft behauptet. Das meiste kann aus Gründen des Datenschutzes nicht verwendet werden. Wenn Facebook es tut, dann würde ein Sturm der Entrüstung ausbrechen, der Facebook massiv schaden würde. Denn Facebook-Nutzer bewegen sich in einer Welt, in der sie sich privat und unbeobachtet fühlen wollen.

Dazu kommt, dass zu viele Daten auch nicht viel nützen, wenn es um gezielte Werbung geht. Und Bezahldienste sind auf Facebook auch kaum einzurichten. Es würde Nutzer in Millionen vertreiben.

Der ganze Börsengang war als große Abzocke der Facebook-Eigentümer angelegt, die vom Facebook-Hype profitieren wollten. Das zeigte sich schon daran, dass besonders viele Altaktionäre verkauft haben.


Und mit den Erlösen, die in die Unternehmenskasse fließen, hat Facebook, wie es selbst zugibt, nichts Konkretes vor. Ja, es wird nach Instagram noch einige andere Internet-Firmen zu massiv überhöhten Preisen erwerben und damit andere Jungunternehmer reich machen. Aber das ist noch keine erfolgsversprechende Unternehmensstrategie.

Das massive Interesse an Facebook-Aktien kam vor allem von Nutzern, die beim Börsengang fußfrei dabei sein wollten. Das große Ereignis ist jetzt vorbei, und ich bin überzeugt, dass viele der teuren gebrauchten Eintrittskarten nun auf den Markt kommen werden.

Die Facebook-Aktie hat nun sehr viel Platz nach unten und könnte sich als Flop des Jahres erweisen. Und ein Absturz würde auch dem Image und damit der Anziehungskraft des Netzwerks Schaden zufügen.

19 Milliarden Dollar beträgt das Vermögen von Mark Zuckerberg, Gründer und Hauptaktionär von Facebook, an diesem Wochenende. Doch auch wenn es bald viel weniger ist – Zuckerberg wird das verkraften. Aber sein Ruf als Wunderknabe wird dann wohl Geschichte sein.

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Naiv und blauäugig...

"Wenn Facebook es tut, dann würde ein Sturm der Entrüstung ausbrechen, der Facebook massiv schaden würde. Denn Facebook-Nutzer bewegen sich in einer Welt, in der sie sich privat und unbeobachtet fühlen wollen."
Klar! Das Selbstdarsteller Portal des 21.JH in dem Socialporn zur Religion erhoben wurde; Die Website in der es nur ums gesehen werden und öffentlich zur Schau stellen geht; Genau dort bewegen sich nur Menschen die privat und unbeobachtet bleiben wollen.

...entschuldigen Sie bitte die Ausdrucksweise aber ich habe schon lang nicht mehr so einen Schwachfug gelesen.

Interessant das der sonst so neoliberale Frey den Börsegang von Facebook als "Abzocke" definiert...

Facebook mag überbewertet sein ok. Aber Zuckerberg zwingt niemanden die Aktie um 38 Euro zu kaufen, wers dennoch tut wird schon seine Gründe haben.

Das ist wirklich reinste Marktwirtschaft und daran kann ich nichts verwerfliches finden. Wer die Aktie billiger haben will soll warten bis der Kurs fällt, wer an das Geschäftsmodell nicht glaubt solls lassen. Und das die Altaktionäre Kasse machen wollen wer kanns ihnen verdenken.

Das ein marktradikaler Neoliberaler wie Frey jetzt Zuckerberg verurteilt aber jeden neoliberalen Schritt mit Haut und Haaren verteidigt der das Gemeinwohl bedroht lässt darauf schliessen das der liebe Frey auch gern mal bissl Populismus schreibt wenns denn einfach geht...

Zockerei macht unser gesamtes Wirtschaftsystem kaputt. Hier gehören Regeln eingezogen.
Und bitte nicht mit "freier Marktwirtschaft" argumentieren.

Nach diesem Motto könnte man auch sagen "freie Fahrt für freie Bürger", weg mit Tempolimits und wenn dann einer mit 200 jemanden "abschießt" ist nicht verwerflich, weil es muß ja niemand auf die Strasse gehen...

föllig falsch und unlogisch argumentiert !

Natürlich MUSS man auf die Straße gehen. Wer nicht r'ausgeht, verhungert. Die Straße ist Teil der öffentlichen Infrastruktur und die braucht Regeln. Aber eine Aktie kaufen muss keiner.

Falsches Argument.

Leute, die eine Aktie zu einem bestimmten Preis kaufen, tun das, weil ihnen die Aktie den Preis wert ist. Es gibt also keinen Geschädigten.
Etwas anderes wäre natürlich betrügerische Täuschung der Aktienkäufer. Aber darum geht es hier ja nicht.

Sie verzetteln sich jetzt und reden am Thema vorbei.
Es gibt Menschen, die seit Jahren nicht auf der Straße waren und nicht verhungert sind. Soviel dazu.
Thema ist, das dort wo scheinbar Menschen nicht fähig sind verantwortlich zu handeln, leider gesetzliche Regeln geschaffen werden müssen.
Wobei das natürlich eine Katze ist die sich in den Schwanz beisst: je mehr Regeln es gibt umso mehr gibt der Einzelne seine Verantwortung ab nach dem Motto "is eh alles geregelt und was nicht geregelt ist ist nicht meine Verantwortung". Aber das ist wieder ein anderes Thema...

Ich denke da freier...

Wer definiert denn, ob jemand "verantwortlich handelt".
Beim Straßenverkehr ist's klar. Wenn du jemanden durch zu schnelle Geschwindigkeit tötest, war's unverantwortlich. Aber beim Aktienkauf ist' ein Fall für die Ideologen. Meiner Ansicht nach auch der Selbstverantwortung, welche jeder auch hat und die einen vor Nachteilen schützt. Jene, die glauben, der Staat sollte alles "regeln", die schreien halt gleich nach Regulierung und staatl. Intervention und machen damit mehr kaputt als ihnen bewusst ist.

Mir wär viel lieber, würden Menschen verantwortungsvoller handeln (können/dürfen).
Aber wie sich gerade in der globalisierten Finanzwirtschaft zeigt funktionierts nicht.
Und es ist letztlich - wie die vergangenen Jahre gezeigt haben - nicht das Problem Einzelner die sich verzockt und Geld verloren haben, das nimmt Ausmaße an, die die gesamte Weltwirtschaft beeinträchtigen.
Wärend z.B. in Griechenland, Spanien etc. die Einen riesige Vermögen anhäufen, sitzen Andere auf der Straße und hungern.
Auf der ainen Seite kümmert sich der Gesetzgeber um jeden Sche...dreck, auf der anderen Seite sieht er zu wie einige wenige in ihrer Gier Millionen in den Abgrund reissen ....aber jetzt sind wir ehh schon ganz weit weg vom Thema ;-)

Ich bin der Meinung...

Sie haben g'rade gejammert, dass ihnen eh lieber wär' wenn Menschen verantwortungsvoll handeln würden und dass das leider wegen der bösen globalen Finanzwirtschaft nicht gehe. Dabei war Disussionsgegenstand, dass einige Kleinanleger offenbar Facebook-Anteile zu teuer gekauft haben. Sie argumentieren, dass dürfe nicht sein, Regeln sollten sowas unterbinden. Ich sage, dass ist faschistoider Quatsch, wie aus einem Orwell-Film. Wenn Kleinanleger noch immer nichts dazugelernt haben, dann haben sie den Verlust wohlverdient.

ich hab nicht gejammert sondern festgestellt.
Was Sie allerdings negieren oder nicht begreifen ist der enorme Volkswirtschaftliche Schaden der durch dieses Handeln entsteht. Facebook ist ja kein Einzelfall...
Aber vielleicht lieben Sie Sparpakete, Kürzungen im Sozial-und Bildungsbereich etc.
Österreich ist da ohnehin noch eine Insel der Seligen.
Ich lebe in Spanien, da siehts schon etwas anders aus.
Und die aktuellen Probleme hier haben mit einer Immobilienblase zu tun, die ähnlich dem Facebook IPO begonnen hat: vollkommen realitätsferne Vorstellungen, Banken habens finanziert und jetzt werden 10 Mrd. Sozialausgaben gestrichen und Banken mit genau dieser Summe gestützt...

ok, Zockerei, aber: WER zockt denn eigentlich?
Zuckerberg oder diejenigen dummen, die geldgierig Aktien kaufen und dann verlieren?

Ein Mensch mit Verstand wird niemals Hypeaktien kaufen (zumindest sollte sie sofort nach der Emmission abgestoßen werden), wir hatten schon mal den "Neuen Markt", der schlichtweg überbewertet war.

Außerdem war im Vorposting von "Abzocke" die Rede, das ist ein Unterschied. Zuckerberg zockt ab und wer sich abzocken lässt ist selber schuld. Aktienversprechungen sollte man niemals glauben, denn Aktien sind Kredite ohne Sicherheit.

Ich hab auf "reinste Marktwirtschaft" repliziert.

Mit der Überbewertung geb ich Ihnen schon recht, aber nachdem viele Menschen scheinbar nicht fähig sind ihre Gier in Zaum zu halten gehören hier Regeln eingezogen - wie eben auch im Straßenverkehr.
Wobei's ja egal wäre, wenn Einzelne ihr eigenes Geld verspielen, aber da sind ja auch BAnken involviert die auch jenes Geld verspielen (u.A. durch faule Kredite), das ihnen nicht gehört.

Übrigens: eine Aktie ist kein Kredit, eine Aktie ist ein Unternehmensanteil.

Wer soll denn beurteilen, was Gier ist?

Der Wert einer Aktie wie Facebook ist schwer einzuschätzen. Wollen Sie Leuten verbieten in 900.000 Usern ein enormes Potential zu sehen?
Die Aktie ist sehr spekulativ. Die Bewertung beruht auf hohen Erwartungen für die Zukunft. Viele sind der Meinung, diese Erwartungen sind zu hoch gesteckt, manche sehen das anders. Wer weiß, wer am Ende rechtbehält? Wer weiß, was wir in zwei Jahren wissen. Vielleicht steht die Aktie dann bei 150 Dollar.

Denkmöglich ist alles, auch das die Aktie in 2 Jahren bei 150 steht.
Lassen Sie uns in 2 Jahren sehen, wer recht hat ;-)

Es geht nicht darum, wer recht hat. Es geht darum, dass es keinen objektiven Maßstab dafür gibt, wie viel eine Aktie wert ist.
Der eine meint so, der andere so. Der eine meint, die Facebook-Aktie sei lächerlich überbewertet. Der andere meint, bei dem Potenzial, das die Aktie für die Zukunft hat, ist der Preis ein Schnäppchen. Natürlich glaubt jeder, dass er recht hat und der andere ein Depp ist.

Reglementierung von Gier...

jetzt wird's philosophisch :)
jetzt muss die Frage gestattet sein, wie Gier gemessen wird, um den Aktienkauf zu erlauben oder zu beschränken. Gier, Habsucht sind die ureigensten Eigenschaften eines Menschen; die Spitze wäre Diebstahl, was in unseren Breiten durchaus moralisch verwerflich ist. Dann müssten Spielbanken, Lotterien konsequenterweise ebenfalls verboten und geschlossen werden. Die Folgen darf sich jeder selber ausdenken.

Aktien<->Kredit: Unternehmensanteil ist richtig, aber die Investition ist auf jeden Fall Vertrauenssache und die Erwartung ebenfalls - deswegen, glaube ich, ist die Bezeichnung "Kredit", wenn auch auf besonderer Art durchaus gerechtfertigt.

Fragen wir einmal Wikipedia
Zitat:
Habgier, Raffgier, ... ist das übersteigerte Streben nach materiellem Besitz...
...Die Habgier wird in vielen Kulturen moralisch verurteilt...
Habgier wird von der Rechtswissenschaft als "rücksichtsloses Streben nach Gewinn um jeden Preis" definiert. Zitat Ende
Volkswirtschaftlich gesehen schädigt die Gier Einzelner die große Masse -> Wirtschaftskrisen...Vernichtung von Volksvermögen - gutes Beispiel ist die spanische Immo-Krise.
Lösung: Spekulationsgewinne derart hoch zu besteuern, dass die Allgemeinheit - die ja auch die Kosten für misslungene Spekulationen hat (Notkredite an Banken etc) - für diese Kosten entschädigt wird.
Die Bezeichnung "Kredit" für einen Unternehmensanteil ist definitiv falsch

Offenbar hat es sich wirklich noch nicht herumgesprochen, also explizit:

Nicht nur alle "Like" Buttons die man anklickt, werden aufgezeichnet. Nein, alle die man "gesehen" (sprich: die der Browser geladen hat) hat werden von FB gespeichert.
Nachdem diese inzwischen beinahe überall sind, kann FB natürlich wunderbar die Webnutzung all seiner Schäfchen nachvollziehen...

Mit der Technik/ den Algorithmen von morgen sind die Daten von Heute ein Vermögen wert. Die Leute geben freiwillig all ihre Geheimnisse preis und legen Sie in Zuckerbergs Börserl.

Das soll keine lächerlichen 100 Milliarden wert sein?

Das mit dem "Like"-Button ist exakt beschrieben aber trotzdem ist der Unternehmenswert bei weitem überhöht.
Zitat Spiegel Online:
...Kolumnist Dana Blankenhorn vom Börsendienst "The Street", sei nicht nur eine "große Lüge" gewesen, sondern "einer der größten Betrügereien der US-Geschichte", verübt am einfachen Investor...
Zitat Ende......

Und Morgan Stanley musste mit massivsten Stützkäufen die AKtie über dem Ausgabepreis halten, da droht der nächste Milliardenverlust.

Erinnert wohl ein wenig an die Dotcom-Blase, die es um die Jahrtausendwende gab. Da gab es ja auch irre Kurse an der Börse und dann Bumm.

Das österreichischen Paradebeispiel war ja dann Yline.

Eine vernünftige Analyse. Mit seiner definitiven Prognose hat sich Herr Frey aus dem Fenster gelehnt. In einem 1/2 Jahr wissen wir mehr.
Bin neugierig .

"An mir kann Facebook nichts verdienen, denn für Werbeeffekte bin ich viel zu wenig drauf. Das gleiche gilt für hunderte Millionen andere Facebook-Nutzer. Am Smartphone ist die Werbung gar nicht zu sehen. "

Ach Unsinn. Auch Ihr Browserverhalten und all die "like"-Buttons die Sie täglich bespitzeln, können natürlich monetarisiert werden. Man muss diese Daten nur an die richtigen verkaufen.
Außerdem, wird ja nichts gelöscht. Wer weiß, was da noch kommt:
Welche interessanten Verhaltensprofile die Analysen von morgen bereitstellen werden und wer bereit ist wieviel dafür zu bezahlen?

So ist es!!!!

Offensichtlich hat Herr Frey das System der "I Like"-IFrames nicht einmal ansatzweise verstanden. Das meine ich nicht böse oder abwertend, weil ja mind. 99% der Facebook-User das System der totalen FB-Überwachung nicht verstehen.

Sätze wie "Facebook weiß mehr von Dir als Deinen besten Freunde" sind kein Scherz, sondern beinharte Realität.

Gute Analyse. Sehe ich auch so.

Blauäugigkeit

Über die Unbedarftheit und Blauäugigkeit der meisten Poster hier kann ich nur lachen - naja, eigentlich sollte man weinen.
Frey hat recht und so wie ich viele hier einschätze werden sie ihm in einem Jahr spätestens nach dem Mund reden.
Der Börsengang war reine Abzocke und hätten nicht die Market-Maker intensivst eingegriffen, wäre der Kurs schon am ersten Tag implodiert.
Allen die anderer Meinung sind mach ich das selbe Angebot wie Zuckerberg: Gebt mir ganz viel Geld, ich kann euch zwar nicht konkret sagen, was ich damit mach, aber ich hab eine Idee gestohlen und die entwickel ich dann halt im Sinne einer besseren Welt weiter.

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