Moskau verbietet erneut Homosexuellenparade

18. Mai 2012, 20:00
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Zwei Verletzte bei Demonstration in St. Petersburg

Moskau - Die Stadtverwaltung von Moskau hat erneut eine "Gay Pride"-Demonstration von Homosexuellen in der russischen Hauptstadt verboten. Wie die Organisation GayRussia am Freitag mitteilte, informierte ein Vertreter der Sicherheitsbehörden die Veranstalter, dass die für Ende Mai geplante Parade wegen der erwarteten "negativen Reaktion in der Gesellschaft" nicht genehmigt werden könne. Die russische Öffentlichkeit werte eine solche Kundgebung als "Provokation", die Kindern und Jugendlichen "moralischen Schaden" zufüge.

Der bekannte Homosexuellen-Aktivist Nikolai Alexejew hatte beantragt, am Sonntag kommender Woche mit bis zu 1.000 Teilnehmern zum Revolutionsplatz am Kreml ziehen zu dürfen. Er sei bereit gewesen, auch jeden anderen Ort zu akzeptieren und auf "Obszönität und Nacktheit" zu verzichten, teilte er über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Alexejew will eine Beschwerde gegen das Demonstrationsverbot einlegen, die Parade zur Not aber auch ohne Genehmigung abhalten. Die Veranstalter bereiteten sich bereits auf "Zusammenstöße" vor.

Brutale Gewalt

Es ist bereits das siebente Mal in sieben Jahren, dass die Moskauer Behörden eine Schwulenparade verbieten. Dennoch abgehaltene Veranstaltungen wurden in den vergangenen Jahren mit teils brutaler Gewalt durch die Polizei aufgelöst und von Fundamentalisten angegriffen.

Im März war in St. Petersburg ein Gesetz in Kraft getreten, das "Propaganda" für Homosexualität und Pädophilie verbietet. Alexejew war Anfang Mai der erste Homosexuellen-Aktivist, der aufgrund der neuen Gesetzgebung verurteilt wurde. Er muss eine Geldstrafe zahlen, weil er in der zweitgrößten Stadt Russland gegen die Diskriminierung von Homosexuellen protestierte.

Bei einer Demonstration gegen das Gesetz wurden am Donnerstagabend in St. Petersburg zwei Menschen verletzt. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, hatte ein junger Mann mit einer Gaspistole auf Demonstranten geschossen. Zwei von ihnen mussten demnach mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus. Den Rund 80 Demonstranten hatten 100 Gegendemonstranten gegenübergestanden. (APA, 18.5.2012)

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