Plech - Der Eigen-System-Erhalter

18. Mai 2012, 18:20
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Porträt eines Immobilienmaklers, der überall dabei und doch nicht zu fassen ist

Wien - Pech, wer Plech heißt. Zumindest im Immobiliensektor. Das dürfte sich die Plech&Co Immobilien GesmbH gedacht haben, die auf ihrer Homepage "darauf hinweisen will, daß wir mit der Firmengruppe des Ernst Karl Plech nichts zu tun haben". Es handle sich um eine zufällige Namensgleichheit, in die Ereignisse rund um Karl-Heinz Grasser und Co sei man nicht involviert.

Ernst Karl Plech hatte schon entspanntere Zeiten. Dementsprechend genervt gab sich der Geschäftsführer der Plech&Plech Immobilienfirma aus Grassers Freunderlrunde bei seiner ersten Befragung im U-Ausschuss. Er entschlug sich bei der ersten Frage und blieb diesem Prinzip treu.

"Ich habe mir nichts vorzuwerfen", sagte er - Erklärungen blieb er schuldig. Plech ist nicht nur in den Buwog-Skandal verstrickt, vor allem die Affäre rund um den Terminal Tower und die Nordbahnstraße könnte ihm Probleme bereiten.

Plech und Haiders Auftstieg

Plech kommt aus einer Leobener Arbeiterfamilie, nach dem Hauptschulabschluss absolviert er eine kaufmännische Lehre. Mitte der Siebzigerjahre tauchte er als Geschäftsführer eines Gürtellokals in Wien auf. Mitte der Neunzigerjahre zieht er sich daraus zurück, konzentriert sich auf Dachbodenausbauten und Immobilien.

Ab den Achtzigerjahren taucht er im Kreis von Jörg Haider auf - während der politisch aufsteigt, knüpft Plech sein Netzwerk. Als Grasser Finanzminister wird, ist Plech in erster Reihe dabei. In den Jahren der schwarz-blauen Regierung übernimmt Plech zahlreiche Aufsichtsratsfunktionen - etwa bei der Bundesimmobiliengesellschaft, der Buwog und der Linzer Wohnungsanlagen GesmbH.

Als sich Grasser im Jahr 2004 daran macht, knapp 60.000 Bundeswohnungen zu verkaufen, soll Plech mitgewirkt haben, damit das Bieterkonsortium rund um die Immofinanz den Zuschlag erhält. Plech bestreitet das.

Die Staatsanwaltschaft vermutet weiter, Plech habe bei den Provisionszahlungen für die Lobbyisten Walter Meischberger und Peter Hochegger in Höhe von 9,6 Millionen Euro mitkassiert. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Informant und Sachverständiger

Hannes Jarolim von der SPÖ sagt: "Das Netzwerk rund um Grasser funktioniert, weil unterschiedliche Spieler unterschiedliche Positionen haben." Plech wäre also der inhaltliche Informant und Sachverständiger. Sich selbst sieht er als unschuldig.

Von Meischbergers Provision habe er erst 2005 erfahren, er sei "entsetzt gewesen", sagt Plech.

Dennoch habe er seinem Freund geholfen. Die Provisionsgelder auf dem Liechtensteiner Konto "Karin" veranlagte er in Immobilien. Er war Treuhänder, Meischberger der wahre Eigentümer. Zeichnungsberechtigt war er nur, weil er Meischbergers "Testamentsvollstrecker" gewesen sei.

Kommenden Dienstag sind Plech, Grasser und Meischberger erneut im Ausschuss geladen. Ob Plech sich wieder häufig entschlagen wird, ist offen. Dabei ist auch "Frequenz und Anzahl der Entschlagungen ein Hinweis auf die Einbindung", sagt Jarolim.(Saskia Jungnikl, DER STANDARD, 19.5.2012)

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    Ernst Karl Plechs Aufstieg ist eng verbunden mit der schwarz-blauen Regierungszeit - der Ausstieg der Freiheitlichen aus der Regierung bedingte bei Plech einen Machtverlust. Abzulesen ist das an der Anzahl der Funktionen, die er innehat - und hatte.

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