Pop im Gasometer für ÖVP "Ritt auf totem Pferd"

18. Mai 2012, 18:48
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Kritik an Zuschuss für Musikschulprojekt

Wien - Gegen neue Musikschulen, auch gegen die Anfang der Woche vorgestellte "Pop-Akademie", hat die Bildungssprecherin der Wiener ÖVP absolut nichts einzuwenden. Im Gegenteil: "Es gibt einen enorm großen Bedarf an Musikschulen", sagt Isabella Leeb. Die Stadtschwarzen haben im Bildungsausschuss dennoch gegen die Einrichtung der Pop-Akademie im Gasometer gestimmt.

Die knapp 1,2 Millionen Euro - nicht rückzahlbarer - Baukostenzuschuss, die die Stadt der GSE, der Betreibergesellschaft der Gasometercity, gewährt, sei, "ein totes Pferd weiter zu reiten", moniert Leeb. Die gesamten Projektkosten sollen nach der Endabrechnung zwischen der GSE und der Stadt im Verhältnis 36 zu 64 aufgeteilt werden.

Der Rechnungshof hatte im Dezember des Vorjahres das Shopping- und Entertainment-Center in Simmering ziemlich zerzaust: Bis Ende 2009 hatten sich die Verluste auf 21 Millionen Euro belaufen. Zwischen 2007 und 2009 konnte nur die Hälfte der Generalmiete von 2,43 Millionen Euro erwirtschaftet werden. Nur weil die Gläubiger Schulden und die Stadt Wien die Stromrechnungen erließen, blieb laut Rechnungshof die Pleite aus. Das 15.000 Quadratmeter große Einkaufszentrum hatte trotz Konzerthalle, Multiplexx-Kino und Anbindung an die U3 nie genügend Kunden angelockt.

Pop-Akademie für Jugendliche ab September

Im Büro von Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) ist man überzeugt, dass das Konzept eines Music-Clusters im Gasometer B aufgehen wird. Ob noch andere Standorte zur Debatte gestanden waren, konnte eine Sprecherin auf Nachfrage des Standard nicht sagen. Doch der Gasometer sei "bestens geeignet", weil das Publikum, das angesprochen werden soll, bereits jetzt wegen der "Klangfarbe", Österreichs größtem Musikgeschäft, und zu Konzerten in den Gasometer komme.

Ab September sollen nun in der Pop-Akademie Jugendliche eine professionelle Ausbildung erhalten. Dazu werden unter anderem Tonstudios und eine eigene Konzertbühne eingerichtet. Geleitet wird die Ausbildung von der Johann-Sebastian-Bach-Musikschule der Diakonie. "Eine hervorragend Musikschule", sagt Leeb. Die Förderung an diese Einrichtung in der Höhe von 90.000 Euro ist für die ÖVP-Politikerin trotzdem nur ein "Deckmäntelchen", um die Gasometer City am Leben zu erhalten. (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD, 19./20.5.2012)

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