Wochen des Sehnens

18. Mai 2012, 17:16
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Und die eigene Sehnsucht nach guten TV-Programmen wird dabei auch einmal gestillt

Der Wunsch nach Erfüllung ist eine Definition von Sehnsucht. Der Kick, der einen zwingt, immer wieder neue scheinbare Erfüllung zu finden - wodurch auch immer - eine Definition für Sucht. In der 3sat-Themenwoche Sehnsucht ist genug Raum für eine qualitativ hochwertige Auseinandersetzung mit beiden Phänomenen, auf psychologischer und philosophischer Ebene.

Dass Sehnsucht eine Form von Sucht ist, die in voller Ausprägung auch lebensgefährlich werden kann, arbeiteten Wilma Pradetto und Eberhard Rühle in ihrer Dokumentation SehnSucht, die am Donnerstag ausgestrahlt wurde, subtil heraus. Fünf Menschen wurden porträtiert, deren Dasein um höchst unterschiedliche Sehnsüchte kreist: Zwei Teenager, die in der unerreichbaren Romantik der Twighlight-Filme aufgehen, oder Markus, der von der Idee besessen ist, die Welt zu verbessern, Hilfsprojekte in Madagaskar organisiert und dabei vielleicht ein bisschen auf sich selbst vergisst.

Wirklich dramatisch ist die Geschichte einer koabhängigen Frau, der es schwer, aber doch gelingt, sich von ihrem drogensüchtigen Mann zu trennen, und jene von Nancy, die mit allen Mitteln schwanger werden will. Als sie endlich ein Baby zur Welt bringt, lässt der "Kick", ein eigenes Kind zu "besitzen", was mit Liebe nicht zwingend ident ist, nach drei Jahren nach. Die Sehnsucht am Rande der Depression beginnt erneut.

Es macht die Besonderheit der Doku und des Programms während der ganzen Woche aus, dass auch (Sehn-)Süchte wie jene Nancys, die auch einfach nur unter "Kinderwunsch" laufen könnte, entlarvt werden. Und die eigene Sehnsucht nach guten TV-Programmen wird dabei auch einmal gestillt. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 19./20.5.2012)

  • "Intoxicating - Pures Gift" am Freitag, 18. Mai, 22.25 Uhr auf 3sat
    foto: 3sat/ard/degeto

    "Intoxicating - Pures Gift" am Freitag, 18. Mai, 22.25 Uhr auf 3sat

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