Raoul Wallenberg möglicherweise aus "recht banalem" Grund verhaftet

18. Mai 2012, 16:38
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Schwedischer Diplomat und Gerechter unter den Völkern könnte für einen Schmuggler von Nazi-Gold gehalten worden sein

Stockholm - Der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg hatte 1944 im von den Nazis besetzten Ungarn Tausende Juden vor dem Abtransport in die Vernichtungslager gerettet. Von der Gedenkstätte Yad Vashem wurde er dafür 1966 als Gerechter unter den Völkern geehrt - ohne dass Klarheit über sein weiteres Schicksal herrschte. Denn nach dem Einmarsch der Roten Armee war Wallenberg im Jänner 1945 von Sowjettruppen festgenommen worden und später verschwunden.

Die Sowjetunion und später Russland hatten stets erklärt, Wallenberg sei 1947 in sowjetischer Haft gestorben. Ein Beweis dafür wurde aber nie vorgelegt - bis in die 80er Jahre hinein gab es immer wieder unbestätigte Meldungen, dass Wallenberg noch am Leben sei. Anfang des Jahres setzte Schweden eine Arbeitsgruppe ein, die erneut das Schicksal Wallenbergs aufklären soll. 

Der mögliche Anlass

Wie es überhaupt dazu kam, dass Wallenberg 1945 verhaftet wurde, dafür könnte es gemäß einer dieser Tage erscheinenden Biografie einen "recht banalen" Grund gegeben haben - so drückte es jedenfalls der Autor Bengt Jangfeldt gegenüber der Tageszeitung "Svenska Dagbladet" aus. Laut Jangfeldth habe Wallenberg nämlich mindestens 15 Kilogramm Gold und Schmuck in seinem Auto gehabt, als er von der Roten Armee festgenommen wurde. Die Sowjets könnten angenommen haben, dass es sich dabei um Nazi-Gold gehandelt habe, das Wallenberg vor der Roten Armee in Sicherheit bringen wollte.

Bei dem Gold und Schmuck habe es sich um den Besitz von Juden gehandelt, denen Wallenberg geholfen hatte, und die ihm ihre Wertgegenstände zur Aufbewahrung überlassen hätten, schreibt Jangfeldt in dem Buch "Raoul Wallenberg - en biografi" ("Raoul Wallenberg- eine Biografie"). "Ebenso wie er das Leben der Juden rettete, wollte er ihre Wertsachen retten. Das war ein logischer Teil der Rettungsaktion. Er glaubte, die Wertsachen wären in Schweden sicherer als in Budapest", sagte Jangfeldt. Genau dies könnte Wallenbergs verhängnisvoller Fehler gewesen sein, so der Autor. (APA/red, derStandard.at, 18.5.2012)

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