Sag mir deine Uni und ich sag dir, ob du zahlst

Kommentar18. Mai 2012, 16:30
141 Postings

Willkürliche Studiengebühren sind für die Studierenden unerträglich

Österreichs Hochschulpolitik treibt dieser Tage besonders bunte Blüten. Nachdem sich die Regierung seit Jahren nicht darauf einigen kann, ob Studiengebühren eingehoben werden sollen oder nicht, hat Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle diese Entscheidung auf die Unis abgewälzt. Nach und nach trudeln nun Meldungen über die Abstimmungen in den Uni-Senaten ein. Von 21 Unis haben sich bisher fünf für Studiengebühren entschieden. Die Mehrheit hat mit dem Verweis auf Rechtsunsicherheit darauf verzichtet.

Unübersichtliche Situation

Für die Studierenden ist diese Situation unerträglich. Zuerst haben alle Studiengebühren gezahlt, dann nur manche, zurzeit zahlt niemand. Ab Herbst werden an einigen Unis bestimmte Studierende Gebühren zahlen müssen. So weit, so unübersichtlich. Zumindest halten sich (bisher) jene Unis, die Gebühren einführen, an die alte Regelung: Nämlich Gebühren in der Höhe von 363,63 Euro für Langzeitstudenten und Studierende aus Drittstaaten zu verlangen. Aber auch das kann sich noch ändern.

Die Qualität sinkt

Die Konsequenzen der Entscheidungen für oder gegen Studiengebühren sind bisher nicht absehbar. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Studenten aus dem Ausland vor allem an jene Unis gehen, für die sie nichts bezahlen. Manche Rektoren haben zudem Befürchtungen geäußert, wonach Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle die Unis mit finanziellen Zuwendungen belohnt, die von ihm gewünschte Gebühren einheben. Für die Studierenden heißt das, dass die Betreuungssituation an ihrer Uni noch schlechter wird, wenn dort keine Beiträge verlangt werden. Das liegt wohl im Sinne des Ministers.

Die Rechtmäßigkeit autonom eingeführter Gebühren ist keineswegs geklärt, die ersten Studenten haben ihre Klagen bereits beim Verfassungsgerichtshof eingereicht. Sollte der entscheiden, dass Studiengebühren, die von Unis beschlossen werden, gesetzwidrig sind, werden die Studenten in Österreich wiedermal nichts für ihr Studium zahlen und es heißt: Zurück an den Anfang. (Lisa Aigner, derStandard.at, 18.5.2012)

Share if you care.