Auf der Spur eines illegitimen Begehrens

Bert Rebhandl
18. Mai 2012, 17:34

"Outing" und "Stillleben" - Ein Dokumentar- und ein Spielfilm nähern sich dem Thema Pädosexualität

Wien - Sven, ein junger Deutscher, hat ein Geheimnis. Er liebt Jungen. Sie sind eigentlich gar nicht so viel jünger als er, aber zwischen ihnen verläuft eine Grenze, die nicht zuletzt durch das Gesetz festgelegt ist. Es gibt ein Schutzalter, das alle Beteiligten erreicht haben müssen, damit sexuelle Begegnungen zulässig sind. Das ist eine Festlegung, die den individuellen Umständen nicht immer perfekt Rechnung tragen mag, doch sie zeigt auf, dass es hier um eine allgemeine und nicht nur um eine persönliche Frage geht.

Der Schutz der kindlichen Sexualität und das Verbot des Inzests liegen nahe beisammen, sie bilden einen Problemkern menschlicher Gesellschaft seit den frühesten Tabubildungen. Und als ginge es um eine Untersuchung dieses Pro blemkerns in unserer Gegenwart, hat der Regisseur Sebastian Meise fast gleichzeitig zwei Filme gemacht, die so viel wie möglich davon in den Blick zu bekommen versuchen.

Outing (Ko-Regie: Thomas Reider) ist ein Dokumentarfilm, in dem Sven sein Geheimnis lüftet. Stillleben ist ein Spielfilm, in dem eine Familie mit einem Geheimnis konfrontiert wird. Die Filme kommentieren einander, bilden den seltenen Fall eines reflexiven "Double Features", in dem es auch entscheidend um Fragen der Erzählbarkeit des Illegitimen geht.

An Outing verblüfft zuerst einmal der Freimut, mit dem Sven von sich erzählt. Er erzählt, wie er einen "Basketballjungen" auf einem Spielplatz verehrt, ihn heimlich fotografiert hat, wie er generell immer wieder den Kontakt zu Kindern sucht und auch findet, und wie er versucht, dabei selbst die Grenze zu finden, die ihm durchaus bewusst ist. Doch es zeigt sich auch, dass er diese Grenze hinausschiebt - ist das unbemerkte Fotografieren nicht schon eine Verletzung der Schutzzone?

Im Gespräch mit einem älteren Mann wird deutlich, welche Belastung auch für die potenziellen "Täter" in ihrer sexuellen Prägung liegt. Und als schließlich auch noch Svens Familie Stellung nimmt, wird der nicht therapierbare Rest erkennbar, der in der Identität selbst liegt. Sven wäre nicht mehr er selbst ohne dieses Begehren. Gefängnis, Kastration, all die Varianten, die das Ressentiment für ihn bereithält, sind längst in seinen eigenen Gedanken präsent. Er versucht sich selbst einzusperren in einer Lebensform, in der er sich kleine Spielräume zu nehmen versucht, ohne dass er jemanden zu Schaden kommen lassen würde.

Modellhafte Geschichte

In dem Spielfilm Stillleben steht ein Familienvater im Mittelpunkt, der gut und gern als der ältere Gesprächspartner aus Outing erscheinen könnte. Doch dies ist eine erfundene Geschichte, erfunden auf Grundlage langer Recherchen, aus denen auch Outing hervorgegangen ist, und damit so "erfunden", wie eine modellhafte Geschichte eben fiktiv ist und doch von der Wirklichkeit gedeckt. Dieser Mann sucht in Wien eine Prostituierte auf, mit der er einen inzestuösen Verkehr mit seiner Tochter "spielt" oder "nachspielt". Durch Zufall erfährt sein Sohn Bernhard davon und löst in seiner Verstörung in der Familie ein Drama aus, das nicht zuletzt dadurch an Schärfe gewinnt, dass es eine eigentlich glückliche Familie ist, die hier zerbricht.

Wie in Outing steht auch in Stillleben die Schwelle zwischen ausgelebter und eingehegter Sexualität im Zentrum. Bernhard geht unwillkürlich davon aus, dass sein Vater sich an seiner Schwester vergangen hat. Doch es könnte auch sein, dass er das vermieden hat, dass er in Wien eine Ersatzinszenierung für sein nicht legitimes Begehren gefunden hat. Diese Ungewissheit wird in Stillleben durchgearbeitet, mit einer Geduld, die manchmal an Begriffsstutzigkeit zu grenzen scheint.

Doch dann findet Sebastian Meise ein überzeugendes Bild für die Not der Subjektivität, die das "gesunde Volksempfinden" oft nicht wahrhaben will. In einem Land, das Wolfgang Priklopil und Josef Fritzl hervorgebracht hat, ist es mehr als angebracht, die Frage der illegitimen Sexualität, die immer auch eine der sexuellen Gewalt ist, auf einem komplexeren Niveau zu verhandeln, als es im Alltag zumeist geschieht. Die zwei Filme von Sebastian Meise tun dazu das Nötige in der jeweils richtigen Form. (Bert Rebhandl, DER STANDARD, 19.5.2012)

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es gibt Leute die sind so einfältig

Die lesen hier über Pädophile und denken sofort Kinderschänder. Dabei werden die Mehrzahl der Taten von Kindesmissbrauch nicht einmal von Pädophilen begangen.

Dabei werden die Mehrzahl der Taten von Kindesmissbrauch nicht einmal von Pädophilen begangen.

Kindesmissbrauch ist pädophil !

Was reden Sie für Blödsinn ?

Da kann ich gleich sagen " Nicht alle Menschen die andere umbringen sind Mörder "
Natürlich sind sie Mörder, sie haben ja wen umgebracht.

Blöder Vergleich

Mord ist nicht gleichzusetzen mit
-Totschlag
-Unfall mit Todesfolge
-Tötung auf Verlangen
-....

manche blödmänner erkennt man schon durch die usernamen.

zu ihrem Mörderbeispiel

es gibt Soziopathische Mörder, es gibt Mörder die keine Soziopathen sind und Soziopahten die keine Mörder sind. Verstanden?

informieren sie sich bitte

Idee

Hab unter www.facebook.com/STILLLEBENderFilm Diskussionsveranstaltungen zu den Filmen gefunden: Prävention als Opferschutz? Persönlichkeitsrechte? Wo beginnt Schuld? Könnte man das hier also ausweiten...

Hauptsach dieses Pressefoto ist jetzt nicht "Sexismus".

Wann ist Sexismus Sexismus, wenn er der Werbung für ein Produkt dient?

Es gäbe weit weniger sexistische Pressefotos für den Film.
Auf der einen Seite Zitronen für eine herbeifantasiert sexistische Eismarillenknödelwerbung verteilen, auf der anderen die unbusige Sängerin als Magnet für den Film oder eher den Artikel abbilden.

Scheinheiligkeit.

?

Sexistisch? Unbusig? Magnet?
So sehen also politisch korrekte Männerfantasien aus.

Was ist an dem Foto bitte sexistisch?

Abgesehen davon ist es kein Werbesujet sondern aus dem Film.

könnt ihr wenigstens das kultur ressort von euren stammtisch postings verschonen? gehts ins panorama ressort und wütet dort gegen den türken, der bei rot über die straße gegangen ist, aber nervt uns nicht auch noch beim feuilleton.

Genau darum gehts ja! Die Kunst und Kultur hat schon immer gesellschaftliche Veraenderungen vorweggenommen und vorangetrieben. Heute sind solche Sachen noch im Kulturresort, in ein paar Jahren, wenn die Paedophilen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, werden wir das bei "Events" oder "Lifestyle" finden.

Ich sags Euch, irgendwann, wenn das so weiter geht, werden wir "Paedo-Pride" Umzuege und dergleichen erleben.

wie alt sind sie? älter als vladimir nabokovs "lolita" (1955)?

künstlerische reflexionen über pädophilie sind schon längst erlaubt, weil man sich diese künstlerische freiheit in einer DEMOKRATIE erlaubt.

Lang leben die Rotstricher!

Die Rotstricher hier denken offenbar, dass es den Kindern Spaß macht, gefickt zu werden, hä?

Sven geht zur Therapie und versucht so seine pädophile Neigung in den Griff zu bekommen. Er weiß, dass die Gefühle die er für Kinder verspürt falsch sind und die Therapie soll ihm dabei helfen diese nie auszuleben. Eigentlich müsste man sich wünschen, dass andere Pädophile sich Sven als Vorbild nehmen.
Sie verfolgen aber wohl eher den Ansatz: "Augen zu, denn was ich nicht sehe das existiert auch nicht".

Das ist für mich schon klar, was da der Ansatz ist und das ist in Ordnung. Ich bin auch dafür dass man Pädophile registriert und dann mit ihnen arbeitet und nicht sie unerkannt, anonym und sich selbst (und ihren Neigungen!) überlassen lässt. Ich stosse mich nur an etwas was neuerdings ein Trend zu sein scheint - das Wort "Pädophilie" mit "Pädosexualität" zu ersetzen und damit Pädophilie nicht als Störung und Krankheit sondern als eine weitere alternative Form von Sexualität einzustufen. Also normal, nur anders. Einer der Poster hier hat es schon als "gesellschaftliche Veränderung" beschrieben und mein Posting ob der Kleingeistigkeit und der "Angst vor gesellschaftlichen Veränderungen" bezichtigt. DAS ist beängstigend.

Als ob Mitgefühl "durchzusetzen" wäre.

Sie sind ein Demagoge.

Und: Wen interessiert ein "Sven"?

Ich nehme an alle die hier diskutieren. Sie mit eingeschlossen. Schließlich ist er die Hauptperson in dem Film über den Sie sich so furchtbar aufregen.

Kinderschänder sind der letzte Abschaum der Gesellschaft, und wenn westliche Demokratien ernsthaft "Pädos" auch nur auf irgendeine Art legitimieren, dann werden die Begriffe Demokratie und Menschenrechte völlig falsch und verdreht verstanden.

hier gehts aber nicht um "kinderschänder"

Mhm,

weil die Definitionsmacht über "Demokratie" und Menschenrechte haben Sie und andere, die so denken wie sie, stimmt's?

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