Was sich in unserem Hirn tut, wenn wir grübeln

Wenn die Gedanken um ein Thema kreisen, geschieht dies "in einem sprachähnlichen Format"

Berlin - "Intrusive Gedanken" werden in der Psychologie solche genannt, die Erlebnisse aus der Vergangenheit wieder an die Oberfläche bringen und zur erneuten Beschäftigung damit zwingen. Manchmal können die unerwünschten Gedanken nicht mehr abgestellt werden - etwa wenn die betroffenen Menschen depressiv sind oder unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden.

Doch auch gesunde Menschen können in schwächerem Maße davon betroffen sein, dass ihre Gedanken um ein bestimmtes Thema kreisen - und "grübeln", wie das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung schreibt. Forscher des Instituts sind der Frage nachgegangen, was im Kopf von Menschen vor sich geht, die besonders häufig zum Grübeln neigen. In einer im Fachmagazin "Social Cognitive and Affective Neuroscience" veröffentlichten Untersuchung kommen sie zum Schluss, dass Grübeln mit einer höheren Aktivität in denjenigen Hirnregionen einhergeht, die für die Sprachproduktion zuständig sind.

Die Studie

In der lang angelegten Kognitionsstudie"COGITO" wurden jüngere (20 - 32 Jahre) und ältere Probanden (65 -8 0 Jahre) in 100 Sitzungen über einen Zeitraum von sechs Monaten zum Ausmaß ihres Grübelns an jenen Tagen befragt. Diese Daten wurden als Tendenz zum Grübeln gemittelt und mit der Hirnaktivierung der jeweiligen Probanden während einer kognitiven Aufgabe vor und nach den sechs Monaten in Verbindung gebracht.

Die Erstautorin der Studie, Simone Kühn, berichtet von den Ergebnissen: "Es zeigte sich, dass Probanden mit einer ausgeprägten Tendenz zum Grübeln eine stärkere Aktivität in bestimmten Hirnregionen während der Pausen zwischen den kognitiven Aufgaben aufwiesen." Diese Hirnregionen, in denen Grübler stärkere Aktivität zeigten, der linke inferiore frontale Gyrus und der cinguläre Cortex, seien bisher vor allem mit gesprochener Sprache oder mit stiller innerer Rede und mit Konflikten in Verbindung gebracht worden, so Kühn weiter.

Aus diesen Befunden leiten die Wissenschafter ab, dass Grübeleien bzw. intrusive Gedanken, die sich nicht abstellen lassen, in einem sprachähnlichen Format ähnlich der inneren Rede Ausdruck finden. (red, derStandard.at, 20.5.2012)

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