Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Manuel Hoffelner alias 'Manix' und Lukas Plöchel, Vertreter Österreichs beim heurigen Song Contest, in Baku.
Unser Autor Tex Rubinowitz weiß auch schon, wer 2012 gewinnen wird.
Nun, da die letzten Philister endlich auch mal erkannt haben müssten, dass es zu kurz greift, den Eurovision Song Contest pauschal als schnöde Schnulzensause zu verdammen, die zwar bekanntlich mehr Seher verfolgen als ein Fußball-WM-Endspiel, deren Connaisseure sich aber offenbar, so lautet das Vorurteil, nur aus unverbesserlichen Distinktionswirrköpfen rekrutieren, kann man vielleicht etwas entspannter eine neue Phase beleuchten, in die diese wunderbar anachronistische soziale Schlagerskulptur nun tritt.
Denn einen Songcontest gibt es nicht. Er ist über die Jahrzehnte einem fortwährenden Wandel unterworfen, er bewegt sich wie ein Organismus oder Kremaster, der ständig in Bewegung gehalten wird, neue Länder kommen dazu, alte pausieren, andere kommen wieder zurück, Moden und Stile wechseln, dann und wann braucht es eine kleine oder größere Zäsur mit anschließender Neuordnung.
Hartleibige Defätisten wollen all das aber dennoch nicht sehen, sie glauben, man könne ein vermeintlich starres Ungetüm nur mit künstlerischen Kriterien bewerten, das Ganze hätte keinen Stil, sei grotesk aufgeblasen, schiele nach Welteroberung, wobei es regelmäßig scheitere, und könne sowieso allenfalls nur ironisch gebrochen konsumiert werden.
Nun wirft man einem Ameisenhaufen oder Myzelgeflecht auch nicht Mangel an Stil oder Hang zum Kitsch vor, es geht um das große Ganze, das für einen Abend Konstruierte, das so tut, als gäbe es ein einiges Europa, das zudem auch noch ein bisschen über den Teller hinausragt, etwa nach Aserbaidschan, so weit die Tentakel der Mitgliedsländer der EBU (European Broadcasting Union, ein Zusammenschluss von derzeit 74 Rundfunkanstalten in 56 Staaten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens) eben reichen.
Im Laufe der Zeit haben sich immer wieder einzelne Länder gegen die Teilnahme am Eurovision Song Contest entschieden, teils aus Protest, teils aus Desinteresse oder wegen kurzfristiger Probleme. 1969 blieb Österreich dem Wettbewerb in Madrid aus Protest gegen die in Spanien herrschende Franco-Diktatur fern. Ein Jahr später nahmen Finnland, Norwegen, Portugal, Schweden und Österreich nicht teil, da sie mit den Abstimmungsmechanismen der letztjährigen Veranstaltung, bei der es vier Sieger gab, unzufrieden waren. Österreich schmollte noch einmal von 1973 bis 1975 in Absenz sowie von 2006 bis 2010, und gilt seitdem als launischste Nation der EBU.
Mit Tunesien (1977) und dem Libanon (2005) standen zwei arabische Länder jeweils kurz vor der Teilnahme, zogen diese jedoch wieder zurück. In beiden Fällen war die gleichzeitige Teilnahme Israels ein Grund für die Absage. Das insgesamt fünfmal siegreiche Luxemburg nimmt seit 1994 aus mangelndem Interesse nicht mehr am Wettbewerb teil. Italien war dagegen nur 14 Jahre absent, um dann bei der Rückkehr vergangenes Jahr prompt Vizesieger zu werden. Andorra meldete sich gleich ganz aus der EBU ab, aus wirtschaftlichen Gründen, nicht auszudenken, wenn der Pyrenäenzwerg gewönne, er müsste sich auf Jahre hinaus verschulden, um die nächste Fête ausrichten zu können.
Stil- und Modefragen
Liechtenstein hingegen, mit reichlich geparktem Fremdkapital gepolstert, hat es aber heuer über die Vorausscheidung in der Schweiz versucht, mit einem auf Spanisch gesungenen Lied, ist aber gescheitert, vielleicht war diese Kuckuckseitaktik selbst den Schweizern nicht ganz geheuer.
Man kann den EBU-Raum grob in drei Zonen einteilen, da ist zum einen das alte oder das erste Europa, nach dem Fall der eisernen Gardine kam der Balkan und der Osten dazu, zwei durch permeable Membrane symbiotisch miteinander verbundene Unterzonen, die sukzessive immer mehr wuchsen und ineinander zu einer Zone zusammenwucherten, wozu es zu neuen, interessanten Allianzen und ästhetischen Angeboten kam, und die dritte Kraft ist nun Eurasien, nicht mehr marginalisierbar infolge des Siegs Aserbaidschans im vergangenen Jahr.
Zur eurasischen Gruppe werden natürlich die Türkei, aber auch Israel und Griechenland gezählt, denn Griechen sind Türken, die sich für Italiener halten. Durch die Ausdehnung des EBU-Raums nach Südosten und die Einschränkung der Macht der nationalen Jurys (die nur noch 50 Prozent der Punkte vergeben, die andere Hälfte kommt aus dem Volk) verlor das erste Europa seine Vormachtstellung und musste sich in musikalischen Stil- und Modefragen dem neuen Europa beugen, riesige Migrantengemeinden stillen nun qua Telefonabstimmung aus der westlichen Diaspora heraus ihr Heimweh, indem sie ihre patriotische Loyalität beweisen.
Alexander Rybak, der 2010 für Norwegen gewann, ist ein exilierter Weißrusse, die Gewinnerin des Folgejahrs, Lena Meyer-Landrut, ist Enkelin des deutschen Diplomaten Andreas Meyer-Landrut, der viele Jahre deutscher Botschafter in Moskau war und eine Schlüsselstellung bei der Annäherung zwischen dem Westen und der sowjetischen Führung unter Michail Gorbatschow während der Perestroika einnahm. Sein Buch Mit Gott und langen Unterhosen. Erlebnisse eines Diplomaten in der Zeit des Kalten Krieges ist im gesamten Ostblock Schullektüre.
Die finnischen Monsterrocker Lordi siegten fünf Jahre vor Lena, weil der über viele Jahrzehnte die Ästhetikwünsche einer großteils schwulen Klientel bedienende Wettbewerb sich nun plötzlich durch die Ostöffnung mit einer ganz neuen Semiotik konfrontiert sah, hier war eben das inzwischen ausgeleierte Glamourrepertoire, das im alten Europa aus paillettenbestickten Trickkleidern, dem fliederfarbenen Laméanzug (Thomas Forstner) und der Federboa bestand, jetzt die Gruselmaske und das Kunstblut, eine schrille Zäsur, im Osten galt und gilt eben diese Ästhetik als der flamboyante Inbegriff dessen, was wir "camp" nennen, eine stilistisch überpointierte Art der Wahrnehmung kultureller Produkte, die am Künstlichen und der Übertreibung orientiert ist, auch so wurde unmissverständlich die Neuordnung Europas eingeläutet.
Und das alte rezessionsgebeugte Europa ist gar nicht mal so unfroh, dass das teure Song-Contest-Vehikel weiterwandert, es bleibt ihm ja erhalten, indem es für die neuen Länder die Songs liefert, das Lied der Aserbaidschaner schrieb ein Schwede, jenes für Lena ein Däne, eine Art subkutaner Kolonialismus also. Man braucht sich nicht allzu weit aus dem Fenster zu lehnen, um jetzt schon prognostizieren zu können, dass nächste Woche, am 26. Mai, in Baku die Türkei gewinnen wird, ein Land im Herzen Eurasiens, ein sogenannter Tigerstaat, eine wirtschaftlich prosperierende, hungrige Nation, bewundert von der Region, mit treuen Migrantenverbänden im Ausland. Ihr Kandidat: Can Bonomo, dessen Familie sephardischen Juden entstammt, die vor der spanischen Inquisition im Osmanischen Reich Zuflucht fanden, also auch hier taucht das alte Europa als Zitat wieder auf.
Und im nächsten Jahr wird die EBU um eine vierte Zone erweitert, zunächst um Turkmenistan, Kasachstan und Iran (es kommt, dank Lena Meyer-Landruts diplomatischer Vermittlung, zur Aussöhnung mit Israel, Mahmud Ahmadi-Nejad selbst - Chefsache - sitzt in der TV-Jury für "Unser Star für Alma Ata").
Brachliegende Ressourcen
In der nächsten Phase zieht der Tross dann weiter nach China. China-Pop ist von jeher eine markerschütternd grelle Version von dem, was wir unter volkstümlicher Musik verstehen, nach Art der Kastelruther Spatzen, alles aber auch immer wieder mit Hard rockelementen à la Scorpions unterfüttert (Mash-up-Verfahren), das alte Europa spielt jetzt außer musikalischen Zitaten überhaupt keine Rolle mehr, die Songs schreiben in erster Linie Syrer. Nach dem Sturz Assads kristallisiert sich eine ehrgeizige Songschreibernation heraus, die weltweit ihresgleichen sucht.
Und als letzte Phase biegt der Songcontest nach Süden ab, nimmt kurz Vietnam, Malaysia, Singapur, die alten Tigerstaaten, überspringt nach diesem Intermezzo Papua Neuguinea, um am Ende, wie von einer unsichtbaren Hand gelenkt, in Australien und Neuseeland zu landen und dortzubleiben. Jetzt ist das alte Europa im neuen alten Europa angekommen, der Kreis schließt sich, Länder, die schon immer ganz verrückt nach Abba waren und es nach wie vor sind, sind es bekanntlich auch nach dem Songcontest, den sie aber bisher immer nur zeitversetzt zu sehen bekamen.
Rund 92 Prozent der australischen Bevölkerung sind europäischer Abstammung, brachliegende Schlagerressourcen. Insbesondere große Einwanderergruppen aus Italien, Deutschland, Griechenland, Polen und Exjugoslawien, die sich wiederum vor allem aus Kroaten, Serben und Mazedonier zusammensetzen. Nun haben sie ihn endlich vor der eigenen Tür, und sie geben dem E im ESC die Bedeutung und Identität zurück, die auf dem langen Weg hierher irgendwo verlorenging, weil die vielen Auswanderergemeinden (allein 357.703 Griechen), teilweise noch in der zweiten und dritten Generation, ausschließlich ihre alten Sprachen sprechen oder zumindest pflegen wie ihre Bräuche, zu denen jetzt auch der Songcontest gehört.
Und so ist der Wettbewerb im 60. Jahr seines Bestehens (2016) nach langer Odyssee endlich wieder zu Hause. (Tex Rubinowitz, Album, DER STANDARD, 19./20.5.2012)
Der 57. Eurovision Song Contest findet am 22., 24. und 26. Mai 2012 in Aserbaidschans Hauptstadt Baku statt.
Tex Rubinowitz, geb. 1961 in Hannover, lebt seit 1984 als Schriftsteller, Musiker und Zeichner in Wien. Gerade erscheint bei Rohwolt "Rumgurken. Reisen ohne Plan, aber mit Ziel" (2012).
Loreen siegt mit dem Song Euphoria - derStandard.at berichtete live
Österreich kam im 1. Halbfinale auf Platz 18 - Schweden gewann den Eurovision Song Contest in Baku
EU-Parlament fordert Stopp der Medien-Repression - Führung in Baku warnt vor "politisierten Aktionen"
Schweden mit Rekordsieg, Anke Engelke richtet schöne Grüße aus. Und dann ist da noch die Sache mit der Meinungs- und Pressefreiheit. In einem sehr gastfreundlichen und schönen Land.
Rona Nishliu aus Mitrovica tritt beim Eurovision Song Contest in Baku an
Favoriten Schweden, Norwegen und Serbien erwartungsgemäß weiter - Riege der 26 Teilnehmerländer fürs Finale am Samstag steht
Oberösterreicher verpassen bei Auftakt des Showreigens in Baku das Finalticket
Glücklose Teilnehmer hatten bisher zumindest eine Gewissheit: Wo es nichts zu holen gibt, dort muss man auch nicht singen
Österreichs Song-Contest-Vertreter Trackshittaz sind im Semifinale gescheitert - derStandard.at berichtete live
Lukas Plöchl & Manuel Hoffelner (Trackshittaz) fahren nach Baku
Britischer Beitrag "Love Will Set You Free" wurde vorgestellt
Die Buranowskije Babuschki setzte sich gegen Popstar Dima Bilan durch - Armenien sagt indes Teilnahme am Song Contest ab
Irland führt mit sieben Siegen klar vor Frankreich, Großbritannien und Luxemburg mit je fünf Triumphen
Schnulzensänger wird mit 76 Jahren der älteste Interpret beim Song Contest überhaupt sein
Ein Sieg, vier letzte Plätze, 2007 Vorletzter im Semifinale
Conchita Wurst landete auf Platz zwei - und zeigte sich dennoch versöhnlich
Teilnahme an Mitgliedschaft bei der Eurpean Broadcasting Union gebunden
Die Mühlviertler setzten sich im Österreich-Finale gegen Conchita Wurst durch - derStandard.at kommentierte live
Für San Marino produzierter Titel hätte sonst nicht antreten dürfen
Kabarettistenduo kommentierte nach zehn Jahren erneut pointiert den Song-Contest-Abend - Sammlung der besten Sager
wenn die beiler mal derartig gut singen kann, darf sie sich wieder melden! (link siehe unten - Aiste) bisweilen soll sie bitte weiterhin in der versenkung bleiben - wie alle möchtegern AT-casting produkte. die stürmer bleibt eine ausnahme - obwohl auch von ihr kaum noch was gscheites kommt.
Aiste - Strazdas
http://www.youtube.com/watch?v=WUiqlQ7QGzo
aiste zeigt hier was gute stimme + melodie ausmachen können.
da brauch ich keine 0815-"pop"-balladen mehr.
Das ist gar nicht "unfair", weil die Leistung der Sängerin nicht zählt. Ist ja schließlich kein Sängerwettstreit. Auf den Song kommt es an, und der war halt schnarchlangweilig. (Drum hätte wir es ohne die Jury-Punkte nichtmal ins Finale geschafft.)
ich glaube Österreich wird gar nicht so schlecht abschneiden, sie kommen ins Finale, und dann sowas wie 8. Platz, weil die Ästhetik der Trackshittaz, rurale Rüpelparolen, Frauen wackeln mit ihren Steißen, in manchen Regionen eben gut ankommen.
Ja.... aber die "ruralen Rüpelparolen" (die aus meiner Sicht zu den wenigen Stärken des Songs zählen) kommen halt außerhalb Österreichs nicht so an - der portugiesische Fischer versteht die nicht.
Was das Frauengewackel betrifft - ob da nicht die halbnackten Tänzer von Anggun die Zielgruppe besser bedienen? Außerdem ist das nun mal kein Alleinstellungsmerkmal, und Pasha-"This trumpet makes yo my girl"-Parfeny bringts international verständlicher rüber. :)
dieses lied von aiste ging mir nach dem ersten mal hören nie mehr aus dem kopf. meiner meinung ist ihr beitrag der beste aller zeiten was den songcontest betrifft.
melodie + stimme erste sahne!
http://www.youtube.com/watch?v=WUiqlQ7QGzo
Thomas Forstner - Nur ein Lied (Komponist: Dieter Bohlen!!) (5. Platz)
http://www.youtube.com/watch?v=RmE6XdVShvw
Tony "Handtaschlfladdara" Wegas "Zusammen geh'n"
http://www.youtube.com/watch?v=H... re=related
zwei astreine schlager!
abgesehen von jürgens mit merci cherie meine beiden all-time-favoriten bz. österreich/songcontest.
nachdem österreich kein "pop"-land ist sollte man es weiterhin mit schlagersongs versuchen.
alles andere geht peinlich in die hose (siehe rounder girls, bobbie singer, manuel ortega etc.).
pop mässig haben wir in der welt nichts zu bestellen!
opus und falco waren die grossen und einzigen ausnahmen.
Sind Sie auch so einer, der glaubt, man könne zwischen Schlager und Pop unterscheiden? Österreich hat keine lebendige Unterhaltungsmusik-Szene. DJ Ötzi hat es irgendwie geschafft, aber das ist halt die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Daß Sie als Beispiele für angeblich gelungene österreichische Beiträge ausgerechnet auf Bohlen-Nummern zurückgreifen müssen, bestätigt mich noch einmal. Trotzdem sind die beiden genannten Sind halt völlig uninteressant und langweilig. Würden die heute 110 Millionen Zuseher an die Telefone locken? Nein.
Um zunächst die Frage direkt zu beantworten: Gabalier kenn ich zu wenig; von dem kenn ich nur diesen einen Song, mit dem er sich seit gefühlten 1 1/2 Jahren in den Verkaufs-Charts hält (was ich bewundere). Zu Nockalm-Quintetten und Co fehlt mir der Zugang, da hab ich einfach mal keine Meinung. Auch das muß man sich mal gönnen. :)
In den Kontext paßt die Frage IMHO aber nicht so ganz, weil diese volkstümliche Musik wirklich eine eigene Sparte ist, die auch sehr abgeschlossen vom restlichen Markt existiert. (Wobei... Gabalier... reden wir in 3 Jahren nochmal, wie sich der entwickelt. Der fällt vom Marketing-Konzept her auf, selbst wenn man die Musik nicht kennt.)
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.