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vergrößern 649x800Concetto spaziale - Attese: Mit seinen Perforationen öffnete Lucio Fontana Räume und avancierte die Leinwand zur Skulptur: 1968 entstand diese, die nun im Dorotheum versteigert wird.
vergrößern 896x284Das Jahr 1949 begann geschäftig, mit Ausstellungen und Vorträgen, die um das Thema Raum (Spaziale) kreisten. Mit Installationen, die Betrachter in eine assoziative Traumwelt leiteten, in der Lucio Fontana mit den Kategorien von Zwei- bzw. Dreidimensionalität brach und an die barocke Idee des Gesamtkunstwerks anknüpfte.
Den Sommer verbrachte der studierte Bildhauer in der Region Ligurien, in Albisola, wo er an Keramiken arbeitet. Irgendwann davor oder danach hatte er in seinem Mailänder Atelier einen Karton mit einem Spitzel bearbeitet. Durch die Löcher kam das Licht - und damit die Unendlichkeit, avancierte die Perforierung (Buchi) zum plastischen Element. Sie begannen spiralförmig zu kreisen, sich zu verdichten und zu formieren, zum Teil in Begleitung von Glitter oder Sand als materielle Balance zur "Antimaterie" der Löcher. Dann folgten die berühmten Tagli: Mit einem Teppichmesser schnitt er in die meist monochromen Leinwände eine oder auch mehrere konvexe oder auch konkave Linien, verlieh der Fläche damit Struktur und Rhythmus.
"Alle haben geglaubt, ich wollte zerstören: Aber das stimmt nicht, ich habe aufgebaut, nicht zerstört ...", resümierte er (noch) 20 Jahre danach. Laut Zeitzeugen habe Fontana stets mehrere Stunden in höchster Konzentration vor der leeren Leinwand verharrt, um dann, endlich, mit dem Schneiden zu beginnen. Auf den ersten Blick eine radikale, aber eben keine zerstörerische Handlung, auch keine spontane informelle Geste, sondern eine exakt kalkulierte Idee, ein ritueller Akt, über den das Nichtsichtbare erfahrbar werden wollte. Über schlaffe oder gespannte Schnittränder, die sich dem Betrachter entgegenneigen oder vor ihm zurückziehen: universelle Raumerfahrungen vielleicht, dreidimensionale Objekte jedenfalls, Concetto spaziale nannte er sie deshalb fast alle.
Verletzte Bildflächen
Insofern liest sich die Liste der zehn höchsten bislang in Auktionssälen verzeichneten Fontana-Zuschläge (siehe Tabelle) eher wie eine episodische Bewertung seines Leitbegriffs, da und dort um Werkgruppen-Zugehörigkeit spezifiziert: La fine di dio (das Ende Gottes) steht dabei seit 2008 an der Spitze (10,32 Mio. Pfund), eiförmige Leinwände, die ergänzt um die lebhafte Farbigkeit das Sinnbild der Fruchtbarkeit und über die Verletzung der Bildoberfläche den ewigen Kreislauf von Schöpfung und Tod repräsentieren. Als Attese (Erwartungen) bezeichnete Fontana wiederum seine Schnittbilder und verweist damit auf den über die Zerschneidung der Leinwand erzeugten Durchblick bei zeitgleicher Schaffung eines Erwartungsraumes: Und ein solcher gelangt kommende Woche im Dorotheum zur Versteigerung, auf 400.000 bis 600.000 Euro taxiert und kurz vor seinem Tod im September 1968 ausgeführt.
International steht Fontana, nicht nur als einer der Wegbereiter von Zero und Nouveau Réalisme, hoch im Kurs. Ganz besonders in Großbritannien, wo 68 Prozent des weltweiten Auktionsumsatzes eingespielt werden (gefolgt von Italien mit 20 Prozent). Dazu gilt er als Stammgast auf allen wichtigen Kunstmessen, und wenn ihm Larry "Go Go" Gagosian, wie aktuell in New York (bis 30. 6.), eine retrospektive Ausstellung widmet, dann spricht das für sich. Dann haben Lucios Spaziali ihren Zenit in der monetären Bewertung noch gar nicht erreicht. (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 19./20.5.2012)
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Das Wesen der Kunst, beurteilt der Betrachter. Also jeder für sich selbst. Sobald jemand anderer seinen Senf dazu gibt, wird diese Beurteilung jedoch beeinflusst.
Die künstlerische Leistung wird großteils durch den künstlich geschaffenen Wert eines Werkes definiert und verkommt zu einem kapitalistischen Wertpapier.
BANKSY! Das ist für mich Kunst! Die ist für alle da!
Oh ja, der ist definitiv eine Ausnahmeerscheinung: Verständlich, besser verständlich durch Vorwissen, rebellisch und romantisch.
Möchte Ihnen dennoch widersprechen: Kunst muss gar nicht zwangsläufig etwas sein, was EIN Betrachter beurteilt, sondern auch etwas, was Diskurs erfordert und durch Diskurs erst erschließbar ist. Sonst sind die ganzen alten Gemälde mit ihrer Chiffre keine Kunst, sondern nur mehr Handwerk, weil sie sich dem Betrachter gar nicht mehr erschließen ohne Hilfe (auch ein zu Rate gezogenes Buch ist ja eine Form der Kommunikation zwischen Schreiber und Leser).
Also, diese gegenseitige Beeinflussung sehe ich weder als unbedingt negativ - eitelkeitsverletzend höchstens - noch als Ausschlusskriterium für "Kunst"...
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