Rote Brigaden bedrohen Chef von Rüstungskonzern

18. Mai 2012, 12:26
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Sorge vor terroristischer Anschlägen wächst

Rom - Der Chef des staatseigenen Rüstungskonzerns Finmeccanica, Giuseppe Orsi, ist offenkundig ins Visier von Linksextremisten geraten. Eine mit dem fünfzackigen Stern der linksradikalen Roten Brigaden gekennzeichnete Botschaft befand sich am Freitag auf der Mauer eines Büros von Finmeccanicas Konzerntochter Ansaldo Energia in Genua, berichtete die Polizei. Die Ermittler schließen jedoch nicht aus, dass die Drohung nicht auf Linksextremisten, sondern auf eine einzelne Person zurückzuführen ist.

Die Sorge vor linksextremistischen Attentaten wächst im krisengeschüttelten Italien. So wurden vor einer Woche vier Flugblätter mit dem fünfzackigen Stern der Rote Brigaden in Legnano bei Mailand entdeckt. Bei einem Prozess gegen sieben mutmaßliche Linksextremisten, die sich vor Gericht verantworten müssen, weil sie die in den 70er und 80er Jahren aktive Terrorgruppe "Rote Brigaden" (BR) neu gründen wollten, hatten am Dienstag fünf Linksextremisten zum bewaffneten Kampf in Italien aufgerufen. "Das ist der richtige Moment für die Revolution", rief der Linksextremist Alfredo Davanzo aus dem Käfig, in dem die Angeklagten eingesperrt waren.

Die Roten Brigaden, die in verschiedene Zellen unterteilt waren, versuchten in den 70er Jahren eine kommunistische Gesellschaftsordnung zu erzwingen. Die Roten Brigaden konnten 1982/83 von den Justizbehörden zerschlagen werden, nachdem sie wegen der Entführung und Ermordung von Aldo Moro, dem Parteivorsitzenden der Democrazia Cristiana im Jahr 1978, den Rückhalt in der Arbeiterschaft verloren hatten.

Regierung fürchtet Anarchisten

Die italienische Regierung befürchtet Terroranschläge von Anarchisten und Linksextremisten und hat die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. 14.000 mutmaßlich gefährdete Einrichtungen, sowie 550 Personen stehen unter Polizeischutz. Dafür sind 20.000 Sicherheitskräfte und Soldaten im Einsatz. Italienische Soldaten sollen jetzt verstärkt zur öffentlichen Sicherheit eingesetzt werden.

Tausende Menschen sind am Donnerstag in Genua auf die Straße gegangen, um gegen den Terrorismus zu demonstrieren. Sie reagierten damit auf den Angriff auf den Geschäftsführer der Atomfirma Ansaldo Nucleare, Roberto Adinolfi. Dieser war vergangene Woche in Genua auf offener Straße angeschossen worden. Der Manager wurde am Bein operiert, wurde aber schon nach einigen Tagen aus dem Spital entlassen. Die italienische Untergrundorganisation "Informelle Anarchistische Föderation" (FAI) hatte sich zu dem Anschlag bekannt. (APA, 18.5.2012)

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