Christliche AktivistInnen griffen Lesben und Schwule an

18. Mai 2012, 10:22
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Am Tag gegen die Diskriminierung von Homosexuellen darauf aufmerksam zu machen, schützt vor Angriffen nicht

Tiflis - In Georgien haben christliche AktivistInnen eine Gruppe von Schwulen und Lesben daran gehindert, anlässlich des internationalen Tags gegen die Diskriminierung von Homo- und Transsexuellen einen Gay Pride Umzug abzuhalten. Rund 20 Menschen hatten sich mit selbstgemalten Schildern und Regenbogenfahnen im Zentrum der zutiefst konservativen Hauptstadt Tiflis (Tbilisi) versammelt, um gegen Homophobie zu protestieren, als sich ihnen orthodoxe Priester mit ihren UnterstützerInnen in den Weg stellten.

"Es gibt viel Diskriminierung hier und wir wollen zeigen, dass Homosexualität keine Bedrohung für die Gesellschaft ist", sagte eine der Teilnehmerinnen. Die christlichen AktivistInnen bildeten jedoch auf dem Weg zum Parlament eine Kette, beschimpften die DemonstrantInnen, zerbrachen ihre Schilder und hinderten sie am Weitergehen. "Wie kann man so etwas fördern auf der Straße, wo sogar Kinder sind? Es sollte nicht erlaubt werden", sagte einer der Priester.

Nach dem Ausbruch der Gewalt schritt die Polizei ein und nahm drei Menschen fest. Die orthodoxe Kirche hat weiterhin großen Einfluss in Georgien. Die Gesellschaft der früheren Sowjetrepublik ist zutiefst konservativ, und Homosexualität wird von weiten Teilen der Bevölkerung abgelehnt. Eine der Organisatorinnen sagte, sie hätten mit negativen Reaktionen gerechnet, aber nicht mit Angriffen. Tiflis habe noch einen langen Weg vor sich, um eine moderne europäische Stadt zu werden.

Ähnliches Bild in St. Petersburg

Auch in der russischen Touristenmetropole St. Petersburg kam es am Donnerstag bei einer Demonstration Homosexueller zu Ausschreitungen. Unbekannte hätten einen Bus mit Homosexuellen-AktivistInnen mit einer Nebelgranate zum Anhalten gezwungen und dann mit Flaschen und Steinen beworfen, berichtete die Agentur Interfax. Einige Insassen seien geschlagen worden. In St. Petersburg ist vor kurzem ein umstrittenes Gesetz gegen "Schwulenpropaganda" in Kraft getreten. (APA, 17.5.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eine gewaltvolle Auseinandersetzung am 17. Mai in Tiflis.

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