Moody’s erhöht Druck auf Spanien

18. Mai 2012, 17:27
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Die Ratingagentur Moody’s stuft die Kreditwürdigkeit von 16 spanischen Banken herab, darunter auch den Erste-Bank-Großaktionär Caixa-Bank

Spanien bleibt keine Zeit für eine Siesta. Das Zinsniveau der Zehnjahresbonds rangiert seit mehr als einer Woche jenseits der Sechs-Prozent-Marke. Frisches Geld muss zu stets kürzerer Laufzeit bei höheren Kosten aufgenommen werden. Doch "noch hat Spanien ausreichend Kapazität, um sich selbst zu finanzieren", bekräftigte am Freitag Amadeu Altafaj Tardio, Sprecher der EU-Kommission: "Man muss nicht einmal an die Möglichkeit einer Rettung denken." Unsicherheiten um Spanien würden jedoch "nicht einzig im Griechenlanddrama fußen, sondern auch in den seit 2008 akkumulierten Problemen".

Unentwegt schellen die Alarmglocken um das Boom-Erbe der Immobilienlast auf Spaniens Banken, deren Kreditausfälle im März auf 8,37 Prozent kletterten - Tendenz steigend. Folglich setzte der US-Ratingriese Moody's nach dem Rundumschlag gegen den italienischen Bankensektor seinen Downgrade-Reigen in Spanien fort: 16 Institute wurden um bis zu drei Stufen abgewertet, darunter die Großbanken Banco Santander und BBVA sowie die systemrelevanten Institute Banesto und Caixa-Bank. Letztere hält 9,7 Prozent an der Erste Group.

Teil des Spiels

So wohlwollend die von der EU eingeforderte glaubwürdige und unabhängige Prüfung des Banksektors von Analysten begrüßt wurde, so sehr stoßen sich Kritiker an den zwei beauftragten Unternehmen, die selbst Teil des Spiels seien. Der Fondsmanager BlackRock hält etwa vier Prozent der Aktien von BBVA und Banco Santander. Consulter Oliver Wyman betrieb massives Lobbying gegen den griechischen Schuldenschnitt. Brisanterweise wird, wie die Wirtschaftszeitung Expansión berichtete, Goldman Sachs nun die jüngst teilverstaatlichte Bankia-Gruppe prüfen.

Bankia konnte zwar am Freitag den Absturz vom Vortag - die Aktie sackte um knapp 30 Prozent ab - weitgehend wettmachen. Dennoch empörte sich Javier Cremades, Anwalt der Bankia-Kleinanleger, im Radio RNE, dass "die Börsenaufsicht Bankia nicht vom Handel ausgesetzt hat". Wer beim Börsengang im Juli des Vorjahres 1000 Euro investiert hat, hält mittlerweile knapp 300 Euro. Aber "Bankia sei absolut solvent" und "Spanien keineswegs auf ‚Corralito‘-Kurs, wie Argentinien 2001" - wider die Gerüchte, dass Kunden ihre Gelder abziehen, legten Regierungschef Mariano Rajoy von der konservativen Volkspartei (PP) und die spanische Nationalbank ihre Hände ins Feuer.

Zugleich rückte Madrids Regionenpräsidentin Esperanza Aguirre (PP) in die Kritik. Ohne die massive Zuteilung von Krediten der CajaMadrid (heute im Bankia-Bund BFA) wären Stadterweiterungspläne in und um Madrid nie umsetzbar gewesen, klagt die liberale Kleinpartei UPyD an. Aguirre selbst spielte den schwarzen Peter der sozialistischen Vorgängerregierung von José Luis Rodríguez Zapatero zu. Diese hätte die Bankia-Fusion auf Biegen und Brechen durchgezogen: "Das war eine Shot-Gun-Marriage."

Monatliche Kontrolle

Da Moody's auch vier spanische Regionen abwertete, will die Regierung fortan deren Haushaltsdisziplin im Monatstakt evaluieren, kündigte Vizeregierungschefin Soraya Sáenz de Santamaría nach dem freitäglichen Ministerrat an. Gleichzeitig stagniert der Plan der gemeinschaftlichen Schuldenemission aller Regionen per "Hispano-Bonds".

Noch zu setzende Reformen Rajoys, etwa Einsparungen bei Gesundheit und Bildung, werden mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel beim G-8-Gipfel am Wochenende diskutiert. (Jan Marot, DER STANDARD; 19./20.5.2012)

 

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