Was uns Franz Moor sagt

17. Mai 2012, 20:32
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Das Schuldrama "Verrücktes Blut" hat am Samstag in Bregenz Premiere - Im Theater Kosmos, das heuer seinen 15. Geburtstag feiert

Bregenz - Mit Philip Ridleys Disney Killer, einem Stück über die Traumata der Kindheit, gab das Theater Kosmos 1996 in Vorarlberg den Anpfiff für eine frische Auseinandersetzung und Pflege der Gegenwartsdramatik im freien Theater. Hubert Dragaschnig und Augustin Jagg haben es ins Leben gerufen. Es folgten mit wachem Auge gewählte Stücke von Helmut Krausser oder Ingrid Lausund, Stars wie Neil LaBute, Tracy Letts, Tom Lanoye / Luk Perceval oder Roland Schimmelpfennig. Ebenso gilt das Haus als Ort für Uraufführungen heimischer Autoren wie Erwin Riess, Michael Köhlmeier und Gustav Ernst (unlängst: Bridge. Eine Komödie).

Das Theater Kosmos hat in den nunmehr fünfzehn Jahren seines Bestehens also eine gute Nase für relevante Theaterliteratur bewiesen. Ein gutes Beispiel dafür ist aktuell Nurkan Erpulats / Jens Hilljes Verrücktes Blut, das seines wichtigen Themas wegen (Migration, Isolation, Angst vor dem Fremden) im vergangenen Jahr den Siegeszug von Berlin aus durch die deutschsprachigen Lande angetreten hat. Vom Branchenblatt Theater heute wurde es zum "Stück des Jahres" ausgerufen. Premiere im Theater Kosmos ist am Samstag, Regie führt Stephan Kasimir.

In Verrücktes Blut versucht eine Lehrerin, die Schülerinnen und Schüler ihrer migrantischen Schulklasse mit Gewalt zu unterweisen: Es geht um die Errungenschaften der Aufklärung (Freiheit, Toleranz usw.), die in einem Klima von Angst (vor dem Fremden, vor der Armut) ins Hintertreffen geraten sind. Und siehe da - mit den weisen Versen Friedrich Schillers (Die Räuber, Don Carlos) lässt sich sehr gut eine Islamdebatte führen. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 18.5.2012)

Premiere 19. 5.

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