Stoppel drauf

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    foto: apa/ karl josef hildenbrand

Ein Kulturkampf wurde vernünftig zu Ende gebracht, freut sich Luzia Schrampf

Zehn Jahre ist es nun her, seit Johannes Hirsch Tabula rasa machte. Der Winzer aus Kammern im Kamptal beschloss, seine Weine bis hin zum Alleredelsten mit einem Drehverschluss statt Kork zuzumachen. Er hatte genug von Geschmacksproblemen, die durch das Traditionsprodukt verursacht wurden. Weder die Heftigkeit so mancher Reaktionen noch die Folgen dieser Entscheidung waren damals wirklich absehbar: Befürworter und Gegner schlugen sich monatelang gegenseitig Argumente und Studien um die Ohren.

Der damalige Herausgeber des bis heute einflussreichsten österreichischen Weinmagazins Falstaff sah das Ende der Weinkultur heraufdämmern und rief zum Hirsch-Boykott auf. Und so mancher Edel-Sommelier argumentierte allen Ernstes, dass man ein Restaurant-Rendezvous in romantischer Absicht keinesfalls zum Absturz bringen dürfe, indem man eine Flasche Wein mit einem schnöden Krrrrzzz statt des wesentlich eleganteren Plopp öffnet.

Krrrrzzz statt Plopp

Viele Winzerkollegen folgten Hirschs Beispiel aus Überzeugung, wenn auch nicht immer mit dessen Konsequenz. Bald erkannten auch Sommeliers die Meriten zugeschraubter Weine, vor allem für den glasweisen Verkauf. International entwickelte sich die Sache langsamer, aber kontinuierlich. In ein paar Ländern, in Australien und der Schweiz, war der Schrauber für Weißweine bereits damals alltäglich. In Deutschland wurde er zögerlich, aber doch akzeptiert.

In der Toskana wieder gilt man heute noch als Ketzer, so man angesichts der zweiten Flasche eines mörderisch korkenden Weines höflich nachzufragen wagt, ob die Möglichkeit eines anderen Verschlusses schon einmal erwogen wurde. Und auf der iberischen Halbinsel, speziell in Portugal als größtem Korkerzeuger der Welt, werden Korkprobleme weitgehend negiert. Allerdings hat die Korkindustrie angesichts weltweit davonschwimmender Felle auch viele Verbesserungen in den Eichenwäldern, in der Hygiene der Verarbeitung und der Kontrolle auf den Weg gebracht.

Österreichs Wein-Kundschaft erwies sich von Beginn an als pragmatisch. Immerhin erfreut man sich ja am Inhalt einer Flasche, nicht am Verschluss oder am Geräusch beim Entfernen desselben. Auch Falstaff und Hirsch haben Frieden geschlossen: 2011 wurde er - hochverdient und nicht nur wegen der Verschluss-Geschichte - Winzer des Jahres. (Rondo, DER STANDARD, 18.5.2012)

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Glas"korken" habe ich, auch bei teureren Weinen, schon lange keinen mehr gesehen.
Wird wohl zu teuer sein.

Gestern im Glas, Tement Grassnitzberg. Aber viele sind's nicht, in der Tat.

auch wenn ich den technischen vorteil des drehverschlusses anerkenne

bevorzuge ich den korken. der glasstoppel (links im bild zu sehen) ist eine annehmbare alternative.

bag-in-the-box wie weiter unten propagiert halte ich für ein absolutes no-go. schließlich geht es ja nicht nur um das saufen, sondern um genuss. und kultur.

mir gehts auch um den genuß

und den verleidets mir halt, wenn der wein stoppelt

so oft kommt das nicht vor wie uns seit ein paar jahren weisgemacht wird

ich trinke seit 30 jahren regelmäßig wein. ein kaputter korken ist mir vereinzelt untergekommen.

mir gings genauso - eigentlich null probleme.
vielleicht sind wir so glücklich und schmecken es nicht! :-)
ps.: seit ein bekannter mal einen wegen "korkens" reklamierte und ihm die kellnerin eröffnete sie hätte ausschliesslich weine mit schraubverschluss..... denk ich dass ein grosser teil der "Korkfehler" gschichtldruckerei von wichtigmachern ist :-)

Nicht unbedingt - TCA (Korkmuff) kann theoretisch auch schon im Keller in den Wein kommen. Ausserdem gibt es noch andere muffige Fehltöne, die man eventuell mit Kork verwechseln könnte.

Verschluss ist egal

Wenn das romantische Ambiente stimmt, dann spielt der Verschluss keine Rolle:
http://www.youtube.com/watch?v=V-kuOu_PSME

Ich bin bekennender Fan von Drehverschlüssen...

praktisch und kein Qualitätsproblem mehr.
Außerdem: wie oft hab ich beim Öffnen der Flasche schon einen Korken abgebrochen...

das passiert doch eher bei den granulatkorken

bei weinen im unteren preissegment. da macht der drehveschluss (oder von mir aus der kunststoffkorken, aber dreht wieder oft ins leere) durchaus sinn.

bei höherpreisigen weinen ist mir was anderes lieber. da finde ich den glasverschluss interessant und in diesem preissegment sollten die mehrkosten vs. stelvin und co auch leicht unterzubringen sein.

flasche öffnen und kork nicht beschädigen

schneller ists auch:

http://www.youtube.com/watch?v=NJYZzwGANAs

ps.: so gut die screwpull sein mögen - mir tuts immer weh einen korken ganz zu durchbohren (oft geht auch ein bröserl in den wein), eine macke halt.
bei festsitzenden kunststoffstoppeln ächzt der screwpull, da ist er am limit :-)

du musst den korken nicht ganz durchbohren

und selbst wenn - ein bröserl kork im wein ist kein malheur

mit screwpull, leverpull und ähnlichen schon - das geht gar nicht anders.

ich verwende nur die klassischen öffner

gibt es auch von screwpull :-)

also, mir hats noch nie einen preßkork-stoppel zerrissen

aber schon so manchen altersmorschen naturkork

Drehverschluss hin oder her...

...Ich will nicht mehr Plastik. Plastik. Plastik.

Weiter unten wir bereits der nächste (unausweichliche) Entwicklungsschritt diskutiert: Wein im antispetischen Plastiksackerl, von Karton umgeben und mit Zapfhahn aus Plastik. Hat auch und insbesonere bei Qualitätsweinen viele Vorteile. Also Leute, die Zukunft!

für leute wie sie

wird ja auch der glasstopfen angeboten - mit dem bisserl siikon müssens halt genauso leben wie mit der plastikkapsel über dem flaschenkork

Silikon ist kein Kunststoff, weiters sind sie Hülsen über dem Kork oder den Glasstofen aus Aluminium - da gibts weit und breit keinen Kunststoff.

Silikon ist kein Kunststoff? Das hat Dir wohl Deine Freundin einzureden versucht.

Nachtrag: das was Sie als Silikon bezeichnen ist ein PVC ähnliches Material.

Sie muessen nicht so viel Angst vor der Zukunft haben. Ernsthaft, alles wird gut.

Bag in the Box

ist nicht 100% gasdicht, also altert der Wein auch entsprechend. nach 12 Monaten schmeckt man einen deutlichen Unterschied. Und echt gute Weine habe ich in BiB noch keine gekostet. Weder in USA noch in Österreich.

Unser Weinbauer hat schon seit Jahren auf Drehverschlüsse umgestellt!

Seine Argumente:

- Schutz der Korkeiche: da gibts ja nimmer sehr viele bzw es dauert ewig, bis der Baum wieder nachgewachsen ist.
- viel billiger in der Produktion: 1 drehverschluss kostet mit ca 10 cent einen Bruchteil gegenüber eines Korkens.
- Glaskorken als Alternative: die sind noch viel viel teurer als Kork.
- Ausfall von Wein wegen Korken etc quasi nicht vorhanden!
-Ich brauch nie einen Korkenzieher ;oD

Also ich sehe kein Einziges Argument, warum man einen Wein verkorken soll, außer es ist ein extrem teurer Rotwein, wo man sowieso wegen der langen Lagerung alle paar Jahre einen neuen Korken einsetzten muss. Das hat aber auch was mit der Nachreifung zu tun...aber da kenn ich mich zu wenig aus warum da ein Kork her muss.

die meisten korkeichenbestände die genutzt werden (vor allem portugal)

sind genau in hinblick auf die korkproduktion vom menschen gepflanzt worden.

was aber geschieht, wenn die aktivität zusammenbricht, sieht man in südfrankreich (wo die produktion nur noch sehr gering ist). die bestände gehen zurück (ersatz durch andere kulturen) oder werden nicht mehr oder weniger gepflegt.

bleiben nur noch die natürlichen bestände, die aber in den seltendsten fällen reine koreichenwälder sind (oft mit der steineiche quercus ilex und der pinie pinus pinea gemischt).

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