Die Wolfsberger Oase in der Fußballwüste

17. Mai 2012, 18:53
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Aufsteiger beweist Kärntner Potenzial - WAC mit Coach Bjelica, aber ohne Partner St. Andrä im Oberhaus

Wolfsberg - Noch 90 Minuten Fußball am Freitag gegen den weiter akut von der Lizenzlosigkeit bedrohten LASK, dann ist das Kapitel Zweitklassigkeit für den WAC / St. Andrä abgeschlossen, dann wird in der Lavanttal Arena mit bis zu 5000 Fans der Aufstieg gefeiert - mit viel Bier, Hannes und den Lavanttalern, Konfettiregen und natürlich dem Meisterteller, den sich die Mannschaft von Coach Nenad Bjelica schon am vergangenen Freitag mit einem 3:1 bei der Vienna gesichert hatte.

Für die Wolfsberger ist es der bislang größte Erfolg der Vereinsgeschichte. "Dass sich alles so entwickelt hat, ist schon relativ überraschend für uns", sagt Präsident Dietmar Riegler. "Aber wir sind in den letzten Jahren einfach stetig gewachsen."

Anders als der SK Austria, der davor letzte Kärntner Oberhausverein, ist der WAC / St. Andrä kein Retortenklub, sondern ein Gemeinschaftsprojekt des seit 1931 bestehenden Wolfsberger AC und des 1946 gegründeten SK St. Andrä. Die Wolfsberger waren über die Nationalliga bzw. Zweite Division nie hinausgekommen, St. Andrä gelang 2003 erstmals der Aufstieg in die Regionalliga Mitte. "St. Andrä wurde immer populärer, Wolfsberg rückte immer mehr ins Hintertreffen", beschreibt Riegler die Situation, die schließlich dazu führte, dass man 2007 den Zusammenschluss vollzog. 2010 gelang bereits der Aufstieg in die Erste Liga.

Präsident mit guter heißer Luft

Mitverantwortlich ist Riegler, einst selbst Aktiver, unter anderem beim WAC. Der Vereinspräsident und Unternehmer - mit Partner Otto Zechmeister führt er die auf Biomasse-Heizungen spezialisierte RZ-Gruppe - ist gleichzeitig auch Hauptsponsor des Vereins.

Das Budget in der Erste Liga belief sich auf 2,5 Millionen Euro. Als große Einnahmequelle gibt Riegler seinen VIP-Klub an. Die Lounge im Stadion wird nicht nur für Sportveranstaltungen genutzt, sondern auch für Hochzeiten und andere Feiern. "Es gibt kaum einen Wirtschaftstreibenden aus der Region, der nicht schon dort war." Sponsoren aufzutreiben sei aber trotzdem schwierig.

Dafür rennen Jungkicker dem Verein aus der 25.000-Einwohner-Gemeinde die Türe ein. "Unser Nachwuchszentrum erfreut sich größten Zuspruchs", sagt Riegler. Man will in Wolfsberg eine Anlaufstelle für Fußballbegeisterte aus der Region bieten, denen der Weg nach Graz oder Klagenfurt zu weit ist. Dass Kärnten genügend Potenzial für Profifußball bietet, sieht der Klubchef durch den Aufstieg als bewiesen an.

Bjelica bleibt

Wie das Team in Zukunft aussehen wird, ist noch offen: "Bei der Hälfte der Spieler läuft der Vertrag aus, die meisten wollen wir aber verlängern." Fest steht, dass Coach Bjelica weitermacht, aber die Spielgemeinschaft mit St. Andrä wieder beendet wird.

Die 4100 Zuseher fassende Lavanttal Arena wird umgebaut. Man benötigt 3000 überdachte Sitzplätze, derzeit sind es nur 1100. Der Zuschauerschnitt lag zuletzt bei rund 2700. (Jutta Kalian, DER STANDARD Printausgabe, 18.5.2012)

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    Nena Bjelica ist seit 2010 Trainer ins Wolfsberg

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