Osteuropäer werden in Österreich Hoteliers

17. Mai 2012, 18:37
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Da sie meist in bestehende Tourismusobjekte einsteigen, klären sie die oft schwierige Frage der Nachfolge

Wien - Es ist ein interessanter Trend, den die österreichische Betriebsansiedelungsgesellschaft ABA-Invest in Austria seit einiger Zeit beobachtet: Russen, Ungarn, Slowenen, Tschechen oder Ukrainer steigen bei österreichischen Fremdenverkehrsobjekte ein. "In der Regel kaufen sie bestehende Immobilien, erläutert Birgit Reiter-Braunwieser, Direktorin Mittel- und Osteuropa. Seltener bauen die Investoren komplett neu.

Ein paar Beispiele: Der Russe Sergej Sokolow kaufte in Bad Gastein das eher heruntergekommene Hotel Elisabethpark, renovierte es kräftig und führt es seither auch. Die ebenso vermögende Russin Tatjana Maximova erwarb in Hopfgarten im Defereggental, Osttirol, ein Abrisshaus und stellte an dessen Stelle ein mondänes Spahotel namens Zedern Klang. Der Ungar András Kovác kaufte und führt zwei Hotelanlagen bzw. Ferienapartmentanlagen in Wien und Murau.

Reiter-Braunwieser spricht bei dieser Entwicklung von West-Ost-Unterschieden innerhalb Österreichs: Meistens wird in den östlichen Bundesländern gekauft. Ungarische Hoteleigentümer in spe bevorzugen Niederösterreich, und die Steiermark - Gegenden, die dem Investor aus früheren Urlauben häufig schon bekannt sind. Dort kaufen sie gern kleine Pensionen oder Apartmenthotels in kleinen Skigebieten, für die sich oftmals schon des Längeren kein Interessent gefunden hat. " Wie man weiß, ist die Nachfolge bei vielen Fremdenverkehrsbetrieben in Österreich nicht geregelt. Sehr oft findet sich niemand, der den Betrieb weiterführen will", sagt Ansiedelungsexpertin Reiter-Braunwieser. Außerdem muss in die kleinen, oft in den 1960er- und 1970er-Jahren gebauten Zweisternebetriebe viel investiert werden, damit sie modernen Ansprüchen genügen.

Investitionen in Tirol

Investitionen von Russen à la Maximova in Osttirol seien aufgrund der rigiden Vorgaben, was Grundstückserwerb von Nicht-EU-Bügern in Tirol betrifft, eher in der Minderzahl. "Anfangs war Frau Maximova auch nicht besonders willkommen", erläutert Reiter-Braunwieser. Mittlerweile aber könne sich die Russin vor Einladungen zu weiteren Investitionen kaum noch retten.

Die bekannteste russisch-tirolerische Tourismusinvestition, die der Russin Jelena Baturina in Kitzbühel, ging jedoch ohne Hilfe der österreichischen Betriebsansiedler über die Bühne. Bekanntlich besitzt Baturina, die Gattin des umstrittenen ehemaligen Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow, ein Fünfsternehotel samt Golfklub in Kitzbühel. Auch der russische Oligarch Oleg Deripaska soll in Tirol, am Arlberg, ein Anwesen besitzen.

Ein Landstrich, der von vielen osteuropäischen Fremdenverkehrsinvestoren gesucht wird, ist das Gasteinertal. Seit der EU-Osterweiterung haben sich dort eine ganze Reihe von lettischen Staatsbürgern in bestehende Pensionen und Hotels eingekauft.

Neue Kundenkreise

Mittlerweile haben heimische Lokalpolitiker erkannt, dass sich solche Investitionen günstig für ihr Dorf auswirken können, zeigen die angestiegenen Anfragen bei der Betriebsansiedelungsgesellschaft. Die Osteuropäer, die manchmal bereits Hotels oder Reisebüros in ihrer Heimat besitzen, bringen nämlich ganz neue Kundenkreise. Sie investieren kräftig in ihre neuen Häuser und sie schaffen Arbeitsplätze. Nach Aufzeichung der ABA Invest kam es in den vergangenen fünf Jahren zu mindestens 20 solcher Deals. Die Investitionen dürften bei 85 Millionen Euro liegen, mindestens 300 Arbeitsplätze sind geschaffen worden. Vonseiten der Osteuropäer wird die Investition als Diversifizierung in ein sicheres Land wie Österreich gesehen. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 18.5.2012)

  • Reiche Russen sind als Investoren gern gesehen. Die Russin Tatjana Maximova baute in Osttirol das Hotel Zedern Klang.
    foto: standard

    Reiche Russen sind als Investoren gern gesehen. Die Russin Tatjana Maximova baute in Osttirol das Hotel Zedern Klang.

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