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Wien - Man darf sich Paolo Conte als Zeitgenossen vorstellen, der auf ausgelassen Partys die Rolle jenes Typen am Trubelrand einnimmt, der am liebsten ohne Worte plaudert. Auch im Konzert wirkt der Cantautore gewohnt maulfaul, wie ein Altphilologe auch, der, in alte Texte vertieft, verloren vor sich hinsummt. Und so er einmal neben dem Klavier beim Mikro auftaucht, erinnert er in seiner fragilen Art auch nur an den nicht gerade ausufernd eleganten Joe Cocker.
Was scheinbar als Prototyp des Antibühnenkünstlers daherkommt, ist jedoch Folge einer diskreten Inszenierung, welche die Lakonie und Nonchalance dieser Musik in authentische Mimik und Gestik übersetzt. Contes Songs, alte Stilwelten beschwörende anachronistische Miniaturen, umgeben sich zwar mit zehn Musikern, von denen manche im Laufe des Abends bis zu fünf verschiedene Instrumente betätigen müssen.
Ihre Funktion erschöpft sich jedoch darin, den grummelnden Minimalismus des Interpreten farblich zu umgarnen, keinesfalls jedoch orchestral zu überschminken. Und gerät es deftig in Form kitschiger Arrangements, greift Conte halt ein - mit seinem kratzigen Parlando oder (wo die Worte nicht mehr ausreichen) mit entspanntem "Du-bi-du-schubap"-Scatgesang wie jenem trötenden Ding namens Kazoo.
Es ist immer noch so: Wer so zeitlos alte Epochen herbeizukomponieren versteht, wer Songs wie It's Wonderful oder Sotto le stelle del jazz geschrieben hat und über solch tief brummende Erzählkünste gebietet, ist nicht zu beunruhigen und könnte - ohne Charisma-Einbußen - hinter einem Vorhang spielen. Schade nur, dass ihn ein gewisser Zugabengeiz überfiel, er dem stehenden Auditorium vor allem Max vorenthielt. Das wird manchen dazu bewogen haben, daheim mit einer CD das Konzert zu vervollständigen. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 18.5.2012)
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Fluch der Berühmtheit !
Der Mann gehört einfach nicht in einen, eben meist zu großen, Konzertsaal.
Ich genoß einst das Privileg, Paolo Conte bei einem seiner ersten, wenn nicht überhaupt seinem ersten, Besuche in Wien, in einer winzigen Halle das alten Messepalastes zu hören, unvergleichlich intim und unmittelbar, man fühlte sich, trotz der fehlenden Bestuhlung und Getränke in die längst vergangenen Zeiten mäßig beleumundeter Jazzclubs versetzt.
Keines der Wiedersehen mit dem Professore von der Staatsoper ( Jazzfest) bis zum Austria Center ( weltbekannt lausige Akkustik ) konnte jemals wieder diesen Zauber herstellen. Es ist zugegebener Maßen elitär und damit absolut nicht PC aber ich wünsche mir P.C. in einem kleinen Club.
http://www.spiegel.de/spiegel/p... 01392.html
Conte: Natürlich können auch Frauen musikalisch sein, aber auf eine oberflächlichere Art. Es ist wie beim Auto: Ein Mann will unter die Motorhaube gucken und alles wissen. Die Frau dagegen interessiert sich nur für die Karosserie, das Äußere. Also, ob das Auto gut aussieht und eine schöne Farbe hat.
... Aber Frauen können Auto fahren, so wie Frauen auch singen und Instrumente spielen können. Nur, wenn es darum geht, den Mechanismus zu durchschauen ...
SPIEGEL: ... Frauen ... in der Küche ...
Conte: Jedenfalls haben Männer dort nichts verloren. Frauen füllen dort eine überlieferte Rolle aus, sie sind einfseriöser. Sie haben Sinn dafür, verborgenen Geschmack zu entfalten ...
Der Rezension ist wenig hinzuzufügen - schade, dass sich Conte trotz minutenlanger Standing Ovations und frenetischem Applaus nicht zu einer Zugabe "überreden" ließ. Allerdings wirkte er vorgestern erstmals ein klein wenig gebrechlich auf mich - unübersehbar, dass es ihm nicht (mehr) leicht fällt, die körperlichen Strapazen von zwei Stunden Höchstleistung einfach beiseite zu schieben, bei seinem Alter von 75 Jahren sei ihm das aber selbstverständlich nachgesehen.
Danke für wunderbare zwei Stunden!
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