Der Sound des Lakonischen

17. Mai 2012, 18:29
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Sänger Paolo Conte im Wiener Konzerthaus

Wien - Man darf sich Paolo Conte als Zeitgenossen vorstellen, der auf ausgelassen Partys die Rolle jenes Typen am Trubelrand einnimmt, der am liebsten ohne Worte plaudert. Auch im Konzert wirkt der Cantautore gewohnt maulfaul, wie ein Altphilologe auch, der, in alte Texte vertieft, verloren vor sich hinsummt. Und so er einmal neben dem Klavier beim Mikro auftaucht, erinnert er in seiner fragilen Art auch nur an den nicht gerade ausufernd eleganten Joe Cocker.

Was scheinbar als Prototyp des Antibühnenkünstlers daherkommt, ist jedoch Folge einer diskreten Inszenierung, welche die Lakonie und Nonchalance dieser Musik in authentische Mimik und Gestik übersetzt. Contes Songs, alte Stilwelten beschwörende anachronistische Miniaturen, umgeben sich zwar mit zehn Musikern, von denen manche im Laufe des Abends bis zu fünf verschiedene Instrumente betätigen müssen.

Ihre Funktion erschöpft sich jedoch darin, den grummelnden Minimalismus des Interpreten farblich zu umgarnen, keinesfalls jedoch orchestral zu überschminken. Und gerät es deftig in Form kitschiger Arrangements, greift Conte halt ein - mit seinem kratzigen Parlando oder (wo die Worte nicht mehr ausreichen) mit entspanntem "Du-bi-du-schubap"-Scatgesang wie jenem trötenden Ding namens Kazoo.

Es ist immer noch so: Wer so zeitlos alte Epochen herbeizukomponieren versteht, wer Songs wie It's Wonderful oder Sotto le stelle del jazz geschrieben hat und über solch tief brummende Erzählkünste gebietet, ist nicht zu beunruhigen und könnte - ohne Charisma-Einbußen - hinter einem Vorhang spielen. Schade nur, dass ihn ein gewisser Zugabengeiz überfiel, er dem stehenden Auditorium vor allem Max vorenthielt. Das wird manchen dazu bewogen haben, daheim mit einer CD das Konzert zu vervollständigen. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 18.5.2012)

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    Paolo Conte mit Mikro und seinem Kazoo. 

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