Veteranenfeiern: Jenseits des Heldenplatzes

Kommentar17. Mai 2012, 17:47
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Kommandanten, die nichts dabei finden, eine Diktatur zu feiern, sind nicht geeignet dafür, junge Menschen auszubilden

Die Bilder scheinen bei einer offiziellen Bundesheerfeier entstanden zu sein: Junge Rekruten schreiten in Uniform zur Kranzniederlegung, vorbei an älteren Herren in Habtachtstellung. Doch was im oststeirischen Gniebing auch gefeiert wurde, waren Kampfhandlungen der Wehrmacht. Konkret wurde von den Veranstaltern - Veteranenvereinen - des " heldenhaften Kampfes" gegen Österreichs Befreier im Frühjahr 1945 und des Überfalls der Wehrmacht auf Kreta 1941 gedacht. Zu den Befehlen, die Hitlers Soldaten auf Kreta auszuführen hatten, gehörten Massenerschießungen, das Niederbrennen von Ortschaften und die Ausrottung der männlichen Bevölkerung.

Die Teilnahme von Bundesheerangehörigen in Gniebing soll nun - nachdem die Grünen sie thematisiert haben - überprüft werden. Verteidigungsminister Norbert Darabos bewies erst zuletzt wieder in der Debatte um Krypta und Heldenplatz, dass ihm Antifaschismus ein Anliegen ist.

Doch Gniebing ist nur ein Ort jenseits des Heldenplatzes, wo sich Traditionspflege nie ganz vom braunen Unrechtsregime gelöst hat. Kommandanten, die nichts dabei finden, eine Diktatur zu feiern, sind nicht geeignet dafür, junge Menschen auszubilden, die unsere Republik und ihre Verfassung verteidigen sollen. Wenn hier nicht ein für alle Mal durchgegriffen wird, darf sich niemand wundern, dass unsere Gerichte mit jungen Männern beschäftigt sind, die den Holocaust verharmlosen und Nazis glorifizieren.(Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 18.5.2012)

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