Schriftsteller Carlos Fuentes gestorben

17. Mai 2012, 18:37

Zum Tod des mexikanischen Autors und Weltbürgers

Mexiko-Stadt - "Dandy Guerillero", "Marxist im Smoking", "Pathologe der Macht" lauten einige der Zuschreibungen, mit denen der mexikanische Autor Carlos Fuentes im Laufe der Zeit versehen worden ist. Manchen hingegen galt Fuentes, der neben García Márquez und Vargas Llosa zu den großen drei der lateinamerikanischen Literatur zählt, als " Schreibroboter" mit einem ausufernden, fast schon zu breiten Werk.

Am 11. 11. 1928 in Panama geboren, sein Vater war Diplomat an der mexikanischen Botschaft, verbrachte Fuentes Teile seiner Jugend in Nordamerika, Chile und Argentinien. Nach einem Jusstudium (u. a. in Genf) lebte der Schriftsteller, der 1954 mit dem Erzählband Verhüllte Tage debütierte, in den 1970er-Jahren als Botschafter Mexikos in Paris und anschließend in verschiedenen Städten Europas.

Dass Fuentes' literarisches Werk, obwohl es fast immer um Mexiko kreist, viel mehr als "nur" nationale Literatur ist, mag mit dem internationalen Blick dieses ungemein gebildeten Autors zusammenhängen. Neben der Metapher der Stadt als Moloch und sozialer Schmelztigel beschäftigte sich Fuentes in seinen Romanen stets mit der manifesten und latenten Geschichte seines Landes. Dreh- und Angelpunkt bildet oft die mexikanische Revolution (1910) und die Frage, was aus ihr - auch durch eine korrupte Wirtschafts- und Politikerelite - geworden ist.

"Die Utopie liegt nicht in der Zukunft (...). Die Zeit der Utopie ist jetzt. Der Ort der Utopie ist hier", schrieb Carlos Fuentes in Terra nostra, einem seiner bekanntesten Romane. Immer wieder meldete sich Fuentes, dessen Werk heutzutage nur mehr zu einem geringen Teil in deutscher Übersetzung greifbar ist, auch politisch zu Wort. Sein letzter Essay erschien am Tag seines Todes in der mexikanischen Tageszeitung La Jornada. Fuentes beschreibt darin seine Hoffnung, die er aus dem Regierungswechsel in Frankreich schöpfte.

Carlo Fuentes starb vergangenen Dienstag in Mexiko-Stadt an einer Magenblutung. (steg, DER STANDARD, 18.5.2012)

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    Pathologe der Macht: Carlos Fuentes.

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