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Japans Aktien befinden sich im Sturzflug, aber die Wirtschaft ist im ersten Quartal wie die keiner anderen großen Industrienation gewachsen. Im Vergleich zum Weihnachtsquartal ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der drittgrößten Industrienation der Welt um ein Prozent - oder auf das Jahr hochgerechnet um 4,1 Prozent - gestiegen. Das ist rund doppelt so schnell wie in den USA oder Deutschland.
Die Zahlen sind so gut, dass Experten Japan sogar voraussagen, im Jahr 2012 mit einer Wachstumsrate von rund zwei Prozent seine Rivalen zu übertrumpfen. Dennoch herrscht in Japan keine Jubelstimmung, sondern lediglich Erleichterung. "Der Aufschwung wird intakt bleiben", kommentieren die Ökonomen von Barclay's Capital die Zahlen nüchtern. Und der Notenbank-Chef Masaaki Shirakawa warnt sogar, dass Japans Wirtschaft sich weiterhin in einer "schwierigen Lage" befinde.
Selbst an positiven Signalen mäkeln die Experten noch herum. Hing Japans Wohl und Wehe in den vergangenen Jahrzehnten meist an den Exporten, haben sich nun die Japaner selbst zum Wachstumsmotor entwickelt. 0,9 Prozentpunkte des Wachstums machte der heimische Konsum aus. Denn nachdem sie nach Jahrtausenderdbeben und Atomkatastrophe in eine Art Schocksparen verfallen waren, geben sie wieder mehr Geld aus.
Doch gewarnt wird, dass diese Effekte schon ab Herbst wieder verpuffen werden. Zum einen wird ein Miniboom bei Autos durch staatliche Zuschüsse für den Kauf von benzinsparenden Autos befeuert. Zum anderen belastet Zukunftsangst die Psyche der Konsumenten. Und das nicht zu Unrecht. Denn das Land nippt an einem gefährlichen Gefahrencocktail: Zuallererst sorgen sich die Japaner nicht nur darum, dass Europa im Schuldenstrudel versinken und damit einer der Hauptmärkte japanischer Firmen wegbrechen könnte. Sie plagt auch die Angst, dass ihr Land bald Griechenland folgen könnte. Schließlich steht ihr Staat mit mehr als 200 Prozent bei seinen Bürgern in der Kreide. Und an einen schmerzarmen Ausweg aus dem Schuldensumpf, wie die Regierung ihn verspricht, glauben immer weniger Menschen.
Der amtliche Plan sieht nicht nur vor, die Umsatzsteuer auf zehn Prozent zu verdoppeln. Zudem will sich das Land durch ein nominales Wirtschaftswachstum von dauerhaft drei Prozent pro Jahr aus der Schuldenfalle herausbeschleunigen. Allein in diesem Jahr müsste Japan dafür das Wachstumstempo aus dem ersten Quartal beibehalten, was kaum ein Volkswirt für möglich hält.
Haushaltssanierung
Denn politisches Chaos sorgt seit Jahren dafür, dass das Land die nötigen Reformen vertagt. Das Wachstum wird daher ab 2013 wieder abbremsen, sagen viele Ökonomen voraus. Der Haushaltssanierungsplan der Regierung ist damit schon Makulatur, bevor er richtig begonnen hat. Und die Japaner ahnen, dass auch sie früher oder später die Zeche für ihre Schuldenexzesse zahlen müssen.
Doch damit nicht genug. Die Menschen fürchten auch, dass die wichtige Exportindustrie wegen des Höhenflugs des Yen Fabriken ins Ausland verlegen könnte.
Elektronikriesen wie Sony, Panasonic und Sharp haben 2011 bereits Rekordverluste geschrieben und produzieren immer mehr Hightech in China oder Südostasien. Autohersteller wie Toyota, Nissan und Honda sind zwar profitabel und versprechen, eine Sockelproduktion von 20 bis 30 Prozent ihres Absatzes in Japan aufrechtzuerhalten. Aber um bei den jetzigen Devisenkursen noch Geld zu verdienen, müssten sie den Einkauf von Bauteilen aus Billiglohnländern verstärken und damit Jobs bei japanischen Zulieferern gefährden. Opfern sie Gewinne oder Jobs, das ist die Frage. (Martin Kölling, DER STANDARD, 18.5.2012)
Die japanische Wirtschaft ist überraschend stark gewachsen, die Hälfte des Wachstums geht auf das Konto der Exporte
Die durch die lockere Geldpolitik ausgelöste Yen-Schwäche hatte zuletzt zu einem Ausverkauf am Bondmarkt geführt
Japans Währung verlor seit November zum Dollar über 30 Prozent an Wert
Das billige Geld der Notenbank treibt auch in Japan die Börse zum Höhenflug an. Experten warnen vor zu hohen Erwartungen
Es wurden keine neuen Maßnahmen beschlossen, die Preise gingen um 0,5 Prozent zurück
Die Notenbank allein kann das Land nicht aus der Wirtschaftskrise führen, dazu seien auch Struktur-Reformen auf breiter Front nötig
Haruhiko Kuroda rechnet nicht mit exzessiven Spekulationen wegen großer Staatsanleihen-Käufe
Die japanische Notenbank schießt im Kampf gegen die Deflation aus allen Rohren und löst damit Schockwellen an den Finanzmärkten aus
ich würde es mir verbieten das Wort "Wirtschaftswunder" in Verbindung mit Japan zu verwenden.
Die Lage der Griechen ist ein Klacks im Vergleich zu Japan: http://www.zerohedge.com/news/japa... -wtf-chart
Das heißt, dass sogar bei nominal gleichbleibender Wirtschaftsproduktion das reale Wachstum in % steigen würde.
Übrigens wurde diese ständige Deflation in den letzten Standard-Artikeln als große Gefahr für das Wirtschaftssystem bezeichnet...
Die Meinung, dass Deflation so schlecht sei, wird primär aus der Ecke der Schuldner lanciert. Die damit hoffen einen Teil ihrer Schulden über Inflation den Gläubigern umghängen zu können.
Wenn man es losgelöst von den Meinungen betrachtet, ist Deflation für eine Wirtschaft kein wirkliches Problem: Konkretes Beispiel abseits Japan: Elektronikbranche (Konsumelektronik) Seit mehr als 30 Jahres Deflation: Der PC, Handy, anderes Elektronik-Zeug was heute 500,- kostet. Bei exakt gleicher Leistung kostet es in 2 Wochen nur noch 450,- und in 6 Monaten 350,- Euro.
Trotzdem kaufen die Leute diese Elektronik und horten nicht Geld um es erst später auszugeben. Am Beispiel Konsumelektronik oder Japan sieht man die Fehler der "Wirtschaftstheorien"
Wer nimmt schon Kredite für Investitionen oder auch Konsum auf, wenn klar ist, dass es immer schwerer wird, den Kredit zu begleichen?
Und was Du da als Deflation bei Elektronikartikeln beschreibst: Da ist das Teure die Entwicklung, weniger die Produktion. Also ist es leicht am Anfang teuer zu verkaufen und dann billiger zu werden.
Ich sag mal so: Wer sich drüber freut, dass alles immer billiger wird, wird auch zur Kentnis nehmen müssen, dass er selbst auch immer billiger werden muss. Dass sich die Geldhorter darüber freuen ist klar: irgendwann kriegens mal alles zum Spottpreis, der in keiner Relation dazu steht, was sie selbst leisten mussten, um an das Geld zu kommen.
Deflation. Die wäre nur dann gegeben wenn die Geräte relativ im Verhältnis zum aktuellen Stand der Topgeräte günstiger werden würden. Das tun sie aber nicht. Das aktuelle Topgerät kostet immer gleich viel oder etwas mehr als das letzte. Genauso die gerade nicht mehr aktuellen oder älteren.
Wenn ich ein Elektronik-Produkt X kaufen will, der Preis kontinuierlich von X fällt, interessiert es mich nicht ob irgendein anderes Produkt Y teurer ist oder die relativen Preise dazwischen. Ich will X und nicht Y.
So, gleichzeitig fällt der Preis von X. Also wird es ein rationaler Käufer erst möglihst vor dem Produktlebensebene zum günstigsten Preis kaufen. So "lernt" man es auch in den dogmatischen Wirtschaftspseudowissenschaften. Stimmt nur leider mit der Realtität nicht überein.
In der Realität will Käufer das Produkt X jetzt. Da auch ich von der Werbung und ähnlichen Schabernack getrieben und manipuliert bin. Daher führt Deflation keinesfalls zu Käuferrückhaltung und abwarten, dass das Geld mehr wert wird.
Grund dafür ist, dass Wirtschaft keine Wissenschaft ist, sondern ein Dogma. Man lernt, das Zinsen gut sind, dass ein bisschen Inflation gut ist und Deflation schlecht, das Wirtschaftswachstum gut ist und Arbeitslosigkeit schlecht.
Man hinterfragt die Dinge aber nicht mehr. zB das Zinssystem => warum sollte man es aufrechterhalten, wenn es nur für 10 % gut ist.
Oder Wirtschaftswachstum - ist grundsätzlich sicher gut, aber diese zwanghaftigkeit, aus dem Planeten, Menschen, Tieren alles rauszupressen, um zumindest in der Buchhaltung einen Gewinn zu erwirtschaften, was soll daran gut sein. und die Arbeitslosigkeit: im Grunde ist es eine Errungenschaft, ermöglich durch Automatismus => Aber unser Kapitalismus pervertiert diese ins Negative...
nun, im Studium lernt man auch nicht, dass das Geldsystem einem Monopoly Spiel gleicht, nämlich dass aufgrund der Zinsen und Zinseszinsen eine ständige Umverteilung gibt von den unteren 90 % zu den oberen 10 % bis schlussendlich das theoretische Ziel erreicht wird, dass einer alleine 100 % des Vermögens besitzt
das Geld nicht mehr zu bekommen. Bei einer Pleite muss der Geldgeber abschreiben, und verliert entsprechend wieder. Die theoeretische Möglichkeit per Zinsen nahezu unenedlich viel Geld anzuhäufen ist also durch die Tatsache begrenzt, dass die Schuldner beim besten Willen irgendwann nicht mehr zahlen können.
An so einem Wendepunkt sind wir derzeit. Da gibts eben zwei Möglichkeiten: Entweder man nimmt in Kauf, dass die Anleger ihre Forderungen abschreiben müssen (nomineller verlust), oder man inflationiert nen Teil weg.
Dieser Satz sagt alles über das Niveau dieses Artikels. Der große Unterschied zwischn Japan und Griechenland (und anderen hochverschuldeten Ländern der EU) ist, dass der japanische Staat nach innen verschuldet ist. D.h. bei einem Crash würden zwar sehr viele Japaner sehr viel Geld mit ihren Staatsanleihen verlieren, das Land selbst wäre aber nach Außen kaum verschuldet und immer noch sehr kreditwürdig.
Im Übrigen rührt der gegenwärteige mini-Boom vom Desaster vom 11. März her. Im Nordosten wird viel aufgebaut, Bauarbeiter aus dem ganzen Land haben dort viel zu tun und Hunderttausende Familien müssen (oft mit finanzieller Unterstützung vom Staat) ihre Existenz neu aufbauen.
Nur ist das sowas von politisch nicht korrekt. Politisch korrekte Ideologie ist die pöse Kernenergie zu verteufeln. Und mal zu jammern wie schrecklich das alles ist und was dort alles durch das AKW verseucht ist. Und erst die armen Kinderleins, das ist dann das Totschlagargument gegen AKW.
Interessanterweise kommen gegen diese verbohrte Anti-AKW-Ideologie nichtmal die Wirtschaftsideologen so richtig an. Obwohl die voll auch diese Trickskiste spielen. Die machen zwar dort boomende Geschäften, eben wegen dem AKW-Crash, aber das darf dann nicht so offen gezeigt werden.
mit Fukushima hat es nichts zu tun. Die Tsunamiwelle hat eine Küstenregion von 400 km Länge zerstört, die nun wieder aufgebaut werden muss. Viele Gemeinden müssen wg. der Tsunamigefahr umgesiedelt werden. Die Schäden durch Fukushima betreffen ca 60.000 Menschen in einer relativ kleinen Zone rund um das Kraftwerk. Diese Folgekatastrophe hat sehr wohl negative Auswirkungen auf die Wirtschaft, denn gegenwärtig sind alle Atomkraftwerke des Landes abgeschaltet, viele Betriebe mussten deshalb Kurzarbeit anmelden und es kam zu Versorgungsengpässen bei manchen Komponenten.
http://www.zerohedge.com/news/japa... -wtf-chart
WTF !!
Erholung nur auf dem papier ....
Japan 220 % Staatsverschuldung - kaum Panik, dass Japan pleite gehen könnte.
Deutschland 83 % Staatsverschuldung - wird gehandelt als Musterknabe dem man das Geld nachwirft
Spanien: 60 % - Gehandelt als Pleitekandidat
Also irgendwie hab ich den Eindruck, dass es auf die Höhe der Staatsverschuldung weniger ankommt als auf die Einschätzung der Fähigkeit, dem Markt in den Allerwertesten zu treten.
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